St. Michael

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Geschichte und Bauzeit

Wo sich an der bairisch-tirolischen Grenze das waldreiche Kranzhorn in den schnellen Fluten des Inns spiegelt und sich rückwärts das selten mächtige Panorama des Kaisergebirges auftürmt, erbaute Lienhart der Urfahrer, der Inhaber des Überfahrrechtes, bei Niederau wohl 1427 ein turmbewehrtes Schloß mit fünf Geschossen (vgl. Wenings Stich). Drei Stockwerke erhielten sich. Aber Siedlung und Kloster heißen seit 1835 auf König Ludwigs I. Wunsch Reisach ("am Reisath"). 1721 erwarb die Urfarner Hofmark der Wirkliche Hofkammerrat Johann Georg von Messerer, der sich durch Tatkraft und Charakterstärke vom Aiblinger Brauereibesitzer bis in den Adelsstand emporgearbeitet hatte. Er erbaute sich in der Nähe des alten Schlosses ein neues, dessen ellipsenförmige, interessante Kapelle am 12. Oktober 1727 zu Ehren des bitteren Leidens Jesu, der Schmerzhaften Muttergottes und der hl. Anna geweiht wurde. Der Freund der Karmeliten, der schon der Münchener Nikolauskirche eine Orgel geschenkt hatte, berief diesen beschaulichen Bettelorden auch nach Urfarn. Man dachte zunächst an eine Einsiedelei. Der Stiftungsbrief von Messerer und seiner Frau vom 4. August 1729 mit der Übereignung eines Baugrundes lautete auf 16000 fl, die später auf 24000 fl erhöht wurden. Kurfürstliche Bestätigung am 17. Februar 1730. Nach nicht geringen Schwierigkeiten gab am 13. September 1731 das freisingische Domkapitel die erbetene Genehmigung zur Niederlassung. Den feierlichen Gründungstag legte man auf den 14. Oktober, den Vortag des Festes der Großen heiligen Theresia. Die ersten Karmeliten, die aus München kamen, bezogen zunächst das alte Schlößl. Am 23. Juli 1732 fand mit dem P. Provinzial und dem kurfürstlichen Baumeister Johann Baptist Gunetzrhainer bei Herrn Messerer die entscheidende Besprechung über den Bau der neuen Kloster? und Kirchenanlage statt. Die Grundsteinlegung hiezu feierte man am 2. September 1732, am Fest des hl. Brokard, des 2. Ordensgenerals der Karmeliten, der um 1209 durch den hl. Patriarchen Albert von Jerusalem dem Orden eine Regel geben ließ. Als bischöflicher Kommissär fungierte der Dekan von Aibling, Johann Dienzenhofer.

Der erste Klosterbau war anfangs in der Kartäuserart gedacht. Nachdem aber die Karmeliten unter dem 1. Oberen, P. Friedrich a Jesu, in der Kapelle des neuen Schlosses, die ihnen geschenkt wurde, eine überraschend erfolgreiche Seelsorgetätigkeit entfaltet hatten (12000 Kommunionen pro Jahr), entschloss man sich zu einem regulären Klosterbau und änderte die ersten Baupläne. 1735 stand der sogenannte Refektoriumsbau bis zum Dach fertig. Am 18. Oktober 1738 Einweihung der Wohngebäude und Einzug in dieselben. Zu dem Grund von 2 1/3 Tagwerk erwarb man noch 13/40 Tagwerk, auf dem 1761 der sogenannte Neubau im Westen entstand, in dem seit 1851 das Noviziat untergebracht ist, der Kapitelsaal und die Fremdenzimmer. Abgesehen von diesem Trakt war der Klosterbau (mit vierläufigen Treppenhaus) 1746 vollendet. Im Kloster verschiedene bemerkenswerte Gemälde der Stifter, der hl. Theresia, von Johannes vom Kreuz, Dominikus a Jesu u.a.

Schneller als das Kloster erbaute man die Kirche: hauptsächlich 1737-1739. 1741 schuf man den Verbindungsgang zwischen Sakristei und Konventbau. Von den zwei geplanten Türmen wurde nur einer ausgeführt (1758). 1747 erfolgte am Fest der hl. Theresia die Konsekration der Kirche durch den Freisinger Weihbischof Joh. Ferd. v. Pödigheim. Von den 7 geweihten Altären standen mindestens bei 4 nur die Altartische, ebenfalls die Kanzel. 1748 folgten die Bet- und Beichtstühle und die Kommunionbank. Der Österreichische Erbfolgekrieg verzögerte die Ausstattung. 1748 wurde der Simon-Stock-Altar gefasst, 1750 Aufstellung der Orgel, 1751 brachte man die Figuren der hl. Cajetan und Anton von Padua an. 1754 Stiftung des Albert-Altars und Vollendung der Sakristei. 1756 rückwärtiges Gitter und Apostelfiguren. 1757 Anna-Altar. 1774 Orgelemporengitter.

Die Schäden der Übermalungen von 1872 machte mit Ausnahme der Reliefaltäre die Renovation 1931 wieder gut. 1928 war das Schindeldach durch ein Kupferdach ersetzt worden, doch so schlecht, dass bald schon Wasser eindringen konnte, das Gebälk morsch wurde und das Gewölbe Risse bekam. Anfang September 1974 musste das Dach von Grund auf saniert werden: Der Dachstuhl wurde freitragend auf einem Eisenbetonmauerkranz aufgesetzt, der das Gewölbe zusammenhält. Dann deckte man das Dach neu in Kupfer. Anschließend konnte man mit der Restaurierung des Äußeren und Inneren der Kirche beginnen, wobei u.a. auch eine neue Orgel eingebaut und die Originalfassung der Reliefaltäre wieder freigelegt wurde; 1981 war die Restaurierung abgeschlossen.

1743 wehrte man die Panduren ab. Die Säkularisation griff in das Klosterleben unbarmherzig ein. Man verlangte 1801 nicht nur alles Silber, man verbot auch die kirchlichen Feste. Die Aufhebung erfolgte 1802. Man beließ das Kloster zunächst als Sammelkloster und versetzte auch die Patres von Schongau hierher. Den Abbruch der Schlosskapelle verhütete man mit allem Einsatz. Ab 1827 setzten Restaurationsversuche ein. Ab 26. Januar 1835 weilten Franziskaner in Urfarn, bis am 30. Oktober 1835, nicht zuletzt durch den Einsatz von neun treuen Gemeinden der Umgebung, die Karmeliten ihr Kloster zurückerhielten, das von Würzburg aus am 14. Mai 1837 wieder besiedelt wurde. Am 2. März 1851 (päpstliche Bestätigung 7. April) wurde Reisach seiner Bedeutung entsprechend zum Priorat und als Noviziat für die bayerischen Klöster bestimmt. 1860 wurde der 111. Orden für Laien offiziell errichtet, der hier wie in anderen Orten nach Innerlichkeit strebende Menschen im Geiste des Karmels zusammenfasst.
Das Bild zeigt den Grundriss der Klosterkirche.
grundriss der kirche