St. Hildegard

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Förg-Kapelle

100 Jahre alt wurde die Förg-Kapelle 2002.

Älter als die meisten Gebäude im südlichen Pasing, stand die Kapelle “Maria am Wege" (1) seit 1902 am Rand einer dem Bauern Förg gehörenden Acker- und Wiesenfläche an der damals noch nicht so stark wie heute befahrenen Maria-Eich-Straße, am Weg zum Wallfahrtsort Maria-Eich.(2)

Die fragmentarisch erhaltene Stiftertafel am Antependium des Altärchens dokumentiert das Entstehungsjahr 1902. 1881 war die alte Pasinger Marienkirche (heute “Mariä Geburt” am Stadtpark) regotisiert und zur Pfarrkirche von Pasing erhoben worden.

Gut 20 Jahre später, bei der Erbauung der Kapelle, war Pasing offiziell noch ein Dorf, das sich infolge der Industrialisierung und vor allem durch seine Lage an der Bahn immer stärker ausdehnte. 1905 erfolgte die Stadterhebung. Im gleichen Jahr wurde der Grundstein für die Kirche Maria-Schutz gelegt, weil die alte Kirche zu klein wurde.

Gleichzeitig mit der Förg-Kapelle wurde auf dem Ringwall im Institutsgarten die Herz-Jesu-Klause gebaut. (3)

In dem Bau der Förg-Kapelle 1902 ist die Frömmigkeit von drei bäuerlichen Ehepaaren manifestiert, die hier ein Gebäude errichten ließen, das ihre eigenen damaligen Verhältnisse als Landwirte übertraf. Ein Blick auf alte Fotos von Bauernhäusern an der Planegger Straße bestätigt dies. Zugleich deuten sich mit dem Bau der Kapelle aber auch hier die Expansionsbestrebungen des Ortes an, dessen Sakralbauten für die anwachsende Gemeinde nicht mehr ausreichten. Für die Baumaßnahmen wurde auf Handwerker der näheren Umgebung zurückgegriffen; z.B. ist der Dachreiter ähnlich gearbeitet wie bei der Herz-Jesu-Klause. Auch sind an der Planegger Straße eiserne Einfriedungen erhalten, die aufgrund gestalterischer Ähnlichkeiten aus der Hand des gleichen Schmieds stammen dürften wie das Gitter der Kapelle. Zwei Stäbe des linken Gitterflügels weisen Perforierungen auf; ursprünglich dienten sie zur Befestigung eines herzförmig geschmiedeten Opferstockes, der leider abhanden gekommen ist. (4)

Der nach Befund rekonstruierte goldene Sternchen-Dekor auf lapislazuli-blauem Grund in der Apsis der Förg-Kapelle schimmert geradezu festlich, besonders im Kerzenschein, wenn die Kapelle im Herbst alljährlich bei einer Lichterprozession aufgesucht wird. Der Dekor entsprach ursprünglich dem Sternendekor der Raumschale der Münchner Frauenkirche nach deren Regotisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Der "Sternenhimmel" der Kapelle bezieht sich auf Maria als Himmelskönigin (5) und weist mit großer Wahrscheinlichkeit auf ihren ursprünglich gedachten Zusammenhang als Marienkapelle hin. Denn von der alten, beweglichen Ausstattung blieb nichts erhalten. Ihre Nutzung als Schönstatt-Kapelle entstammt späterer (6) Zeit , lehnt sich jedoch an ihre wohl originale Funktion als Marienkapelle an.
Der Brauch als Station während der Fatima Prozessionen am 13. jeden Monats nach Maria Eich in Planegg kam ihr erst seit etwa 1930 zu, dem Jahr der offiziellen Anerkennung Fatimas, wo Maria 1917 drei Kindern erschienen sein soll.

Bis in die zwanziger Jahre muss die damals relativ einsam gelegene Kapelle auch als eine Art Treffpunkt gedient haben; bei der Befunderstellung kamen entsprechende Graffiti unter den alten Farbschichten zum Vorschein.

Die Abnahme der bäuerlichen Kulturflächen in Pasing aufgrund der immer dichter werdenden Besiedlung schildert das um 1950 entstandene Foto (7) der Kapelle mit den Kindern des vis-a-vis gelegenen Hauses Maria-Eich-Str. Nr. 53. Das Gebiet um die Kapelle erweckt nicht mehr den Anschein einer Kulturfläche, sondern wirkt brach, in der Absicht, es künftig anders zu nutzen. Der Streifen entlang der Kapelle wurde dann 1956 glücklicherweise, eigens für sie als Restgrundstück mit der Flurnummer 2070/11 parzellieren von der Familie Förg unentgeltlich an die Stadt München abgetreten. Ihre Nutzung oblag damals der Pfarrkirche Maria Schutz. Im Zuge der Renovierung der Kapelle vor zwei Jahren wurde sie offiziell in die Betreuung der nahe gelegenen Pfarrgemeinde St. Hildegard übertragen, die sie nun seit rund 40 Jahren umgibt.

Bei der stetig weiter anwachsenden Besiedlung wird die Förg-Kapelle mit der für sie extra reservierten Grünfläche immer mehr zu einem besonders wertvollen Geschenk zu einer Bereicherung für unsere Gemeinde, mit der sie sich schmücken darf.

Für die Unterstützung und die vielen Hinweise von auch hier nicht genannten Personen möchte ich herzlich danken.

Dr. Adelheid Straten Pasing, im Frühjahr 2003

Die vollständige und ungekürzte Originalfassung dieses Beitrags mit mehreren Abbildungen erschien als Folder, einsehbar im Pfarrarchiv St. Hildegard und im Archiv des Erzbistums von München und Freising.


Anmerkungen:
(1) Diesen Namen erhielt sie zur Einweihung nach ihrer Wiederherstellung im Oktober 2000.

(2) Katasterplan von 1945; vgl. Alfred Laut: Maria am Wege in der Förgkapelle Maria-Eich-Straße in Pasing, München-Pasing 2001, S. 18 - Diese Publikation enthält vor allem die Familienforschung der drei auf der Tafel erwähnten Stifterehepaare.

(3) Handschriftl. Chronik der Engl. Fräulein, zit. nach Adolf Thurner: Zu Unserer Lieben Frau in Pasing. Die Kirche Mariä Geburt. München-Obermenzing 2000, S.371

(4) Freundlicher Hinweis von Irmgard Brandstöttner.

(5) So weist das Gewölbe im Altarraum der barocken Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, Birkenstein, tatsächlich gemalte Gestirne auf.

(6) 1901 ließen sich Pallotiner in Schönstatt a. Rhein nieder, 1914 wurde die gleichnamige Bewegung dort gegründet.
Vgl. Lthk, Bd. IX, Freiburg 20003, S.214.