St. Michael

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Bedeutung

Reisach nimmt unter den bayerischen Rokokokirchen eine Sonderstellung ein. Der beschauliche und aszetische Orden der Karmeliten schuf hier eine maßdurchdrungene und in kraftgebändigter Zucht gestaltete Kirche, die aus jener Tugend der Mäßigkeit entstand, die man im lebensfrohen 18. Jahrhundert nicht erwartet, die aber in sehr vielen Kirchen unter den vier Kardinaltugenden abgebildet ist und dem Kunstfreund in nicht geringem Maße immer wieder begegnet. Karmelitenkirchen entstanden im bairischen Barock nicht allzu viele (z. B. in Schongau, München, Regensburg), aber die Skapulierbruderschaft war sehr weit verbreitet und fand ihren Niederschlag in bisher ungezählten Fresken von Grassau bis Ottobeuren. Die Reisacher Klosterkirche verzichtet mit Ausnahme der Apostelkreuze auf jeden Stuck, auf fast alle sonst übliche malerische Wirkung, die im 18. Jahrhundert allgemein beliebt war. Dafür spricht uns eine selten klare, in sich geschlossene und verfestigte Räumlichkeit an, deren letzter Ernst, innere Wahrhaftigkeit und sakrale Würde beeindrucken. An die Stelle des sonst üblichen rhythmischen Fluidums ist hier gestraffte Sammlung getreten, die sich bis in die wundervolle Lichtführung erstreckt. Der Orden hätte wohl keinen besseren Baumeister als Joh. Bapt. Gunetzrhainer finden können, der sich in seiner strengen, fast klassizistischen Auffassung des Spätbarock in die gestellte Aufgabe einlebte. Er brachte nur erstklassige, insgesamt heimische Künstler aus der Haupt- und Residenzstadt mit: vor allem den Hofmaler B. A. Albrecht und den Hofbildhauer J. B. Straub. Die drei Hauptaltäre weisen eine selten vornehme und geläuterte Farbe in den Säulen auf, und vor allem verwundert immer wieder die Einbeziehung des sanften Rosa-Tones in den Gebälkstücken. Überaus zart und feinsinnig sind einzelne Köpfe der Altarreliefs - eigene, sonst nicht anzutreffende Arbeiten Straubs -, die leider bisher immer unterschätzt wurden. Reisach, das alte Urfarn, ist nicht nur die schönste und bedeutendste Karmelitenkirche Süddeutschlands, die samt dem Kloster den Karmeliten von einem Mitglied ihres III. Ordens geschenkt wurde, sie reiht sich auch neben beste Kirchen dieser Epoche. Gleichwie die Karmelitenpatres in der Seelsorge weit über Reisach hinaus wirken, so zieht ihr ernster, beschaulicher Orden, ihre ansprechende wie stilistisch interessante Kirche viele Menschen an.