Pfarrverband Mammendorf

Münchener Str. 1, 82291 Mammendorf, Telefon: 08145-270, E-Mail: PV-Mammendorf@erzbistum-muenchen.de

Ein Streifzug durch die Geschichte der Pfarrei St. Jakobus d. Ältere in Mammendorf

Weltgeschehen

1492
Entdeckung Amerikas durch Columbus





Das Jahrhundert der Zeitenwende
Humanismus,Renaissance,
Frühkapitalismus





31.10.1517
Luther schlägt seine 95 Thesen in Wittenberg an




1525
Der große Bauernkrieg




1519-1556
Karl V.; nach dem Erbe Spaniens hat er ein Weltreich, in dem „die Sonne niemals unter-geht.“
1545-1563
Konzil von Trient




1555
Augsburger Religionsfriede




1562-1598
Hugenottenkriege in Frankreich




1558-1603
Elisabeth I. von England




1611-1632
Gustav II. Adolf von Schweden



1618
Prager Fenstersturz




1618-1648
30-jähriger Krieg












1630-1635
der schwedische Krieg als Teil des 30-jährigen Krieges
Pest, Verwüstung und Bevölkerungsrückgang sind die Folge. Mitteleuropa wird sich erst in 150 Jahren davon erholen



















1661-1715
Ludwig XIV. der Sonnenkönig
Schaffung abso-lutistischer Strukturen
Aufstieg der wichtigen Fürstenhäuser im dt. Reich:





• Bayern
• Sachsen
• Hannover
• Brandenburg-Preußen
1717
Eroberung Belgrads durch Prinz Eugen
Die Türkenge-fahr ist gebannt






1701-1714
SpanischerrErbfolgekrieg







1697-1718
Karl XII. von Schweden betreibt europäische Großmachtpolitik








1689-1725
Peter I., der Große Zar von Rußland








1740-1748
österreichischer Erbfolgekrieg
1740-1786
Friedrich II., der Große









1740-1742
1. schlesischer Krieg









1744-1745
2. schlesischer Krieg









1756-1763
siebenjähriger Krieg









Preußen wird gleichberechtigt mit Österreich im dt. Reich









1754-1763
britisch - franzö-sischer Koloni-alkrieg
1740-1780
Maria Theresia









1762-1796
Katharina II., die Große








1778-1779
bayerischer Erb-folgekrieg









1772
1. Teilung Polens



1793
2. Teilung Polens



1795
3. Teilung Polens









04.07.1776
Unabhängigkeit Amerikas








1774-1792
Ludwig XVI. König von Frankreich

Geschehen in Mammendorf

1500 – 1600

1520er Jahre
Kloster Fürstenfeld kämpft wegen Missmanagement jahrzehntelang ums wirtschaftliche Überleben
1525
Vikar Johann Kaltenhofer
1527/1528
kurzes, aber heftiges Aufflammen der häretischen Wiedertäuferbewegung zwischen Landsberg und Dachau
1528
Öffentliche Auspeitschung von etlichen Mammendorfern als Anhänger dieser Bewegung in Augsburg.
1529
Speyrer Reichstag belegt die Zugehörigkeit zu dieser Bewegung reichsweit mit der Todesstrafe. Gerade noch Glück gehabt, kann man da sagen in Bezug auf das Schicksal der Mammendorfer.
1534
Vikar Georg Kurfeß
1560
Pfarrherr Premmel, Chorherr zu Freising
Vikar Georg Daniel:
Visitation der Freisinger Diözese und daher auch Mammendorfs. In jenem Jahr wurde sie nicht einmal vom Pfarrherren selbst betreut. Dieser, der Freisinger Chorherr Pemmel, hatte dafür den Vikar Georg Daniel eingesetzt. Dieser hatte eine Köchin und drei Kinder.
Kooperator (heute Kaplan) Georg Schnaterbeckh hatte auch eine Köchin, aber nur zwei Kinder.
Jedenfalls waren die beiden Mammendorfer Priester bei weitem nicht die einzigen, welche ungeniert im Konkubinat lebten, vielmehr war das in dieser Zeit und dieser Region ein durchaus häufig anzutreffendes Phänomen, rein statistisch war es bei rund 40% aller Visitierten der Fall, im hiesigen Dekanat schien diese Lebensweise sogar eher überdurchschnittlich verbreitet gewesen zu sein. Sicher positiv ist dagegen zu vermerken, dass die Mammendorfer Pfarre gar einen der sieben Schulstandorte im ganzen Landgericht Dachau für sich verbuchen konnte.

1575 – 1610 Pfarrer Matthias Hochstätter

Kammerer des Kapitels in Glonn,
Pfarrer von Oberroth,
1575 Pfarrer in Mammendorf
1610 verstorben in Mammendorf
Pfarrer Matthias Hochstätter in Mammendorf
An der Südwand unserer Pfarrkirche finden sich die Epitaphien bzw. Grabplatten Mammendorfer Priester, welche bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zunächst unter dem Steinboden der Mammendorfer Pfarrkirche ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Beim Umbau der Kirche Ende des 18. Jahrhunderts hatte man dann diese Grabplatten vom Kircheninnern an die Außenmauer verlegt.
Das älteste Monument dieser Art ist ein beeindruckendes, wenn auch schon von der Witterung gezeichnetes Marmor-Epitaph im Stil der Renaissance. Es erinnert an den Pfarrherrn Matthias Hochstätter, von dem wir nicht viel mehr wissen, als dass er einst Kammerer, d.h. Prodekan war und mit dem damaligen Dekan Erasmus Zierhold zusammen ein Saalbuch des Dekanats angelegt hatte. Der lateinische Text des Grabmals selbst ist lang und geistvoll nach Humanistenart verfasst, aber eher allgemein gehalten und erzählt uns weiter nichts zu seiner Person.
Etwas aussagekräftiger ist dagegen die Abbildung. Sie zeigt Hochstätter mit all den Insignien eines Priesters dieser Zeit. Das abgebildete Gesicht könnte man als reales Portrait dieses Menschen deuten.

1610-1616 Pfarrer Jeremias Unfried

1616-1634 Pfarrer Kaspar März (gen. Martius)

Beide mussten ihre Gemeinde durch eine schlechte Zeit begleiten. Die Schwedendurchzüge im Dreißigjährigen Krieg und die Pest ließen auch für die Mammendorfer das 17. Jahrhundert zu einer Strafe Gottes werden.

31.12.1616 Pfarrer in Mammendorf; Dez..1633 resigniert und danach nicht weiter verfolgbar.

1634 – 1664 Pfarrer Martin Bernhard

Die Schweden zerstören Schloss und Ort Nannhofen. Auch die Kirchen in Nannhofen (1632) und in Peretshofen (1634) werden schwer beschädigt. 1646 flüchtete er mit seinen Pfarrkindern vor den Schweden, von Mariä Geburt, also von Anfang September, bis hinein in den Advent. Nach den Schweden zog wiederholte Male (1648 und 1650) die Pest durch. Damals wurde die Pestkapelle errichtet, heute steht sie aber an anderer Stelle und wurde 1999 als völliger Neubau wiedererrichtet.
Die Einwohnerzahl war um 80% auf 20% geschrumpft. Nur jeder Fünfte hatte überlebt. Von einst 117 Häusern standen noch 37.

um 1600 Geboren in Nannhofen
um 1624 Primiz
um 1624 Koopera-tor in Mammendorf
1634 Pfarrer in Mammendorf
1664 resigniert, Ruhestand in Bruck
26.12.1673 verstorben in Bruck


1664 bis 1682 Pfarrer Kaspar Faber

Barockkelch aus St. Peter und Paul in Nannhofen
1670 – 1678 Neubau der Nannhofener Filialkirche.
„Schlussstein“ war der heute noch erhaltene barocke Altar, dessen Altarblatt mit der Madonna uns daran erinnert, dass die Kirche damals noch eine Marienkirche war, erst 1750 wurden Peter und Paul die Patrone. Form und Güte der gesamten Ausstattung lassen übrigens staunen, denn für eine kleine Filialkirche war diese nicht eben gerade Durchschnitt. Wer heute eine Eucharistiefeier in der Pfarrkirche aufmerksam verfolgt, kann manchmal noch ein weiteres Andenken an Pfarrer Faber entdecken: es ist ein barocker Kelch, den dieser der Pfarrei noch in seinem Todesjahr 1682 gestiftet hatte.

03.02.164 Pfarrer in Mammendorf
14.08.1682 verstorben in Mammendorf

1682-1705 Pfarrer Johann Brunner

1645
Geboren in Hattenhofen
1669
Priesterweihe
17.08.1682
Pfarrer in Mammendorf
1705
resigniert anschl. Benefiziat in München
14.03.1711
verstorben in München
Hochaltar St. Georg Pfaffenhofen
Hochaltar St. Georg
1688
Der Turm von St. Jakob wird in der heutigen Form auf den alten gotischen Fundamenten mit aufgesetztem barockem Achteckkörper und mit der unverwechselbaren flachen „welschen Haube“ gemauert.

1688
Als Altaraufsätze gedachte prägnante Skulpturen unserer Pfarrkirche: das apokalyptische Lamm und die Figur des heiligen Jakobus.

1690
Wiederaufbau der Peretshofener Kirche mit neuem Turm.
Errichtung des Hochaltars von St. Georg in Pfaffenhofen

1705-1719 Pfarrer Johann Wallner

9.05.1668
Geboren in Tuntenhausen

1692
Priesterweihe

01.12.1694
Kooperator, Provisor Mammen-dorf

17.02.1705
Pfarrer in Mammendorf

20.03.1719
gestorben in Mammendorf
Pfarrer Matthias Hochstätter in Mammendorf
Epitaph Pfarres Wallner
Pfarrer Wallner war bereits im 51. Lebensjahr verstorben, hatte allerdings aus seinem großen hinterlassenen Vermögen – 10.225 fl heute ca. 700.000 € - ein Vermächtnis gemacht, das armen, unverheirateten und entsprechend „würdig“ lebenden Frauen eine Unterstützung gewähren sollte. Eine konsequente Tat, wenn man das glauben darf, was auf seinem Grabmal an der Südwand der Pfarrkirche noch zu entziffern ist: „... ein Freund der Keuschheit, ständiger Liebhaber der Jungfräulichkeit“. Wallner soll auch ein guter Seelsorger gewesen sein, aber so zentral und wohltuend gerade dies für die ihm anvertrauten Menschen gewesen sein mag: die Spuren solcher Tätigkeit verflüchtigen sich meist mit den Empfängern der Wohltaten selbst, und für die Nachwelt bleibt nur noch wenig.

1719-1732 Pfr. Dr. Franz Joachim von Ruffini zu Tiefenbach

Von dem italienischen Adeligen Franz Joachim von Ruffini zu Tieffenbach, Doktor der Theologie, wird gar berichtet, dass er der Pfarrei nichts als Schulden und Rechtsstreitigkeiten hinterlassen hätte, nachdem er am 15. Januar 1732 hier verstorben und, wie viele seiner Vorgänger, in der Pfarrkirche beigesetzt worden war. Seine Pfarrei übernahm er mit 1.301 fl 13 eiserne Heller. Beim Tod waren noch 6 eiserne Heller vorhanden, die nach Weyhern gehörten. Die Schwester des Herrn von Ruffini, Rosa, bittet den Herrn Dekan des Dekanats Egenhofen sich wohlwollend um die Schulden ihres Bruders zu kümmern. Das Adelsgeschlecht der von Ruffini stammte aus Italien, hatte seinen Sitz auch in Weyhern. In Landshut gibt es noch ein „Ruffinischlößl“.
15.01.1732
gestorben in Mammendorf

1733-1755 Pfarrer Dr. Johann Michael Fastl

30.04.1696
Geboren in Brettschlaipfen/RO

1714
Absolutorium

1719
Priesterweihe

1722
Koadjutor in Mammendorf

28.01.1723
Kooperator und Provisor in Mammendorf

07.08.1729
Studium in Innsbruck zum Erwerb der akademischen Grade

09.04.1733
Pfarrer in Mammendorf
Doktor der heiligen Theologie
Candidat des kanonischen Rechts
Geistlicher Rat des Fürstbischofs von Freising, Regensburg, Lüttich
Dekan des Kapitels Mammendorf

20.03.1755 verstorben in Mammendorf
Sichtbares hat dagegen wieder Dr. Michael Fastl hinterlassen, Pfarrer von 1733 bis 1755. Bereits in den Jahren zuvor, 1723-1729, war er hier als Provisor unter dem Pfarrherrn von Ruffini tätig gewesen. Nun selbst Pfarrherr, ging er ohne Zögern an die Sache. Erkennbar ist dies am neuen Pfarrhof, der 1733 in nur 6 Monaten (und mit 3.600 fl Kosten) erbaut wurde und der seitdem Sitz des Mammendorfer Pfarrers und jetzt auch des Pfarrverbandsleiters ist. Im Hintergrund überragt vom Turm der Jakobskirche, ist das Haus vom Oberdorf aus gesehen ein mächtiger Blickfang im Ortsbild und zugleich als schlichter wie wuchtiger Barockbau Ausdruck eines selbstbewussten Pfarrherrn.
gegeißelter Jesus St. Nikolaus
Gegeißelter Jesus
Bis ins 20. Jahrhundert hinein war er noch flankiert von den Wirtschaftsgebäuden, denn der Pfarrherr sicherte seinen Lebensunterhalt ja durch die Bewirtschaftung der Kirchenpfründe. Und die waren nicht ohne, denn um 1752 war Mammendorf mit Jahreseinnahmen von über 2.000 fl die drittreichste Pfarrei des Dekanats nach Einsbach und Günzlhofen.
Die Pfarrkirche erhielt von ihm den Sakristeianbau und die Rundung der Kreuzkapelle. Anlass dazu war die von Papst Clemens XII. am 2. Juni 1733 approbierte und am 16. Mai 1734 in der Pfarrkirche feierlich installierte, Pfarrer Fastl initiierte, Bruderschaft „Vom guten Tod“. Zur Förderung des spirituellen Lebens und des Seelenheils der Mammendorfer gedacht, besteht ein enger Zusammenhang mit der allgemein erstarkenden barocken Volksfrömmigkeit der damaligen Zeit. Auflebende Wallfahrten nach Luttenwang und Günzlhofen bestätigen dies ebenso, wie innerpfarrliche Bittgänge zwischen St. Jakob und St. Nikolaus.
1750 stürzte unerwartet der (damals im Westen stehende) Turm der Nikolauskirche ein und machte das spätgotische Gotteshaus mit einem Schlag zur Ruine. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden. Die Finanzlage war aber immer noch sehr schlecht. Pfarrer Fastl jedoch zögerte nicht und nahm einen Neubau in Angriff. Auch eine Rüge der Bistumsleitung konnte die Fertigstellung des Kirchenschiffs 1754 nicht verhindern. Gespart wurde an der Qualität des Baumaterials und der Innenausstattung. Allerdings wurde von Pfarrer Fastl der gegeißelte Jesus in Nikolauskirche gestiftet, Der Ostturm mit Zwiebelhaube wurde erst zwei Jahre später fertig. Seine Substanz und Fundierung programmierten das Unglück hundert Jahre später.

1755-1788 Pfarrer Dr. Ignaz Fischer

1720 geboren

30.05.1755 Pfarrer in Mammendorf

Pfälzischer Graf „Exzellenz“
Doktor der Theologie
Kaiserlicher Notar
Geistlicher Rat
Ritter vom Goldenen Sporn (Militärverdienstorden)

24.06.1788 verstorben in Mammendorf
Epitaph Pfarrer Fischer
Epitaph Pfarrer Fischer
Zunächst jedenfalls konnte Fastls Nachfolger im Amt und wiederum ein Doktor der Theologie, Johann Ignatz Fischer, sich darüber freuen, dass Unter- und Oberdorf wie eh und je ihre beiden Kirchen hatten. Das scheint ihm auch wichtig gewesen zu sein, denn die Seelsorge war ihm ein bedeutenderes Anliegen als die Bautätigkeit, von der uns aus seiner Amtszeit, die immerhin von 1755 bis 1788 währte, kaum etwas bekannt ist. Hingegen zählt er zu den wenigen, von denen uns sein Grabmonument überliefert ist. Neben den Epitaphien von Hochstätter und Wallner hat auch dieses seinen Platz an der Südmauer der Kirche gefunden. Pfarrer Fischer, als Pfalzgraf, apostolischer Notar und kurfürstlich geistlicher Rat hochdekoriert, starb am 14. Juni 1788 und wurde als erster nicht neben seinen Amtsbrüdern in, sondern neben der Pfarrkirche beigesetzt. Und noch ein anderes bleibendes „Monument“ erinnert uns zumindest indirekt an Fischers Zeit als Pfarrer:
Es ist die Reliquie des Hl. Knaben Innozenz, welche heute unter dem Hauptaltar von St. Jakob ruht und in der Wirkungszeit Pfarrer Fischers nach Mammendorf gekommen ist.
Stifter ist der in Eitelsried geborene Pater Matthäus Ludwig. 1727 wurde er von dem damaligen Provisor Dr. Fastl in St. Jakob getauft, war später dem in Altomünster ansässigen Orden der Heiligen Brigitta beigetreten und hatte dann lange Jahre in Rom als deutscher Vertreter des Ordens gelebt. Als alter Mann kehrte er in sein Heimatkloster nach Altomünster zurück und war dort bis zur Säkularisation der letzte Prior dieser Klostergemeinschaft. Schon 1760 aber, als Matthäus noch in Rom weilte, hatte dieser die Märtyrer-Reliquie eines Knaben aus der Katakombe des hl. Hermetus seiner Heimatgemeinde zum Geschenk gemacht.
Reliquie Hl. Knabe Innozenz
Reliquie des Hl. Knaben Innozenz unter dem Hochaltar von St. Jakob
Die Übertragungsurkunde der römischen Kongregation stammt vom 15.April 1760, die Gebeine jenes heiliggesprochenen Knaben Innozenz selbst trafen erst im Oktober, nach der Authentizitätsprüfung und Kultfreigabe durch die Bistumsleitung, in ihrer neuen Heimat ein. Wer weiß, vielleicht war damit auch die vage Hoffnung verbunden worden, die Mammendorfer Pfarrkirche könne damit in die Riege der zahlreichen kleineren Wallfahrten der Umgebung aufsteigen.

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