Einführung einer Streitschlichtergruppe

an der Prinzregentenschule (GS) Rosenheim (Projektkonzeption)

1. Übersicht:
Innerhalb des ersten Halbjahres wurden Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen zu Streitschlichtern ausgebildet, die auf dem Pausenhof und in den Klassen bei Differenzen zwischen einzelnen Schülern als Mediatoren eingesetzt werden. Im zweiten Halbjahr werden Drittklässler auf ihre Streitschlichteraufgabe für das neue Schuljahr vorbereitet. Die aktiven Streitschlichter werden weiterhin betreut und können die Vorfälle mit mir reflektieren.
2. Die Schule:
Die Prinzregentenschule ist eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt
Rosenheims. Knapp die Hälfte der Schulkinder stammt aus Familien mit
Migrationshintergrund. An der Schule gibt es seit einigen Jahren gebundene
Ganztagsklassen. Die Schule ist eine offiziell anerkannte Inklusionsschule.
Im Schuljahr 2015/16 werden Kinder ohne Deutschkenntnisse in zwei Übergangsklassen betreut.
Mit über 400 Schülern ist sie die größte Grundschule im Raum Rosenheim. Hervorzuheben ist die sehr engagierte Schulleitung, die in Zusammenarbeit mit dem Kollegium für eine besonders angenehme Schulatmosphäre für Schüler und Lehrer verantwortlich zeichnet und viele Projekte zum Wohl der Kinder umsetzt.
3. Zielgruppe:
Die Streitschlichtertätigkeit ist aufgrund ihrer Anforderungen besonders für die
Viertklässler geeignet. Um im Herbst keine Lücken mit dem Weggang der jetzigen vierten Klassen entstehen zu lassen, werden im zweiten Halbjahr interessierte Drittklässler zu Streitschlichtern ausgebildet und nach den Sommerferien eingesetzt.
Die Ausbildung zum Streitschlichter steht diesen Jahrgangsstufen ohne
Einschränkungen und Auswahlkriterien offen, da auch potentielle „Streithansel“ von der Ausbildung profitieren und ihre Konfliktlösungskompetenz stärken können.
 Da pro Gruppe nur maximal 22 Kinder ausgebildet werden können, wird die Ausbildung in zwei Ausbildungsgruppen aufgeteilt (pro Halbjahr eine Gruppe). Dadurch können alle interessierten Kinder an der Streitschlichterausbildung teilnehmen.

Streitschlichter GS Rosenheim
4.a) Ziele und Chancen des Angebots:
Die Schüler werden befähigt, Konflikte zwischen Mitschülern zu schlichten und damit
für ein gewaltfreies und kommunikatives Schulklima zu sorgen. In der Ausbildung
zum Streitschlichter erhalten die Schüler Hintergrundwissen zur Entstehung von
Konflikten und werden sensibilisiert, die Bedürfnisse der Kontrahenten zu erkennen.
Grundlagen der Kommunikationswissenschaften wie „Vier Seiten einer Nachricht“,
 „Aktives Zuhören“, „Ich-Botschaften“ sowie „Gewaltfreie Kommunikation“ dienen
als Basis für die Mediationstätigkeit. Die Chance des Angebots besteht zum einen in der Lösung von Konflikten ohne  Einmischung von Erwachsenen. Zum anderen ist auch bei den Streitschlichtern erkennbar, dass sie das erlernte und eingeübte Wissen in ihrem Umfeld anwenden und selbst mit Konflikten sachlicher umgehen lernen. Die Streitschlichter agieren somit im Umgang mit Konflikten als Multiplikatoren für ihr Umfeld.
 
b) Entstehungshintergrund und schulpastorale Begründung:
Seit 6 Jahren betreue ich eine Streitschlichtergruppe an der Privaten Wirtschafts- schule Dr. Kalscheuer in Rosenheim. Da die Arbeit der Mediatoren sich seither sehr positiv für das Schulklima auswirkt, entstand die Idee, Streitschlichter in der Prinzregentenschule einzusetzen. Der Pausenhof ist für die große Schülerzahl
sehr klein. Daher kommt es in den Pausen regelmäßig zu Ausseinandersetzungen
und damit zu ständigem Petzen bei den Pausenaufsichten. Auch die unterschied-lichen kulturellen Hintergründe führen häufig zu Konflikten, z.B. zwischen Serben und Kosovaren oder auch zwischen Muslimen und Christen.  Es ist mir als Religionslehrerin ein großes Anliegen, zu einem friedvollen  Miteinander an der Schule beizutragen und an einer Schule mit einem großen Anteil an Ethikschülern als Christin positive Akzente zu setzen und das christliche Werteverständnis zu verdeutlichen. Dadurch lernen die Schüler aus allen Kulturen, achtsam und tolerant
miteinander umzugehen und vor allem in jedem Mitschüler einen Menschen mit einer eigenen Würde zu erkennen. Da ich bei den Schulandachten, in den Ganztags- klassen oder Vertretungsstunden auch zu vielen Ethikschülern eine positive Beziehung aufbauen konnte, sehe ich mich als Bindeglied zwischen den Religionen.
 
c) Kompetenzen und Motivation:
Ich verfüge über eine Ausbildung zur Erzieherin, Erfahrungen als Kindergarten-leitung und knapp 20 Jahre Referententätigkeit in der Erwachsenenbildung. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen jeden Alters und verfüge mittlerweile über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit den unterschiedlichen Bedürfnislagen von Kindern, aber auch deren Nöte und Herausforderungen. Der Besuch von Fortbildungen im Bereich Streitschlichtung und Kommunikation befähigte mich, die Ausbildung zum Streitschlichter zielgruppen- und handlungsorientiert zu gestalten.
Besonders wichtig ist mir, den Menschen in den Mittelpunkt des Schullebens zu
stellen und das christliche Bild der Nächstenliebe in die Tat umzusetzen.
5. Zeitlicher und organisatorischer Rahmen:
Die Streitschlichterausbildung findet immer freitags um 12.15 Uhr statt, damit auch
Ganztagesschüler daran teilnehmen können. Als Raum dient ein Klassenzimmer
im Altbau, da für die große Gruppe sowie die Rollenspiele viel Platz benötigt wird.
Meistens endet die Ausbildungsstunde kurz nach 13.00 Uhr. Das Angebot findet in der Schule statt, die Kinder und Eltern wissen jedoch, dass die Betreuung der Streitschlichter ein kirchliches Angebot ist. Einige muslimische Eltern hatten große Vorbehalte, dass die Kinder eine Art katholischen Religionsunterricht besuchen. Alle Vorbehalte konnten nicht ausgeräumt werden. Aufgrund der sonst sehr positiven Resonanz hoffe ich, anhand der konkreten Streitschlichterarbeit diese Vorurteile langfristig beheben zu können.
6. Inhaltliche und methodische Gestaltung:
GS Rosenheim 2016
7. Kooperationspartner:
- Schulleitung als „schützende Hand“ und Bindeglied zum Kollegium
- Schulsozialarbeit: enge Vernetzung und Austausch bei Konfliktfällen
- Elternbeirat: finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von   
  Streitschlichterwesten
- Förderverein: Angebot der finanzieller Unterstützung
 -Schulhomepage: Veröffentlichung von Infos zur den Streitschlichtern
 
8. Material und Kosten:
- Kopien, Papier und Plakate stammen von der Schule
- Plakatstifte, Spielmaterial usw.
      
9. Bisherige Erfahrungen:
+ sehr positive Resonanz seitens der Schulleitung und des Kollegiums sowie der
   Eltern und Schulsozialarbeit
+ großes Interesse von den Schülern an der Ausbildung
+ unbürokratische Unterstützung durch die Elterngremien
 
- einige unzuverlässige Kinder, die Ausbildungstermine vergaßen
- Klassenlehrerin des Raumes blockierte mehrmals den Raum mit Eltern-
  gesprächen,  Aufräumarbeiten oder Vorbereitungen
- großer Gesprächsbedarf der auszubildenden Streitschlichter in den Treffen, so  
  dass dies zu Lasten der geplanten Inhalte ging
- Konflikte zwischen Streitschlichtern  > diese Konflikte dienten dann als
  Fallbeispiele für die Rollenspiele
 
10. Ausblick:
Aufgrund des großen Interesses an der Streitschlichterausbildung seitens der Schüler sowie der vielfältigen Unterstützung kann dieses Angebot sicher an der Schule etabliert und evt. sogar noch erweitert werden > z.B. zwei Ausbildungsgänge pro Schuljahr führen zu Multiplikatoreneffekt und bauen den Streitschlichternach- wuchs lückenlos auf.
 
11. Deputat: Durchführung im Rahmen einer Anrechnungsstunde Schulpastoral
 
 
Durchführende Lehrkraft: Martina Goldhofer-Kotter Rl iK
 
Kontakt: Prinzregentenschule GS Rosenheim / gsp1@schulen.rosenheim.de