Pfarrei St. Otto

Ottobrunn

Geschichte der Pfarrei St. Otto

2. Expositus Dr. A. Möderl und die ersten kirchlichen Vereine

Am 15. Juli 1922 erhielt Ottobrunn den ersten amtlichen Seelsorger: Dr. Anton Möderl, geb. 1886 in München. Er war Kooperator in Oberhaching mit der Zuständigkeit auch für Kreuzpullach. In Ottobrunn erwarb er das Haus Ecke Rosenheimer Landstraße, Putzbrunner Straße, Gartenstraße, das später Post wurde (1929). Auf sein Bestreben wurde Ottobrunn von der Mutterpfarrei, die jetzt nicht mehr Oberhaching, sondern seit 1922 Unterhaching war, abgetrennt und der Pfarrei St. Michael Perlach eingegliedert. Damit war Ottobrunn zusammen mit Neubiberg eine Nebenstelle von Perlach. Der offizielle Titel war seit 1924 Expositur Ottobrunn-Neubiberg. (Expositur = Nebenstelle). Der Sitz der Expositur war Ottobrunn. Der Expositus hatte zwei Behelfskirchen zu betreuen, denn in Neubiberg gab es seit 1921 die Kapelle „Maria im Walde“, die spätere Kriegerkapelle neben der Pfarrkirche. 1922 Gründung des Frauenbundes – heute Frauenkreis.

Man muss sich die Ausdehnung dieses Seelsorggebietes einmal vorstellen: Ottobrunn, Neubiberg und Waldperlach! Im Winter schaufelten die Nachbarn manchmal dem Expositus den Weg nach Neubiberg erst frei, soweit man überhaupt von einem „Weg“ sprechen konnte. Oder man denke an den Weg zu einer Haustaufe in Waldperlach im kalten Winter 1922, weil die Kirche zu kalt war. In Ottobrunn zählte man 400 und in Neubiberg 300 Katholiken.

Mit Expositus Dr. Möderl begann auch eine rege Vereinsseelsorge. Im Februar 1924 wurde infolge seines „unermüdlichen Eifers und der tatkräftigen Unterstützung der Frau Bielmeier“ im Gasthaus Schwaige die Ortsgruppe Ottobrunn des kath. Frauenbundes ins Leben gerufen. Es waren 50 Frauen anwesend. Frau Bielmeier war die Schwiegermutter von Frau Maria Pielmaier, die seit 1967 bis Ende der Achtziger Jahre Vorstandsmitglied im Frauenbund war.

Ebenfalls im Gasthaus Schwaige fanden sich am 11.1.1925 mit dem Expositus ein: Josef und Theodor Sittenauer, Max Kumpfmüller, Heinrich Bächmann, Frz. Xaver Trübswetter, Hans Amon und Josef Teufel, um den kath. Burschenverein Ottobrunn zu gründen, der sich „Geselligkeit, Theater-, Lieder- und Spielabende, Ausflüge und Wanderungen“ zur Aufgabe machte.

Expositus Dr. Möderl verließ Ottobrunn, weil er am 1. 3. 1926 die Stadtpfarrpredigerstelle in München Mariahilf bekam. Anschließend wurde er Domprediger und dann Stadtpfarrer von St. Benno. Er starb am 17. Juli 1940.

Sein Nachfolger wurde Johann Keller, geb. 1894 in Donauwörth. Er war zuvor in Freilassing tätig. Mit ihm begannen die regelmäßigen Protokollaufzeichnungen der Kirchenverwaltung, die es seit 1923 gab. Die ersten Mitglieder waren Matthias Sittenauer, Pankratz Ettl, Alfons Pielmaier, Eduard Klas und Michael Weidner.

Die ersten Protokolle berichten vom Neubau des Expositurhauses 1925/26. Es handelt sich um das heutige Pfarrhaus in der Friedenstrasse 15. Das Grundstück dazu schenkten wiederum die Eheleute Franz und Franziska Beiser. Angesichts der Baulast musste ein Darlehen von 7.000,-- Mark aufgenommen werden. Die Ortskirchenumlage wurde von 6% auf 10% erhöht. Im Zuge der Geldbeschaffung wurde auch die damals noch übliche Kirchenstuhlmiete erhoben.