Pfarrverband Wartenberg

Strogenstr. 17, 85456 Wartenberg, Telefon: 08762-1231, E-Mail: Mariae-Geburt.Wartenberg@erzbistum-muenchen.de

St. Georg Wartenberg

Inmitten des Friedhofs am Ufer der Strogen erheben sich Turm und Chor der ehem. Pfarrkirche. Sie wurde um 1500 (Bauinschrift 1516) errichtet als spätgotischer Backsteinbau mit hohem Satteldachturm, in den in der Landshuter Gegend gebräuchlichen Bauformen. 1619 wurde das Innere barockisiert und ausgemalt, 1719 das Langhaus abgerissen. 1864 wurde der Hochaltar aus der damals abgerissenen gotischen Heilig- Geist-Kirche von Appolting hierher übertragen. Dieser Altar ist heute der größte Kunstschatz der Pfarrei und der weiteren Umgebung.
Die Kirche ist mit einem Netzgewölbe überwölbt, das aus Mauervorlagen aufsteigt. Die Gewölbefelder sind mit frühbarocken Malereien geschmückt, die erst in den letzten Jahren wieder freigelegt wurden (1873 übermalt). Erkennbar sind Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi (Geißelsäule, Nägel, Lanze, Schweißtuch). Die von Engeln zur Schau gestellten Leidenswerkzeuge waren über ein Jahrhundert ein beliebter Andachtsgegenstand (vgl. Michaelskirche München; um 1590). An der nördlichen Wand sind weitere Malereien erkennbar: In Rundfeldern Darstellung der 7 Sakramente, darüber die allerheiligste Dreieinigkeit. Ganz links ein kniender Stifter aus einer älteren Malereischicht. Daneben eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe um 1490, die an Münchner spätgotische Skulptur erinnert. Diese Gruppe ist das einzige spätgotische Werk der Gegend, das in seinen originalen Farben erhalten ist (1955 von Hager freigelegt). Alle anderen Figuren wurden im 18. und 19. Jh. mit zum Teil sehr störenden farbigen Fassungen versehen. Rechts vorn ein Flachreliefepitaph des Pfarrvikars Sigmund Peckh, ? 1609.
Der Altar ist ein Wandelaltar. Sein jetzt zumeist sichtbarer Zustand war früher nur den Feiertagen vorbehalten. Er enthält in der Mitte die Skulptur der von Engeln umgebenen heiligsten Dreifaltigkeit in der Form des Gnadenstuhls: Gott Vater zeigt den Menschen das Leiden des Sohnes am Kreuz. Die Malereien der Flügel stellen auf Goldgrund das Wirken des Hl. Geistes dar: links oben Verkündigung an Maria, darunter Taufe Christi, rechts oben Krönung Mariae, darunter Pfingstpredigt des Petrus. In allen vier Bildern erscheint der Hl. Geist in Gestalt einer Taube. Die Predella (Relief) schildert die Aussendung des Hl. Geistes über Maria und die Apostel beim Pfingstfest. Daneben in Malerei die 4 lateinischen Kirchenlehrer: Feiertagsseite, Gregor (Tiara) und Hieronymus (Löwe); Werktagsseite, Ambrosius und Augustin (Herz). Im Gespreng ganz oben stehen die Figuren Johannes Evangelist, Christus als Schmerzensmann und Maria. Der jetzt meist verborgene, früher an Werktagen sichtbare Zustand zeigt die Heiligen Barbara (Turm), Apollonia (Zange), Katharina (Rad) und Ursula (Pfeil) und auf den Flügelrückseiten einen gemalten Gnadenstuhl und Szenen aus dem Leben der Heiligen Laurentius, Stephan, Georg. Auf der Altarrückwand Darstellung des Weltgerichts. Die Malereien der Rückseiten sind Gehilfenarbeiten, die Vorderseiten Werke eines in Freising tätigen Meisters um 1510. Die Skulpturen können dem Meister des Ursulareliefs in der Moosburger Stiftskirche zugeschrieben werden. Der Reichtum bewegter Formen innerhalb eines streng durchgeführten geometrischen Aufbaus ist typisch für die Kunst dieser Zeit. Die fertige Fassung wurde 1978 von Keilhacker, Taufkirchen, wiederhergestellt. Trotz dieser Übermalung gehört der Altar noch zu den schönsten und besterhaltenen Zeugnissen spätgotischer Altarbaukunst in Oberbayern.