Zu Unserer Lieben Frau

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Pfarrgeschichte; die Kirche von Audorf einst und jetzt

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Während der Regierungszeit des Bischofs Atto von Freising schenkte 792 der Priester Regino sein Erbgut in „Uurdorf“, eine Kirche mit Grundbesitz, Gebäuden und Leibeigenen, der Freisinger Domkirche. Oberaudorf ist demnach Urpfarrei, sank jedoch im Laufe des hohen Mittelalters zur Filiale von Flintsbach herab. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Vorgang um eine einfache Verlegung des Pfarrsitzes von Oberaudorf nach Flintsbach im Zusammenhang mit der Erbauung der Burg Falkenstein durch das gleichnamige Grafengeschlecht.
Oberaudorf blieb jedoch ununterbrochen Sitz eines exponierten Kooperators oder Kaplans, der seit dem 17.Jhdt. den Titel Kurat oder Vikar führte.
1868 wurde das Vikariat Oberaudorf zur Pfarrei erhoben. Die Kirche war Hauptkirche des Gerichts Auerburg.
Baugeschichte:
Die romanische Kirche wurde nach Ausweis der Stilformen ihres Baukerns zu Ende des 15. Jhdts. neu erbaut, vermutlich unter dem ersten namentlich gekannten Vikar, Herrn Jorig (urkundlich 1477). Nur der Turmunterbau ist älter (14.Jhdt.). Der Neubau hängt möglicherweise mit der Entstehung der Wallfahrt zusammen. Oberaudorf war eine der größten spätgotischen Kirchen des Landkreises Rosenheim. Die außergewöhnliche Breite des Langhauses von fast 13 Metern lässt an eine mehrschiffige Anlage denken. Durchgreifende spätere Umbauten haben den Bau jedoch so stark verändert, dass hierüber keine Gewissheit zu erlangen ist; auch in den leider spärlichen Archivalien findet sich kein diesbezüglicher Hinweis. Das Bodenniveau der spätgotischen Kirche lag etwa 1,6 bis 1,7 Meter tiefer als das heutige Pflaster. Der jetzige Boden ist der dritte. Dies hat man 1969 beim Einbau der Kirchenheizung festgestellt.
Bei der Erstürmung Oberaudorfs durch die Kaiserlichen 1 im Jahre 1704 brannten Turm und Dachstuhl der Kirche ab, die aber „inwendig ohne Schaden verbliben“ ist.
(1 Die Zweite Schlacht von Höchstädt (im engl. Battle of Blenheim) ist die erste größere Auseinandersetzung im Spanischen Erbfolgekrieg. Ein alliiertes Heer aus Österreichern und Kaiserlichen unter Befehl von Prinz Eugen von Savoyen sowie der Engländer unter dem Befehl des John Churchill, Duke of Marlborough schlug am 13. August 1704 die Truppen der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Tallard und der Bayern unter dem Befehl von Kurfürst Maximilian II. Emanuel. Durch den Sieg wurde ein drohender Marsch der verbündeten franko-bayerischen Armeen auf Wien verhindert.)

Nachdem zunächst ein Notdach errichtet worden war, stellte der Zimmermeister Martin Schweinsteiger von Fahrenberg am Großen Audorfer Berg die Kirche in den Jahren 1706/08 wieder her. Der Turm erhielt dabei wie vorher einen Spitzhelm über Giebeln. Geldmangel verzögerte den endgültigen Abschluss der Instandsetzung, noch 1712 waren die Bauarbeiten nicht beendigt.
Als die Panduren am 4.5. 1743 Oberaudorf niederbrannten, fielen Turm und Dach der Kirche erneut den Flammen zum Opfer. Das Innere der Kirche wurde zwar im selben Jahr von den Soldaten ausgeplündert, blieb jedoch vom Brand verschont.
1744 wurde ein neuer Kirchendachstuhl aufgesetzt und der Bau repariert.
1746 Abbruch des gotischen Turmoberbaues und Aufbau eines neuen, barocken durch Barockbaumeister Abraham Millauer von der Hausstatt bei Feilnbach, der 1748 –1756 auch den „Ebbser Dom“ gebaut hat. Ihm zur Seite stand der Zimmermeister Johann Schweinsteiger von Wechselberg am Kleinen Audorfer Berg.
1747 wurden sie Sitze des neu hergestellten Kirchengestühls verteilt.
1750 bekam das Gotteshaus ein neues Speisgitter, das Paulus Regauer, Kistler in Oberaudorf-Burgberg fertigte. Zur selben Zeit entwickelte der Orgelmacher Andreas Mitterreither aus Altötting eine neue Orgel
Gleichlaufend fand eine allgemeine Verschönerung der Kirche statt, wobei eine Neufassung der mit „Pildern“ (Figuren) und „Schneidwerk“ verzierten Kanzel (von 1644?) und eine Ausschmückung des Hochaltars eigens erwähnt werden.
1757 Einsetzung des Leibes des Katakombenheiligen Innocentius auf dem Johann-Nepomuk-Altar.
1758 eingreifender Umbau des Chores mit Neuwölbung, Ausweitung der Fenster und innerer Abrundung des Chorschlusses. In der sakralen Architektur bezeichnet Chor (m od. n), oder auch Presbyterium genannt, den Altarraum in Kirchen, der nur dem Klerus vorbehalten war. Ursprünglich war der Chor ein für den Sänger nahe dem Altar bestimmter Platz. Aus der Romanik ist der runde Chorschluss Apsis bekannt
Der Chor wurde hiebei auch mit Stuckatur und Deckengemälden ausgeschmückt.
Offenbar war gleichzeitig ein entsprechender, vollständiger Umbau des Langhauses unter beträchtlicher Verlängerung nach Westen hin geplant. Ein hiezu verfertigter Grundriss von dem aus dem Gericht Auerburg stammenden Maurermeister Johann Achleitner, der als Palier unter den Hausstättern arbeitet, lässt erkennen, dass hiebei das Langhaus der Pfarrkirche Ebbs, wie vor berichtet, ebenso ein Werk von Abraham Millauer, nachgebildet werden sollte.
Achleitners Grundriss geht vielleicht doch unmittelbar auf einen Plan Millauers zurück.
Geldmangel und der Tod des baufreudigen Vikars Johann Michael Frank scheinen die Ausführungen dieses weiteren Um- und Erweiterungsbaues verhindert zu haben.
1760 neue Orgelchorbrüstung von Marx Grueber, Kistler in Oberaudorf
1772 Reparatur des durch Erdbeben beschädigten Gewölbes
1775 Einsetzung des Leibes des Katakombenheiligen Donatus auf dem Hochaltar, der hiezu im Sinne des Rokoko bereichert wurde.
1808 Einsetzung des Kreuzweges
Am 15.09.1823 brannte die Kirche ein drittes Mal ab, diesmal durch Blitzschlag. Da zunächst keine Mittel zu ihrer Wiederherstellung vorhanden waren, versah man sie mit einem Notdach und innen wegen Einsturzgefahr mit einem Gerüst.
1831/33 wurde die Kirche schließlich durch Johann Karmann, Bauwerkmeister aus Rosenheim und Sebastian Wildgruber, Zimmermeister aus Oberaudorf, umgebaut und erweitert.
1831 Abbruch der baufälligen Gewölbe, Neuwölbung der Kirche unter Erhöhung der Außenmauern wie des Innenraumes und Verlängerung des Langhauses um ein Joch (22 Schuh) nach Westen.
1832 Abschluss der Bauarbeiten an der Kirche, Erhöhung der Altarmensen und des Chorpflasters, das mit Kelheimer Platten belegt wurde (der sehr feinkörnige Kalkschiefer der Umgebung von Eichstätt wurde Anfang des 19. Jhs. weltbekannt durch die Verwendung der in Solnhofen gebrochenen "Lithographischer-Schiefer". Jedoch war dieser Jurakalkstein in den Donauländern schon vorher in Form von geschliffenen, lichtgelben Pflasterplatten in Gebrauch, die nach einer alten Zollbezeichnung auch als "Kelheimer Platten" bezeichnet wurden).
1833 entsprechende Verlegung eines Pflasters im Langhaus, Erneuerung und Erweiterung des Gestühls und Wiederherstellung des Turmes in der vorherigen Form; Neufassung des Hochaltars
1837 Einsetzung einer neuen Kanzel
1841 abermalige Neufassung des Hochaltars (in rot)
1844 und 1846 Schleuderung der Gewölbe
1862/64 Renovierung und Neufassung der Einrichtung durch Franz Xaver Scheidsach, München
1874/77 Innenrenovierung in Neurenaissance-Geschmack mit Ausmalung nach Entwurf von Architekt J. Marggraff, München, ausgeführt durch F. Seebacher, München
1876 Neufassung der Einrichtung
1877 Anbringung großer Wandfresken im Chor, wozu die Retabel (als Altarretabel bezeichnet man jeden Altaraufsatz) der Bruderschaftsaltäre entfernt und durch niedrige, predellenartige Aufbauten ersetzt wurden.
1909 Innenrenovierung mit Ausmalung durch Kunstmaler Hans Kögl. Pasing und Malermeister Griebl, Feldkirchen. Völlige Entfernung der beiden Bruderschaftsaltäre, dafür Einsetzung eines Chorgestühls
1924, 1933 und 1946 Restaurationen mit Entfernung der älteren Ausmalung und Anbringung neuer Deckengemälde
1976 Beginn der Innenrenovierung der Pfarrkirche auf Initiative von GR Monsignore Pfarrer Georg Unterstraßer
25.03.2001 Einweihung der neuen Jann-Orgel und des neuen Volksaltars durch H.H. Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter
2001 Neurenovierung des Innern und
2006 Abschluss der Außenrestauration, beides auf Entschlusskraft von GR Pfarrer Pater Walter Hartmann SAC

Fundstellen:
² Eine Darstellung zur Geschichte des Landkreises Rosenheim von Peter von Bomhard
² Die Geschichte der Pfarrei zu unserer lieben Frau von Oberaudorf, GR Pf. Josef Rosenegger
² ergänzt durch Ludwig Resch