Pfarrverband Tuntenhausen - Schönau

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Die Geschichte des Männervereins

Eine Erfolgsgeschichte

1869
Der Zusammenschluß im Bayerisch-patriotischen Bauernverein Tuntenhausen

'Wer heute Bauer sein oder werden will, kann sich dazu am Beispiel der Männer des Tuntenhausener Bauernvereins ermutigen, wie sie für den Bauernstand und für Bayern gekämpft, wie sie die damaligen Agrarkrisen aus eigener Kraft gelindert haben. Ihr geistiges Rüstzeug und ihre Ideale aber, mit denen sie ans Werk gingen, sind für das Bauerntum und die Landwirte auch heute noch gültig. Vor 130 Jahren erkannte Graf Ludwig Arco-Zinneberg als tiefreligiöser Mann und Gutsherr von Maxlrain die Not und Gefahr des bäuerlichen Landvolkes. Da rief er die Bauern in den weitberühmten Wallfahrtsort Tuntenhausen.

Hier entstand am 19. September 1869 der Bayer.-patriotische Bauernverein, an dessen Spitze er stand. Für die oberbayerischen Landwirte war dies die Premiere ihrer politisch-ständischen Vertretung gegenüber der staatlichen Agrarpolitik. Unter der Leitung des nachfolgenden Vorstands Balthasar Daller (1883-1911) erlebte der Bauernverein mit 7.000 Männern seine Blütezeit. Tuntenhausen war der Ort geworden, an dem die gewiegtesten Politiker bei den »Herbstparaden« Reden hielten und die Weichen für die Politik im Land und im deutschen Reich stellten. Die Tuntenhausener Bauernorganisation umfaßte die Amtsgerichtsbezirke Rosenheim, Prien, Aibling, Miesbach, Wasserburg, Haag, Ebersberg und Teile Erdings und Mühldorfs. Auf der 60. Jubiläumstagung mit einem Massenbesuch im Jahr 1929 wurden die drei Hauptprogrammpunkte des Vereins feierlich beschworen: die Erhaltung des Bauernstandes, die Treue zu Glaube und Kirche, die Selbständigkeit Bayerns.
1933
Der Tuntenhausener Kreis im Widerstand zum Nationalsozialismus

In der NS-Zeit lag das »schwarze« Tuntenhausen den »braunen Herrenmenschen« schwer im Magen. Auf den Tagungen des Vereins waren die Warnungen vor Hitler unüberhörbar. Tausende Bauern des Wallfahrtsumkreises lauschten bis zur letzten Versammlung im Jahr 1932 den Reden bayerischer Politiker, wie dem »Bauerndoktor« Georg Heim, Alois Hundhammer und Fritz Schäffer.
1933 wurde der etwa 5.000 Mitglieder zählende bayerisch- patriotische Bauernverein Tuntenhausen als gegnerischer »Hort der Reaktion« von der NSDAP zur Auflösung gezwungen.

Von nun an konzentrierte sich der Widerstand im Wallfahrtsort auf den kirchlichen Bereich. Die auflösende Generalversammlung bestimmte noch aus der Vereinskasse einen jährlichen Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder des ehemaligen Vereins, so daß sich der Tuntenhausener Kreis auch während des »tausendjährigen Reiches« traf. Bei der Reichstagswahl 1933 verweigerten die Tuntenhausener ihre Ja-Stimme für Hitler. Es kam zu Verhaftungen von Bauern. Kardinal Faulhaber erhob bei den Münchener Elternwallfahrten in Tuntenhausen seine Stimme für die Bekenntnisschule und den Verbleib der Kreuze in den Klassenzimmern. Kurz vor dem erwarteten »Endsieg« erhielt 1942 die Wallfahrtskirche Tuntenhausen von Papst Pius XII. die Auszeichnung zur Päpstlichen Basilika.

Mit dieser Rückendeckung des Vatikans wurde von Tuntenhausen aus Widerstand geleistet und um das Ende des Krieges gebetet.
1945
Nachfolge und Neubeginn – Der Katholische Männerverein Tuntenhausen

»Succisa virescit - der umgehauene Baum schlägt wieder aus«, lautet der benediktinische Wahlspruch. Wenige Monate nach Kriegsende formierte sich auch der Tuntenhausener Kreis wieder. Am 15. November 1945 wurde im Meisterzimmer des kath. Gesellenvereins in Rosenheim der neue Katholische Männerverein Tuntenhausen mit Dr. Alois Hundhammer als 1. Vorsitzenden ins Leben gerufen. Im Blick auf die fatale Verkehrtheit der nationalsozialistischen Vergangenheit konnten die Kräfte für den Wiederaufbau jetzt nur aus der christlich katholischen Weltanschauung kommen. Als Vereinszweck sahen daher die Satzungen vor, »in der gesamten Öffentlichkeit für die Vertiefung des katholischen Glaubenslebens zu wirken und die katholischen Grundsätze überall zur Geltung zu bringen«. Mit dieser Maxime, die den Wesenskern des Politikers Hundhammer ausmachte, erging der Aufruf an die katholischen Männer des Wallfahrtsumkreises, sich zu vereinigen und öffentlich für eine christliche Staats- und Gesellschaftsordnung einzutreten.
Kardinal Faulhaber schlug 1945 den Amerikanern Fritz Schäffer als Ministerpräsident für die erste Nachkriegsregierung Bayerns vor. Zu Pfingsten 1946, bei der Basilikafeier, trat der Katholische Männerverein erstmals an die Öffentlichkeit. Führende Politiker aus Bund und Land, u.a. F.J. Strauß, kamen zur Wallfahrt und hielten Reden bei den jährlichen Vereinskundgebungen. Die katholischen Männer holten sich vom Gnadenort der Mächtigen Jungfrau, der Patrona Bavariae, Kraft und Verantwortung für den Wiederaufbau des Freistaates Bayern.
1995
Bewahren und Erneuern – Wallfahrt und Politik
Die christlich vereinigten katholischen Männer von Tuntenhausen sind ein bayerisches Phänomen von landesweitem Interesse. Hier tritt der katholische Glaube aus seinem Schema heraus und drängt in seine Verantwortung für Kirche, Gesellschaft und Staat.

Der 125jährige Verein blickt als wiederbegründeter Kath. Männerverein Tuntenhausen mit Dank und Anerkennung auf das Vereinsgeschehen der letzten 50 Jahre zurück. Die geleistete Vereinsarbeit war ein dynamischer christlicher Beitrag für 50 Jahre Frieden, religiöse und politische Freiheit in Bayern und Deutschland. Der 1. Vereinsvorsitzende wurde von prominenten bayerischen Staatsministern versehen und ging von Alois Hundhammer 1974 auf Max Streibl und 1989 auf Hans Zehetmair über. Die zweimaligen Wallfahrten mit Tagungen im Jahr waren dem geschichtlichen Erbe verpflichtet und gaben Orientierung und Mut, die Zukunft zu gestalten.

Die Mitgliederzahl wuchs von 300 im Jahr 1946 auf gut 1.000 in den 50er Jahren und beträgt derzeit noch ca. 600. Daher ist die jüngere Männergeneration aufgerufen, dem Verein aus Überzeugung beizutreten und ihn zu stärken.
Tuntenhausen soll ein Forum der Katholizität in Verbindung mit christlicher Politik bleiben. Wallfahrten und Beten, politisch Denken und Handeln schließen einander nicht aus, sondern ein. Glaubenskraft gestaltet die Zukunft unseres Landes. Die kommende Zeit des multikulturellen pseudoreligiösen Marktes fordert geradezu den katholischen Mann mit katholischer Weltanschauung heraus, die christlichen Grundwerte öffentlich zur Geltung zu bringen.
1999
Tuntenhausen ruft Männer für das neue Jahrtausend

An der Schwelle zum 3. Jahrtausend ruft daher Tuntenhausen
Christliche Kultur in unserem Land Bayern, dem ältesten Staat Europas, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern will erkämpft und bewahrt sein. Die 130jährige Tradition des Kath. Männervereins Tuntenhausen gibt Beispiel dafür. Männersache in Tuntenhausen ist daher Kavalierssache für das Ganze der christlichen Kultur unserer Heimat. Männersache in Tuntenhausen ist Einstehen für Glaube und Kirche, ist Verfechten der sittlichen Wertordnung gegen die chaotischen Attacken des Zeitgeistes, ist Bewahren der christlichen Basis unserer Gesellschaft und unseres Staates im Sinne der Liberalitas Bavariae.
Text: Pfarrer i. R. Josef Vogt
2005
Der Männerverein in Zeiten der Globalisierung

Auch heute hat der Männerverein nach wie vor Zulauf. Trotz immer schneller werdenen Entwicklungen in Forschung und Technik, entscheiden sich Männer dafür, ihren katholischen Glauben nach außen zu zeigen. In einer Zeit, in der die Welt über das Internet und andere Medien immer näher zusammenrückt, ist es nötig, für bleibende Werte einzutreten. Diese Werte gibt uns Jesus selbst vor. Das heißt, daß wir nicht jeder neuen Entwiklung nachlaufen, sondern zuerst zu prüfen, ob sie mit Sitte und Moral in Einklang zu bringen ist. Oberste Grundlage ist das Mneschenbild, das Jesus uns vor Augen stellt, z. B. im Barmherzigen Samariter. Katholisch sein bedeute aber nicht, rückständig zu sein, sondern alles genau zu prüfen und das Gute zu behalten, wie es der Apostel Paulus sagt.

Heute sind es ca. 900 Männer, die genau nach dieser Devise leben.

Bildergallerie wichtiger Persönlichkeiten für den Verein von Anfang an