St. Michael

Dorfstr. 6, 83080 Reisach, Telefon: 08033-3084-12, E-Mail: St-Michael.Niederaudorf-Reisach@erzbistum-muenchen.de

Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

Das außerordentliche Heilige Jahr wurde von Papst Franziskus am vergangenen 13. März, dem zweiten Jahrestag seiner Wahl ausgerufen. Es beginnt am 8. Dezember 2015, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria und endet am selben Festtag, dem 8. Dezember 2016.
Papst Franziskus zum Heiligen Jahr
Beginn des Heiligen Jahres in der geistlichen Hauptstadt der Welt
Der gewünschte Besuch in der Zentralafrikanischen Republik bildete den Abschluss der Afrikareise von Papst Franziskus, und das mit einem noch nie dagewesenen Höhepunkt.
Zum ersten Mal in der Geschichte hat ein Papst außerhalb von Rom eine Heilige Pforte geöffnet, Symbol par excellence für das Ju­biläum, und so in der Kathedrale von Ban­gui den Beginn des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit vor­weggenommen, das zum 50. Jahrestag des Konzilsendes ausgerufen worden war.
Und mit der Vorwegnahme der Feier des Jubiläums ist diese Stadt im Herzen Afrikas, die sich nach Frieden sehnt, nach Absicht des Papstes zur »geistlichen Hauptstadt der Welt« geworden.
 
Bangui Hl. Pforteöffnung
Bangui. Gut eine Woche vordem offiziellen Beginn in Rom hat Papst Franziskus bei seinem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik das »Heilige Jahr der Barmherzigkeit« eröffnet In der Kathedrale der Haupt­stadt Bangui öffnete er die Heilige Pforte. Zuerst sprach der Heilige Vater eine alttestamentliche Formel zum Auftakt der Zeremonie: »Öffnet die Pforten der Gerechtigkeit - ich werde eintreten und dem Herrn danken.« Bangui sei die geistliche Hauptstadt des Gebetes um Barmherzigkeit, so der Papst. Anschließend drückte er mit beiden Händen die Flügel der hölzernen Pforte der Kathedrale aus den 1930er Jahren auf (Bild rechts). An der Schwelle verharrte er einen Au­genblick im Gebet7 trat dann in die Ka­thedrale ein und feierte eine Messe mit Priestern und Ordensleuten.
Bevor Papst Franziskus die Heilige Pforte in der Kathedrale von Bangui geöffnet hat, sprach er die folgenden Worte:

Heute wird Bangui die geistliche Haupt­stadt der Welt. Das Heilige Jahr der Barmher­zigkeit kommt im Voraus in dieses Land. Ein Land, das seit vielen Jahren unter Krieg und Hass, unter Unverständnis und Mangel an Frieden leidet. Aber in diesem leidenden Land sind auch all die Länder mit einbegriffen, die das Kreuz des Krieges tragen. Bangui wird die geistliche Hauptstadt des Gebetes um die Barmherzigkeit des Vaters. Wir alle bitten um Frieden, Barmherzigkeit, Versöhnung, Verge­bung, Liebe. Für Bangui, für die gesamte Zen­tralafrikanische Republik, für die ganze Welt, für die Länder, die unter Krieg leiden, bitten wir um Frieden! Und alle gemeinsam erbitten wir Liebe und Frieden. Alle gemeinsam: Doye Siriri! (alle wiederholen: »Doye Siriri»)
Und mit diesem Gebet beginnen wir nun das Heilige Jahr: hier in dieser geistlichen Hauptstadt der Welt, heute!


Am 8. Dezember beginnt das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Papst Franziskus wird die Heilige Pforte im Petersdom feierlich öffnen. Die heutige Porta Sancta der Vatika­nischen Basilika wurde für das Jubeljahr 1950 von dem toskanischen Künstler Vico Consorti geschaffen.

Am 2. Juni 1948, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, kün­digte Papst Pius XII. (Eugenio Pacelli, 1939-1958) mit der Bulle Jubilaeum Maximum für 1950 ein Heiliges Jahr an. Am Vorabend der Öffnung der Heiligen Pforte sagte der Papst: »Es scheint Uns, dass das Heilige Jahr bestimmend sein soll für die erwartete religiöse Erneuerung der heutigen Welt, und entscheidend in der inne­ren Krise, die in unserer Zeit die Geister bedrückt ... Es wird keine lärmende Festlichkeit sein, kein Anlass zu frommen Zerstreuungen, keine eitle Aufmachung katholischer Kräfte in jenem weltli­chen Sinne, der den glücklichen Erfolg in den Augenblicksbeifall verlegt... Es muss nach Wesen und Erscheinung in höherem Grad innerliches und lauteres Christentum sein ... Es wird sich ab­zeichnen müssen als Jahr der großen Rückkehr, als Jahr des großen Verzeihens.«

Heilige Pforte, Tafel einsetzen
Der aus Deutschland stammende Leiter der Reverenda Fabbrica (Dombauhütte) von Sankt Peter, Prälat Dr. Ludwig Kaas, hatte angeregt, die alten Flügel der Porta Sancta durch neue zu er­setzen. Der Auftrag hierzu ging an den aus Semproniano in der Provinz Roccalbenga/Toskana stammenden Künstler Vico Gonsorti (1902-1979); Consorti hatte die entsprechende Ausschreibung für sich entscheiden können. Die benötigte Geld­summe brachte Monsignore Franziskus von Streng, der Bischof von Basel und Lugano (Schweiz), durch Sammlungen in seiner Diözese auf. Die neue Pforte war als Hommage Schweizer Katholiken an den großen Friedenspapst Pius XII. gedacht und sollte ein Dank dafür sein, dass die Eidgenossenschaft vom Krieg verschont geblie­ben war. Für die Fertigstellung der 2,14 Meter mal 3,65 Meter großen vergoldeten Bronzepforte standen Vico Consorti nur elf Monate zur Verfü­gung. Gegossen wurden die Türflügel in der Fonderia Martinelli in Florenz.
Nachdem Pius XII. die alte Heilige Pforte am Vorabend des Weihnachtsfestes 1949 feierlich geöffnet hatte, begab sich der Papst in die Kapelle des Allerheiligsten Altarssakramentes und nahm die Segnung der neuen Bronzeflügel für die Porta Sancta vor. Das imposante Werk Vico Consortis ersetzte sodann die Pforte, die Papst Benedikt XIV. (Prospero Lambertini, 1740-1758) am 24. Dezember des Jahres 1749 eingeweiht hatte. Die neuen Flügel, so betonte Papst Pius XII. nach der Weihehandlung, »preisen mit ergreifendem Klang die Herrlichkeit dessen, der gekommen ist zu suchen, was verloren gegangen war«.
Heilige Pforte nah
»Die Botschaft, die die Heilige Pforte an jene richtet, die vor ihr verweilen und sie für den Ein­tritt in die Basilika durchschreiten, findet sich an zentraler Stelle des Evangeliums: es ist die Bot­schaft der Barmherzigkeit Gottes, der sich über die Not der Menschen beugt. Die Heilige Pforte überbringt diese Botschaft nicht mit Hilfe ver­gänglicher Worte, sondern vertraut sie den Bron­zedarstellungen an. Die sechzehn Tafeln des To­res sind wie die Strophen einer Hymne, die das Mysterium der unendlichen Barmherzigkeit Gottes besingen: sie beginnen mit der Sünde, die den Menschen erniedrigt; reichen über die Buße, die ihn rehabilitiert; und erhellen alle Situationen immer in der Gewissheit der göttlichen Verge­bung«, schrieb Kardinal Virgilio Noe, der langjährige Kardinalerzpriester von Sankt Peter, zum Heiligen Jahr 2000 in einer Meditation über die Jubiläumspforte der Basilika.
Die Episoden auf der Heiligen Pforte beginnen mit der Sünde Adams am Anfang der Mensch­heitsgeschichte. Die erste Tafel zeigt den Cherub an der Pforte des Paradieses. Der Vertreibung aus dem Garten Eden folgen Darstellungen aus dem Leben Christi, der mit seiner Barmherzigkeit zu suchen gekommen ist, was verloren gegangen war. Die Episoden sind dem Buch Genesis, den Evangelien und der Apostelgeschichte entnom­men. Die Botschaft der Szenen soll als Bilder­sprache alle Gläubigen und Menschen erreichen, »so dass jene, die weder lesen noch schreiben können, mit den Augen an den Wänden das lesen können, was sie nicht in den Codices zu lesen vermögen« (Papst Gregor der Große in einem Brief an Bischof Serenus von Marseille).
Die letzte Bildtafel der Heiligen Pforte stellt den Augenblick der Öffnung der Heiligen Pforte am Heiligabend des Jahres 1949 durch Papst Pius XII. dar. »Sto ad ostium et pulso ... Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich ein­treten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir« (Offb 3,20). Zu Füßen der Porta Sancta ist eine lateinische Inschrift angebracht, die in deutscher Übersetzung lautet: »Hier mögen üppig die Quellen der göttlichen Gnade entsprin­gen, mögen sich die Seelen der Eintretenden reinigen, mögen sie mit dem göttlichen Frieden gespeist und der christlichen Tugend geziert wer­den.«
Der innige Wunsch der Inschrift findet seine Fortsetzung in dem Gebet, das der Papst für das Heilige Jahr 1950 verfasste: »Deine Gnade ent­zünde in allen Menschenkindern Liebe zu den vielen Unglücklichen, denen Armut und Elend menschenunwürdige Lebensverhältnisse auf­zwingen. Erwecke in denen, die Dich Vater nen­nen, Hunger und Durst nach sozialer Gerechtig­keit, nach Brudersinn in Werk und Wahrheit.« Die Worte Pius' XII. führen nahtlos zu der Inten­tion des jetzigen Heiligen Vaters für das kom­mende Jubiläumsjahr hinüber.

aus L`OSSERVATORE ROMANO Nr. 49