St. Hildegard

Paosostr. 25 | 81243 München | Tel. (089) 82 91 34-0 | E-Mail: st-hildegard.muenchen@erzbistum-muenchen.de

Georg Sonnenholzner, unser erster Mesner, erzählt:

Ich war 47 Jahre alt, als ich meinen Dienst als Hausmeister und Mesner von St. Hildegard im Mai 1962 antrat. Damals wurden die Gottesdienste noch in der Aula des Albertus-Magnus-Hauses abgehalten. Einmal nahm mich der Kurat, Paul Groh, in den Kirchenbau mit. Als ich das Innere sah, die groben, grau-dunklen Steine, da fragte ich ihn: „Wann wird denn das geweißelt?“ Er schaute mich verwundert an und sagte kurz: „Das bleibt so.„ Ich war so betroffen, dass ich bei mir dachte: Da bleib i net lang.

Es sind dann 35 Jahre geworden. Ich habe mit der Zeit ein großes Aufgabengebiet gehabt. In den ersten Jahren hatten wir bis zu siebzig Ministranten. Die musste ich heranziehen und auch im Zaum halten. Das hat gut funktioniert. Wir haben ja auch Ausflüge und Wochenenden miteinander verbracht. Auch die Gebete habe ich ihnen erklärt, sie nicht nur eingeübt.

Die ersten Mädchen fingen als Ministrantinnen 1970 an. Es waren die Wendla Hainzlmayer, die Ellen Bendl, die Baumgartner-Mädchen und Renate Laut, wenn ich mich recht erinnere.

An die Anfangszeit erinnere ich mich gut. Am Weihetag war’s bitter kalt. Wir hatten in der Kirche Tannenbäume aufgestellt und 300 Stühle hineingebracht. Trotzdem mussten viele Besucher und Gemeindemitglieder stehen. Kirchenbänke gab es damals noch nicht. Die mussten von der Gemeinde selbst aufgebracht werden; ebenso die Orgel. Da wurde zehn Jahre lang hingespart und gesammelt. Die Orgel kostete übrigens 120.000 Mark. Das war sehr viel Geld. Die Gemeinde zählte damals an die viertausend Seelen. Zwischen 700 und 800 Gottesdienstbesucher hatten wir jeden Sonntag zu den drei Gottesdiensten.

Am ersten Sonntag nach dem Weihetag blies der Ostwind durch die Ritzen der Steine, die nicht verfugt waren. Die Leute flohen von der Wetterseite auf die andere Seite hinüber. Ungehindert wehte feiner Schnee herein und verteilte sich in der Kirche. Die Innenwände waren grau-weiß vom Rauhreif. Erst ein Jahr später wurden die Fugen von außen verschlossen. Ich habe jahrelang Kirchenführungen abgehalten. Damals sind die Leute busweise gekommen, um unsere Kirche zu sehen. Den Martinszug habe ich betreut und auch das Holz fürs Johannisfeuer aufgerichtet, zur großen Begeisterung der Jungen, die übers Feuer gesprungen sind. Bis zu vierhundert Leute waren immer da.

Manchmal wollte der Pfarrer, dass wir z’ammläuten. Dann hat er mir eine Kassette mit einem schönen Geläut gegeben. Ich habe einen Lautsprecher auf dem Dach des Pfarrheimes montiert und die Kassette abgespielt. Am Faschingssonntag haben wir das auch mal mit einem Strauss-Walzer gemacht.

Georg Sonnenholzner
Mesner von 1962 - 1997