Pfarrverband Mammendorf

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Ein Streifzug durch die Geschichte der Pfarrei St. Jakobus d. Ältere in Mammendorf

anhand der Chronologie der Pfarrherren in Mammendorf
Über die mittelalterliche Kirche in Mammendorf wissen wir nicht mehr als über die Entwicklung des Ortes ganz allgemein. Seit wann gab es eine Pfarrgemeinde in Mammendorf, eine feste Kirche, ab wann war diese dem Heiligen Jakobus geweiht worden, welche Priester lebten hier, wie feierten und lebten Mammendorfer Christen? – Wir wissen es nicht für diese frühe Zeit, denn schriftliche Überlieferung wie sonstige Monumente liegen uns dazu kaum vor. Dass vor 1250 Jahren die Mammendorfer aber bereits als Christen gelebt haben, dürfen wir unbesorgt annehmen; nicht allein die Schenkung des David nach Puch ist Indiz dafür, auch die reichhaltigen Besitzungen, die in späteren Jahren immer wieder ringsum von und in Kirchenhand wechseln, bekräftigen dies und legen die Vermutung nahe, dass Mammendorfs frühe Kirchengeschichte ganz wesentlich im Einklang mit der generellen Entwicklung in den bayerischen Bistümern verlaufen sein dürfte.

Weltgeschehen

568
Gründung des Langobardenreichs

561
Chlothar I. einigt das Frankenreich


758
erste urkundliche Erwähnung Mammendorfs

Geschehen in Mammendorf

um 570 n. Chr.

Um uns ein Bild der frühen Zeit zu machen, sind wir zunächst also angewiesen auf die grundsätzlichen Ergebnisse der kirchengeschichtlichen Forschung für unsere Region, einer Region, welche nicht nur an einer sprachlichen und einer stammesgeschichtlichen Grenze angesiedelt ist, die auch sehr schnell kirchen-geschichtlich zu einer bedeutsamen Grenzregion wird zwischen Altbayern und dem alemannisch-schwäbischen Raum. Um 570 markiert dies der italienische Dichter Venantius Fortunatus (Venantius Honorius Clementianus Fortunatus; * um 540 n.Chr. + um 605 n. Chr.) anlässlich der Beschreibung seiner Pilgerreise (565 n. Chr. Wallfahrt nach Tours über Bayern), die ihn nördlich der Alpen entlang führte, mit der schlichten Feststellung: von Westen her kommend bei Augsburg und am Lech stoße man auf die Bayern.

um 750 n. Chr.

Was wir sicher über die Mammendorfer kirchlichen Verhältnisse wissen ist, dass zur Zeit des David von Mammendorf ein Josef Bischof in Freising (Joseph von Verona * in Italien; + 764 in Freising; 747 – 764 Bischof von Freising) war.

um 760 n. Chr.

768 - 814
Karl der Große







772 – 804
Sachsenkrieg Karls d. Großen






773 – 774
Eroberung des Langobarden-reichs durch Karl den Großen







788
Herzog Tassilo wird abgesetzt
800
Kaiserkrönung Karls d. Großen






843
Teilung d. Frankenreichs in:
• Mittelreich
• Westfrankenreich
• Ostfrankenreich
1066
Eroberung Enga-lands durch Wilhelm den Eroberer





900 - 1100
2. Reformbewe-gung des Klos-terlebens (Cluny)
1122
Wormser Konkordat: Beendi-gung des Inves-titurstreits



1189–1192
3. Kreuzzug



1190-1197
Heinrich VI.


1215
Magna Charta libertatum

1215
Laterankonzil




1210-1250
Friedrich II.


1227-1230
Auseinandersetzung Friedrichs d. II mit Papst Gregor IX.
1302
Unam Sanctam Bulle zur Weltherrschaft des Papstes

















1309
Sitz des Papstes in Avignon.
Beginn der Abhängigkeit des Papsttums von Frankreich





















1378-1417
Großes Schisma
2 Päpste, 2 Lager.
Irrglaube und Hexenwahn nehmen zu
















1380
erste nicht lateinische Bibel in England durch Wiclif
1339-1453
Hundertjähriger Krieg Frankreich – England





1415
Friedrich I., von Hohenzollern erhält das Kurfürstentum Brandenburg




1438-1491
Hausmachtpolitik der Habsburger führt zu deren Aufstieg




29.05.1453
Der Fall Konstantinopels, Aufkommende Bedrohung durch die Türken




1462-1505
Zar Iwan III. der Große
Spätestens ab 739 wurden durch den großen Bonifatius (Hl- Bonifatius; * 672 n. Chr. Credi-ton/Essex/England; + 5.6. 755 n. Chr. Dok-kum/Niederlande) im Auftrag Papst Gregors III. die kirchlichen Verhältnisse in Bayern in eine feste organisatorische Form gegossen: vier Bistümer, darunter eben das Freisinger, waren eingerichtet, die Bischöfe längst auf die stabilitas loci verpflichtet und die Grenzen ringsum festgezurrt worden. Hart an einer dieser Grenzen der (alt)bayerischen Kirchenprovinz findet sich also der Ort Mammendorf, an der Grenze gen Westen, zum Bistum Augsburg, das (aufgrund seiner spätantiken christlichen Traditionen z.B. in der Verehrung der Hl. Afra) als um vieles älter anzusehen ist. Unzweifelhaft aber ist in dieser Zeit das Bestreben der bayerischen Herzöge, ihr Stammesgebiet an dieser Grenze zum alemannisch-schwäbischen Raum vor dem bedrohlich wachsenden Einfluss des reichsfränkischen Raumes zu schützen.

um 770 n. Chr.

In Bayern verhalfen die Herzöge Odilo ab 735/36, vor allem aber dessen Sohn Tassilo (Tassilo III, Herzog von Baiern aus dem Geschlecht der Agilolfinger * um 741 n. Chr. + um 796 n. Chr. reg. 745-788) der Kirche zu einer bisher nicht gekannten Stabilität. Unter Odilo fand jene richtungweisende Neuordnung des bayerischen Kirchenraumes durch Bonifatius statt. Odilo und Tassilo statteten aber auch Kirchen und Klöster in reicher Form mit Besitz und Rechten aus, vor allem wirkte Tassilo weiterhin maßgeblich auf die kirchenorganisatorische Gestaltung ein. Die reiche bayerische Klosterlandschaft geht zu einem großen Teil darauf zurück. Zu den Bestrebungen des Herzogs gehörte es aber auch, die vielen kleinen Eigenkirchen abzuschaffen und sie zu Eigenkirchen der Bischöfe selbst zu machen, was geschah, indem er diese entsprechend wirtschaftlich fundierte.

782 n. Chr.

Diesem Bestreben der Herzöge ist es wohl auch zu verdanken, dass zum ersten Mal eine Kirche in Mammendorf bezeugt wird: in einer Urkunde aus der Zeit des Bischofs Aribo (Aribo Bischof von Freising * 723 n. Chr. bei Meran; + 4.5.784 in Freising 764 – 784 Bischof von Freising) erfahren wir, dass es in Mammendorf eine Pfarrkirche gibt, die mit dem Zehntrecht ausgestattet, also eine bischöfliche Eigenkirche ist.

779 n. Chr.

Allerdings ist anzunehmen, dass vor dieser Nennung bereits eine Kirche in Mammendorf existiert haben dürfte, dann aber wohl eher als eine adelige Eigenkirche, an denen das junge Bistum Freising so reich war. Indiz dafür könnte ein 779 in einer Germerswanger Urkunde erwähnter „Presbyter“ ( gr. Priester)Ruhpold de Mammindorf sein. Die genannte Kirche selbst dürfte, den Usancen dieser Zeit gemäß, noch aus Holz gewesen sein, so dass ihre etwaigen Überreste längst in den Schichten unserer reichen Kulturlandschaft untergepflügt sind.

800 n. Chr.

Wienfried von Mammendorf

900 – 1200 n. Chr.

Unsere heutige Pfarrkirche St. Jakob gibt bei weitem nicht den Blick in diese histo-rischen Tiefen frei. Bis vor wenigen Jahren galt der spätgotische Chorumbau unserer Kirche als ältest erhaltener Teil. Als im Jahre 2002 bei Arbeiten an der Außenhaut der Kirche im Mauerwerk Teile eines romanischen Langschiffs auftauchten, war St. Jakob mit einem Schlag gealtert: anhand der Ziegel und der Art der Mauerfügung von Bogen und Friesen kann man diesen Bestandteil unserer Kirche recht gut auf die Zeit um 1200 datieren. Immerhin gibt hier die Bausubstanz überraschend einen tiefergehenden Blick auf die Geschichte unserer Kirche frei. Ob weitere Monumente dazu einst noch bei uns gefunden oder freigelegt werden, bleibt also abzuwarten.
So schmal die Quellenbasis für das achte und die darauffolgenden Jahrhunderte insgesamt auch sein mag: immerhin entwirft sie vor unserem Auge das Bild von einer ebenso bunten wie weitläufigen Schar an Eignern, die in Mammendorf Grund- und Rechtstitel besa-ßen. Dazu zählen bis ins ausgehende Mittelalter neben vielen älteren bayerischen Geschlechtern und den Frei-singer Bischöfen vor allem zahlreiche Klöster und Stifte der näheren wie weiteren Umgebung, etwa denen in Dießen, Weihenstephan, Scheyern oder auch Diet-ramszell, Wessobrunn o-der gar Moosburg.

1182 n. Chr.

Ein erster Hinweis zur eigentlichen Mammendorfer Kirchenge-schichte gibt die erste Nennung einem Pfarrherrn (Priester). In einer Indersdorfer Urkunde von 1182 geht es um einen Baldwinus, „Leutpriester“ von Mammendorf (Teilnehmer an der Synode in Freising. „Leutpriester“ ist eine seit dem 12. Jahrhundert im oberdeutschen Raum übliche Herleitung der mittellateinischen Bezeichnung „Plebanus“ und bedeutet nichts anderes als Pfarrer. Pfarrer aber nicht allein als Priester, sondern als Pfarrherr im Sinne des Pfründeninhabers der Ortskirche. Für die Mammendorfer Verhältnisse legt dies den Schluss nahe, dass auch unsere Pfarrei im 12. Jahrhundert eine nur dem Bischof verantwortliche und von weltlicher Grundherrschaft freie Landpfarrei darstellte.

1200 – 1300 n. Chr.

Mit der Gründung des Klosters Fürstenfeld 1263 erwächst unserem Ort dann bald ein besonders mächtiger wie für den Ort immer be-deutender werdender Nachbar, der sich viel Besitz auf den Mam-mendorfer Fluren mit den anderen Grundherren teilt. Umgekehrt finden wir immer wieder einmal Zeugnisse von Mammendorfer Gü-terschenkungen an den Frei-singer Domberg.
1239 Dekan Eberhardus
1248 Dekan Marquardus
1263 Dekan Lienardus
Wir können aber nicht einmal sagen, seit wann die Mammendorfer Pfarrkirche dem Patrozinium des Pilgerapostels, dem heiligen Jakobus dem Älteren, geweiht ist. Auf jeden Fall zählt das Jakobs-Patrozinium zu den älteren, denn schon in den frühen Jahrhunderten der Christianisierung war er der Schutzheilige vor allem der wandernden Mönche. An einem jener sich in den folgenden Jahrhunderten zahlreich herausbildenden Pilgerwege dürfte im Mittelalter auch Mammendorf gelegen haben; von der Isar kommend und über Augsburg laufend, führte ein solcher bei uns vorbei. Ohnehin liegt der Ort nicht nur nah an einer ethnischen, einer Sprach-, Bistums- und Stammesgrenze, sondern gleichzeitig an einer wichtigen Wegverbindung zwischen Schwaben und Altbayern. Verbürgt ist auch, dass es im Jahr 1341 in Mammendorf eine Jakobi-Dult gegeben hat.

1300 bis 1400 n. Chr.

Die Kirchenorganisation des Bistums Freising spiegelt sich wider in der ältesten uns überlieferten Beschreibung des Freisinger Bistums, der sog. Konradinischen Matrikel, im Jahre 1315 begonnen. Darin finden wir Mammendorf zusammen mit 22 anderen Pfarreien dem Dekanat Günzlhofen zugehörig (später hieß dieses auch Dekanat Egenhofen). Von den im Jahr 1315 verzeichneten 41 Filialkirchen dieser Pfarreien finden wir allein schon fünf der Mammendorfer Jakobskirche zugehörig:
St. Nikolaus Mammendorf
St. Nikolaus
- St. Nikolaus im Oberdorf
St. Michael Peretshofen
St. Michel
- St. Michael in Peretshofen
St. Georg Paffenhofen
St. Georg
- St. Georg in Pfaffenhofen
St. Peter und Paul Nannhofen
St. Peter und Paul
- St. Peter und Paul in Nannhofen
- Germerswanger Kirche
Die eben erwähnte Oberdorfer Kirche St. Nikolaus war zunächst eine Eigenkirche der Haldenberger, das Patrozinium verweist auf ein hohes Alter. Zusammen mit dem ersten Auftauchen der Haldenberger um 1100 dürfen wir dem ersten Holzkirchlein, das im Oberdorf gestanden haben wird, doch ein gewisses Alter zusprechen. Der erste Steinbau war dann gotisch, aus dem 15., vielleicht schon 14. Jahrhundert. Noch heute stellt die „Oberkirche“ eine Besonderheit im Leben der Pfarrei dar. Mit ihr wird immer wieder daran erinnert, dass über tausend Jahre hinweg, bis ins Jahr 1800, Mammendorf eigentlich aus Untermammendorf und Obermammendorf bestanden hat – das Wort vom Unter- und Oberdorf ist also keine bloße Ortsangabe.
1333 Chunradus Vreymannus
1381 Pfarrer Egelof
1387 Techant Prenner
Da unser Ort im 14. Jahrhundert auch als Markt genannt wird, rundet sich für das Hoch- und Spätmittelalter das Bild von Mammendorf als einem Zentralort unserer Region. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich heute noch in den Mauern unserer Jakobskirche ein romanischer Hallenbau verbirgt, dessen Ausmaße für damalige Verhältnisse durchaus als groß zu bezeichnen sind.

1400 - 1500

Erst wieder aus der Mitte des 15. Jahrhunderts haben wir dann einige wenige konkretere Nachrichten von den kirchlichen Verhältnissen:
1428 Pfarrer Thum
1437 Pfarrer Wilelmus
1442 Dekan Gabriel
Taufstein St. Jakob
Taufstein St. Jakob
Diesen beiden letzteren Herren ist wohl auch eine entsprechende Bautätigkeit an unserer Pfarrkirche zuzuschreiben. Etwa aus deren Zeit stammt auch der Taufstein aus rotem Marmor, der heute seinen Platz in der Kreuzkapelle der Pfarrkirche hat.

1424
Üppige Jahrtagsstiftung der Dorothea von Haldenberg, der Letzten aus ihrem Geschlecht

1525
erneuert durch Pfarrvikar Kaltenhofer
gehalten bis 1923

Altarraum St. Jakob
Altarraum St. Jakob
Im ausgehenden Mittelalter dürfen wir uns Mammendorf also als nicht gerade kleine Landpfarre mit fünf Filialkirchen mit einer stattlichen Pfarrkirche vorstellen, versehen mit einem „neuen“ gotischen Chorbau und einem für Ort und Zeit verhältnismäßig großen Langschiff in romanischer Ausführung. Dennoch sind wir an der Schwelle zur neuzeitlichen Epoche kaum über die inneren Verhältnisse der Pfarrei informiert, über die personellen Verhältnisse ebenso wenig wie über die seelsorgerischen Zustände. Zum Ende des Jahrhunderts sind uns nur die Namen zweier weiterer Mammendorfer Priester überliefert:
1475 Pfarrherr Johannes Hack
1500 Pfarrherr Heinrich Zirngaß

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