Dekanat Fürstenfeldbruck

Zur Geschichte des Dekanates Fürstenfeldbruck

Ein Beitrag von Dr. Birgitta Klemenz
Corbinian_polack
Die Geschichte des Dekanates Fürstenfeldbruck ist Teil der Geschichte unseres Bistums. Vor der Errichtung des Bistums Freising durch Bonifatius im Jahr 739 wurde das Christentum, das schon von den Römern ins Land gebracht worden war, vor allem durch irische und fränkische Wandermönche und -bischöfe verbreitet. Der bedeutendste unter ihnen ist der hl. Korbinian, der ab etwa 723 in Freising wirkte - als erster Bischof am Hof des Herzogs. Heute ist er der erste Patron unserer Diözese. (Das Bild zeigt das Bärenwunder - Der hl. Korbinian von Freising als Bischof bei seiner Überquerung der Alpen auf dem Weg nach Rom im Jahre 710. Jan Polack, Öl auf Nadelholz, 1489. Quelle ).

Wichtige Quellen für die Geschichte des Bistums und damit des Dekanates sind die so genannten Matrikel - heute würde man sie wohl als Statistik bezeichnen. "Die älteren Matrikel des Bisthums Freysing" wurden 1849 und 1850 vom Dompropst Martin von Deutinger in drei Bänden herausgegeben. In seiner Einleitung verweist er auf die erste Bistumsgeschichte von Carl Meichelbeck von Benediktbeuren aus dem Jahr 1724 und auf eine tabellarische Beschreibung des Bistums aus dem Jahr 1820, die den Ist-Stand der Diözesen im neuen Bayern nach der Säkularisation und dem Ende des Alten Reiches wiedergibt. Da Meichelbeck nur die Geschichte des Hochstiftes beschreibt und in der Aufstellung von 1820 die Frühzeit fehlt, stellt Deutinger nun eben diese frühen Quellen vor: die Conradinische Matrikel von 1315, die Sunderdorfersche Matrikel von 1524, zwei Matrikeln aus dem 16. und 17. Jahrhundert und die Schmidtische Matrikel von 1738/1740. Auf ihnen basieren im Wesentlichen die Kenntnisse über Geschichte und Entwicklung unseres Dekanates.

Für die Geschichte des Dekanates ist eine Institution von herausragender Bedeutung:
Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld.


1271 war die Pfarrei Pfaffing mit den Filialen Bruck, Zell, Geising und Biburg der acht Jahre zuvor gegründeten Sühnestiftung Herzog Ludwigs des Strengen inkorporiert worden. Für die Pfarrei, in deren Sprengel sich ein Kloster befand, ist dieser Vorgang nichts Ungewöhnliches.

1314 wurde die Pfarrei Jesenwang mit den Filialen Puch, Babenried, Aich und Bergkirchen an Fürstenfeld übertragen, 1356 folgte Gilching mit Holzhausen, Argelsried und Sparrenfluck (St. Gilgen), 1322 die Burg Wildenroth mit dem Patronat über Höfen mit Kottalting, Kottgeisering, St. Nikolaus zu Wildenroth und St. Georg zu Mauern und 1474 Emmering mit Esting und Olching sowie der Kapelle St. Nikolaus bei der Burg Gegenpoint und der Kapelle zu Wildenroth. 1414 kam St. Willibald bei Jesenwang dazu, 1440 St. Leonhard im Markt Bruck.

Einen weiteren Markstein in der Geschichte unserer Diözese bildet die große Bistumsvisitation im Jahr 1560, die auf Beschluss der Kirchenprovinz Salzburg als Generalvisitation in Zusammenarbeit von Herzog und Bischöfen durchgeführt wurde. Vom 14. bis 16. September 1560 wurden das Kloster Fürstenfeld und das Dekanat Sulzemoos visitiert.

Das Dekanat Sulzemoos bestand aus den Pfarreien Sulzemoos, Günzlhofen, Bruck, Aufkirchen an der Maisach, Egenhofen, Jesenwang, Mammendorf, Einsbach, Hoflach/Kottalting, Egenburg, Emmering, Pfaffenhofen an der Glonn, Wenigmünchen, Maisach, Grunertshofen, Arnbach, Malching, Walkertshofen, Rottbach, Oberroth, Weikertshofen, Schwabhausen, Welshofen und Ebertshausen.

Ein für die Kirchengeschichte unseres Landes einschneidendes und tiefgreifendes Ereignis ist die Säkularisation von 1802/1803 - die Aufhebung der geistlichen Fürstentümer und damit die Beeinträchtigung der diözesanen Strukturen sowie die Aufhebung der Klöster. Das Vermögen der Klöster und das Pfründevermögen der Klosterpfarreien gingen an den Staat. Mit einer Instruktion vom 27. August 1804 wurde die Neuorganisation der früheren Klosterpfarreien mit fester Besoldung des Pfarrers eingeleitet.

Die 24 Pfarreien des Dekanates, die über die Jahrhunderte im gleichen Dekanatsverband verblieben waren, wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts neu zugeordnet: 1871 kamen Arnbach, Oberroth, Schwabhausen, Walkertshofen und Welshofen zum Dekanat Sittenbach.

Mit dem zunehmenden Wachstum Münchens und der näheren Umgebung wurde ab Beginn des 20. Jahrhunderts die Pfarrorganisation in größerem Maße ausgebaut, vor allem unter Kardinal Faulhaber. Aus den ursprünglich 18 Dekanaten wurden 36, dazu kamen drei Stadtkommissariate (München, Freising, Landshut).

In unserem Dekanat wurden Filiane wie Olching (1909) und Esting (1946) zu selbstständigen Pfarreien erhoben oder die Gründung neuer Pfarreien in die Wege gleitet: 1921 Aich als Expositur, 1924 Eichenau, 1923 Germering, Gröbenzell, Hattenhofen und Überacker, 1934 Puchheim-Bahnhof.

1924 gab es zwei Dekanate: Egenhofen und Fürstenfeldbruck. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden mehrere neuer Kirchenbauten, u.a. 1958 für Germerswang ein Erweiterungsbau, 1960 in Neugermering mit St. Cäcilia ebenso wie 1964 in Gernlinden mit Bruder Konrad ein Neubau. 1964 wurde St. Bernhard in Fürstenfeldbruck geweiht.

1968 entstanden unter Erzbischof Julius Kardinal Döpfner drei Seelsorgsregionen. Die Dekanate Egenhofen und Fürstenfeldbruck kamen zur Region Nord. Bischofsvikar war hier ab 1968 Johannes Neuhäusler, ihm folgte 1972 Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen und 1994 Bernhard Haßlberger.

1973 wurden die Dekanate noch einmal neu gegliedert. Anlass war die politische Neuordnung der bayerischen Landkreise von 1972. Der Grundsatz war dabei: Dekanatsgrenzen sollen Landkreisgrenzen nicht überschreiten. Am 1. Januar 1973 wurde u.a. das Dekanat Egenhofen aufgelöst und Fürstenfeldbruck und Indersdorf zugeschlagen.

Das heutige Dekanat Fürstenfeldbruck hat 26 Pfarreien, 1 Pfarrkuratie, 3 Kuratien, 62 Kirchen und sieben Pfarrverbände: Aufkirchen-Egenhofen, Eichenau-Alling, Grafrath, Günzlhofen-Hattenhofen, Maisach, Mammendorf und Puchheim-Bahnhof/-Ort. Am 11. Dezember 2011 wird der Pfarrverband Fürstenfeld mit den Pfarreien von Fürstenfeldbruck, Emmering und Pfaffing-Biburg errichtet.

(Stand 2011)