Pfarrverband Nandlstadt

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150 jährig. Geschichte der Pfarrkirche St. Martin in Nandlstadt

Autor des Textes: Isabella Hödl (2015)
Pfarrkirche St. Martin, Nandlstadt Herbst 2011
Pfarrkirche St. Martin Nandlstadt
Im Jahr 1315 wurde die Pfarrei Nandlstadt zum ersten Mal schriftlich in der „Konradinischen Matrikel“ erwähnt. Bischof Konrad III. der Sendlinger (reg. 1314 - 1322) gab dieses Verzeichnis in Auftrag, um einen Überblick über die Finanzen und Grundbesitzungen des Bistums Freising zu erhalten. Auch wenn im Jahr 1315 die Pfarrei als Ordnungskonstrukt zum ersten Mal erwähnt wurde, so gab es sicherlich bereits die Jahrhunderte zuvor eine feste christlich-religiöse Gemeinschaft. Spätestens dürfte dies um 815 der Fall gewesen sein, denn in diesem Jahr wird das Gebiet um Nandlstadt zum ersten Mal als bewohnte Gegend in den Archivalien fassbar. Dass sich St. Martin als alleiniger Kirchenpatron durchsetzte, dies ist auf eine Entwicklung im ausgehenden 18. Jahrhundert zurückzuführen. In den Jahrhunderten zuvor teilten sich St. Martin und St. Johann Baptist das Patrozinium.

Über den mittelalterlichen Kirchenbau oder seine möglichen Vorgängerbauten ist leider nur sehr wenig bekannt. Einzig ein romanisches Tympanon, Fliesen, eine Grabplatte und die mittelalterlichen Fundamente des Turms geben einen kleinen Einblick in die Zeit zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert.
Erhalten sind Planzeichnungen des Kirchenbaus von 1784, die im Jahr 1862 angefertigt wurden. Darauf ist eine Saalkirche abgebildet, deren Turm mit einer Zwiebelhaube abschließt. Auch das Portal war mit Dreiecksgiebeln und Säulen einer spätbarocken Formensprache sehr nahe.

Ein großer Umbruch fand ab dem Jahr 1862 statt. In diesem Jahr wurde der große Erweiterungsbau der Nandlstädter Pfarrkirche unter der Leitung von Pfarrer Philipp Leibig (amt. 1861 - 1903) initiiert. Mit dem Beginn der Arbeiten am 7. April 1863 wurde der Kirchenraum nach Osten hin erweitert und die Wände erhöht. Es entstand bis zum Jahr 1865, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, eine neoromanische Kirche, sowohl im Äußeren als auch im Inneren. Die Einweihung des sakralen Gebäudes wurde von Erzbischof Gregor von Scherr (amt. 1856 - 1877) am 17. September 1865 vorgenommen. Eine prachtvolle neoromanische Ausmalung erfolgte 1898/99 durch den Münchner Kirchenmaler Ferdinand Seebacher und dessen Sohn.

Bereits im Jahr 1937 wurde der Innenraum der Pfarrkirche verändert. Unter Pfarrer Max Hertle (amt. 1935 - 1955) wurden die Wände weiß getüncht und zwei neue Deckengemälde angebracht. Im Langhaus wurde das Motiv „Christkönig über Nandlstadt“ gewählt, im Chorraum eine Darstellung der Dreifaltigkeit. Die neoromanischen Altäre aus dem
19. Jahrhundert blieben dem Kirchenraum erhalten.

Im Jahr 1961, kurze Zeit nach der Ankunft von Pfarrer Georg Unterstraßer (amt. 1959 - 1963), wurden die Altäre entfernt. Im Chorraum fand mittig ein Hauptaltar Platz, an der Wand dahinter wurde von dem Kirchenmaler Michael Weingartner ein Mosaik von Christus als Weltenrichter angebracht; auf der Wand zur Männerseite wurde ein Mosaik des Kirchenpatrons,  St. Martin, gestaltet, darunter am Ambo eine Taube als Symbol für den hl. Geist. Die Deckengemälde wurden entfernt und durch kubische, bunte Felder ersetzt, ähnlich den Kirchenfenstern. Es entstand damit ein für die beginnenden 1960er Jahre ein höchst moderner Kirchenraum im ländlichen Raum. Den Altar weihte 1965 Erzbischof Julius Kardinal Döpfner (amt. 1961 - 1976).

Die hölzerne Decke, die Schar von Heiligen an den weiß getünchten Wänden, diese Gestaltung geht auf Pfarrer Maier (amt. 1963 - 1980) gegen Ende der 1970er Jahren zurück. In dieser Phase gingen die Mosaike des hl. Martin und der Taube verloren; ersetzt wurden diese durch ein barockes Gemälde, das die Szene der Mantelteilung des hl. Martin darstellt. Diese Gestaltung brach mit dem Konzept von Pfarrer Georg Unterstraßer und lässt dessen moderne Raumgestaltung und Idee von Anfang der 1960er Jahre nicht mehr harmonisch wirken. Doch versuchte Pfarrer Maier seine Idee der Kirche zu vermitteln: mit dem „warmen Braun der Holzdecke“ soll ein Gefühl von „Daheim“ und Geborgenheit in Christus geschaffen werden, das „viele Weiß der hohen Kirchenwände“ soll ein „hochzeitliches Gewand“ und die Schar der Heiligen die christliche Gemeinschaft symbolisieren.
 
Isabella Hödl