Pfarrverband Oberes Priental

Kirchplatz 2, 83229 Aschau/Chiemgau, Telefon: 08052-4428, E-Mail: Darstellung-des-Herrn.Aschau@erzbistum-muenchen.de
Kinderdörfer San Anbaham
 
Wer die Möglichkeit hat, mal die Kinderdörfer St. Boniface Anbaham in Indien zu besuchen, der ist angetan von den vielen fröhlichen Jungen und Mädchen, die jedoch durch ihre Herkunft an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden oder sogar als Hunde betitelt werden. Unsere Kinder sind die Dalits, die Unberührbaren, die Unreinen. Aber nur in der indischen Gesellschaft, in der es auch im Jahre 2015 möglich ist, Menschen ihre Würde zu nehmen und sie zu diskriminieren. Indien hat ca.150 Millionen Unberührbare – Kastenlose oder Dalits. Für diese Menschen hat Herr Pfarrer Diedrich sich unermüdlich eingesetzt, ihnen Heimat ermöglicht, indem er für die Familien Häuser baute und vor dreißig Jahren für die Kinder die drei Dörfer St. Boniface Anbaham geschaffen hat.
Es ist schön in den Kinderdörfern zu leben, aus den Gedemütigten sind wunderbare selbstbewusste junge Erwachsene geworden. Jedes der drei Kinderdörfer hat seinen eigenen Charme. Die Häuser sind bunt gestrichen. Es gibt Springbrunnen, Bäume und viele wunderschöne Blumen, über die Wege stolzieren Pfauen, die ihr wunderbares Federkleid im Radschlag zur Schau stellen. In der Voliere befinden sich lauter Wellensittiche mit ihren unterschiedlichen Federkleidern und Gesang. Die Gartenanlagen werden gepflegt und die Wege gesäubert.
  
Die Kinder lernen sehr schnell sich der neuen Situation anzupassen. Im Gegensatz zu ihren Heimatdörfern, wo oft der Dreck vor die Hütten geworfen wird und ein Graben mit Abwasser den Säuglingen und Kleinkindern viele Krankheiten beschert, lernen sie Sauberkeit und die Verunreinigung der Brunnen zu vermeiden. Manchmal sind es ganz einfache Dinge, die Ihnen ein Leben mit weniger Krankheiten ermöglichen. Oft leben die Dalits in schlechten Verhältnissen, haben keine Möglichkeit sich vor dem Monsun zu schützen und müssen Nässe und Moskitos ertragen. Es ist hart als Dalit zu leben.
Im November 2003 hat Papst Joh. Paul II. an die indischen Bischöfe anlässlich ihres „ad limina“ Besuches darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist als Christ Menschen in dieser Art, wie es in Indien geschieht, auszugrenzen.
Für Herrn Pfarrer Diedrich gab es nur den Menschen, er half, wo es nötig war. Besonders lagen ihm die Kinder am Herzen, denen er zeigte, wie man durch Liebe, Bildung und Achtung in eine gute Zukunft gehen kann. Viele, sehr viele unserer Anbahamkinder haben es erreicht, eine gute Schulbildung zu erhalten.
Wir, die wir seinem Erbe verpflichtet sind, werden weiter die Kinderdörfer und die Loyola-Schule begleiten. Weitere Informationen gibt Ihnen auch gern Johanna Abel, Tel. 08052 5439. Wir sind dankbar für jede Unterstützung und besonders für die Begleitung durch das Gebet.
Wer die Kinderdörfer unterstützen möchte:
Die Konto-Verbindung für das Anbaham-Projekt von Monsignore Diedrich in Südindien bei der Kreissparkasse Ravensburg lautet: IBAN  DE20650501100101010865 und BIC SOLADES1RVB.
 
Ich wünsche Ihnen, den Gemeindemitgliedern des Pfarrverbandes eine gesegnete Zeit.
 Sabine Gehrling,
Vorsitzende von St. Boniface Anbaham
Kinderdörfer in Indien

30-jähriges Gründungsfest in Kassel 2016

Bericht über die Anbaham-Kinderdörfer und die Loyola-Schule.
Ein Mädchen schlägt die Glocke, es ist 18 Uhr im Kinderdorf St. Boniface Anbaham Trichy. Nach einem langen Schultag, der um 9 Uhr beginnt und erst um 16 Uhr endet, ist es nun Zeit etwas zu spielen und sich zu waschen. Wenn die Glocke erklingt, kommen 244 Kinder aus ihren Häusern und stellen sich auf. Nun geht es zum Abendgebet. So langsam geht die Sonne unter und es wird dunkel. Im Auditorium erklingen die Lieder und die Gebete. Alle sind hier versammelt, die kleinsten und die größten Kinder. Ein Tag ist vergangen, einer von den vielen Tagen im Leben der Kinder, die hier in Geborgenheit ihre Kinderzeit leben können. So ist es auch noch 5 Jahre nach dem Tod von Pfr. Albert Diedrich.
Was die Kinder vor der Zeit in Anbaham erlebt haben ist festgehalten in den vielen kleinen Heften, die Herr Pfr. Albert Diedrich sehr sorgsam geführt hat. Alles ist aufgeschrieben, kein ehemaliges Kind blieb unerwähnt, sein Schicksal berührte jedes Mal das Herz von ihrem geliebten Vater Albert.
So fand ich einen Eintrag über R. Rubin 7. Klasse 12 Jahre alt. Mutter sah keinen Ausweg mehr und verbrannte sich. Der Junge, den sie auch mit Benzin übergossen hatte, konnte gerettet werden. Vermerk von Pfr. Diedrich: sofortige Aufnahme. Ein weiterer Eintrag: D. Sneha 2. Kl.7 Jahre Vollwaise Vater fiel aus dem Bus und wurde tödlich verletzt. Mutter starb vor einem Monat. Bemerkung: bitte den größeren Geschwistern helfen mit einem kleinen Haus und das Mädchen aufnehmen in das Kinderdorf. So liegen viele  Eintragungen vor mir und ich kann daran erkennen, wer das Kind ist und wie es seine Kinderzeit in Anbaham erlebt hat. Denn viele kenne ich auch noch persönlich.
Als wir im Oktober diesen Jahres das 30-jährige Bestehen von St. Boniface Anbaham feierten, besuchte ein ehemaliges Anbahamkind seine Patenmutter in Kassel. Michael  Ray Jesudhas ist heute Pastor in einer Freikirche. Er ist verheiratet und hat 2 Kinder. Seine zweite Heimat ist jetzt Amerika.
Er erzählte bei dem festlichen Treffen der Paten wie er sein Leben im Dorf der Kinder von Anbaham erlebt hat. Er kam als kleiner Junge wegen großer Schwierigkeiten ins Dorf. Am Anfang hatte er Heimweh, aber bald fand er Freunde und gewöhnte sich an die neue Situation. Sein Vater starb durch einen Unglücksfall, die Mutter musste das Haus verlassen und sich Arbeit suchen. Seine Schwester wurde von einer Jugendbande vergewaltigt und in einen Brunnen geworfen. Sie  wurde tot aufgefunden. Er hatte Glück in seinem Leben, durch die Hilfe seiner Patenmutter aus Deutschland und durch das gute Handeln von Herrn Pfr. Diedrich hat er seinen Platz im Leben gefunden.
Sein Schlusssatz in der Kirche im Gottesdienst war der, der mir sehr nahe ging: „In Anbaham ist mir Gott begegnet“.
Darum bin ich sehr dankbar, dass ich weiter von den Kinderdörfern und der Loyola-Schule sprechen kann. Das Lebenswerk von Herrn Pfr. Diedrich wird weiter geführt. In diesem Jahr konnten wieder über 35 Kinder das Abitur der staatlichen Schule abschließen.
Vielleicht ist es auch manchen möglich uns finanziell zu unterstützen. Denn die Loyola-Schule braucht noch viel Aufbauhilfe. Manchmal habe ich schon an ein Lottospiel gedacht, aber dann ist es doch besser auf die Hilfe Gottes zu vertrauen.
Sabine Gehrling
30-jähriges Gründungsfest der Anbaham-Dörfer
Pfarrer Bulowski und Michael Raj Yesudhason