Entstehung und Entwicklung des Berufes

Wie alles begann

Den Seelsorgsberuf Pastoralreferent gibt es in der Römisch–Katholischen Kirche der deutschsprachigen Länder seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. In der Erzdiözese München und Freising verbinden sich mit den Anfängen dieses Berufes die Namen von Julius Kardinal Döpfner, Weihbischof Ernst Tewes und dem damaligen Generalvikar Dr. Gerhard Gruber. Am 30. September 1969 beschloss die Ordinariatskonferenz, mit dem Einsatz von Laientheologen in der Gemeindeseelsorge zu beginnen. Zwei Jahre später erhielten sieben Männer von Kardinal Döpfner in einer Eucharistiefeier die kirchliche Sendung als Pastoralassistenten.

Handelte es sich zunächst noch um ehemalige Priesteramtskandidaten, die eine berufliche Perspektive in der Seelsorge erhielten, so nahmen schon bald Männer und auch Frauen das Theologiestudium mit dem dezidierten Berufsziel Pastoralreferent/in auf. Im Jahr 1977, wurde dann durch Josef Kardinal Ratzinger die erste Frau ausgesandt. Auch viele andere Diözesen Deutschlands stellten Anfang der 70er Jahre die ersten Pastoralassistenten und Pastoralassistentinnen an.
Das II. Vatikanische Konzil (1962 – 1965) als Grundlage und Wegbereiter

„Zum neuen Gottesvolk werden alle Menschen gerufen. Darum muss dieses Volk eines und ein einziges bleiben und sich über die ganze Welt und durch alle Zeiten hin ausbreiten.“ (Das II. Vatikanische Konzil über die Kirche, LG 13)

Grundlage und Wegbereiter für diesen relativ jungen Beruf in der Katholischen Kirche war das II. Vatikanische Konzil (1962 – 1965). Das Konzil beschreibt in der dogmatischen Konstitution über die Kirche, „Lumen Gentium“ (LG), Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, die aufgrund von Taufe und Firmung Volk Gottes sind. Das griechische Wort für „Volk“ (Gottes) heißt „laós“. Davon leitet sich der Begriff „Laie“ ab. Laie bedeutet von daher im kirchlichen Kontext die Ehrenbezeichnung, zum Volk Gottes zu gehören und auf eigene Weise am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi teilzuhaben.

Aus dem Volk Gottes und als klares Gegenüber zum Volk Gottes beschreibt das II. Vatikanische Konzil das hierarchische Amt in der dreigliedrigen Ausfaltung von Bischof, Priester und Diakon. Dieses hierarchische Amt wird ergänzt durch das Laienapostolat, was soviel heißt, dass allen Laien eine eigene Sendung und ein eigener Auftrag zur Mitarbeit am Aufbau der Kirche zugesagt wird. Darüber hinaus können einzelne Laien „zur unmittelbaren Mitarbeit mit dem Apostolat der Hierarchie berufen werden… Außerdem haben sie die Befähigung dazu, von der Hierarchie zu gewissen kirchlichen Ämtern herangezogen zu werden, die geistlichen Zielen dienen“ (LG 33). Pastoralreferenten/innen sind also auf Grundlage des Laienapostolates hauptberufliche Seelsorger/innen, die jedoch in bestimmten Grenzen auch an Aufgaben des kirchlichen Amtes mitarbeiten.
Die Würzburger Synode (1971-1975) zu den neue Laienseelsorgsberufen

„Die Laien erfüllen ihre Sendung in fundamentaler Weise dadurch, dass sie durch das Leben und Wirken in ihrem jeweiligen Lebensbereich Zeugnis für ihren Glauben ablegen.“ (Würzburger Synode, Die pastoralen Dienste in der Gemeinde 3.1.2)

Im Anschluss an das Konzil trat von 1971 bis 1975 die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland in Würzburg zusammen. Diese Kirchenversammlung bildete in einem stimmigen Verhältnis von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laienvertretern die Katholische Kirche in Deutschland ab. In dem Synodenbeschluss „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“ wurde unterschieden zwischen der jedem Christen durch Taufe und Firmung vermittelten Sendung und den Laien im pastoralen Dienst. In den neuen Seelsorgsberufen „nehmen Laien, von den Bischöfen ausdrücklich beauftragt, in bestimmten Sachbereichen am amtlichen Auftrag der Kirche teil.“ (3.1.2)

Als Einsatzfelder wurden Sachbereiche der Gemeindeseelsorge, aber auch der Einsatz auf Ebene von Dekanat, Region und Diözese genannt. Daneben formulierte die Synode auch einen ersten einheitlichen Rahmen z.B. für die Ausbildung und das geistliche Leben von Laien im pastoralen Dienst.
Die Profilierung des Berufes

„'Pastoralreferent/Pastoralreferentin' bezeichnet einen hauptberuflichen pastoralen Dienst, der Männern und Frauen offen steht.“ (Rahmenstatut 1987, 1.1)

Das Anliegen einer einheitlichen Profilierung des Berufes Pastoralreferent/in setzten die deutschen Bischöfe mit der ersten Fassung des sog. „Rahmenstatut für Pastoralreferenten(innen) in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland“ von 1978 und der „Rahmenordnung für die Ausbildung, Berufseinführung und Fortbildung von Pastoralreferenten“ von 1979 fort. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten deutschlandweit bereits über 200 Pastoralreferenten/innen im kirchlichen Dienst. Auf Grundlage der Erfahrungen mit diesen beiden Papieren erfolgte 1987 eine Überarbeitung. Diese Fassung vom 10. März 1987 wurde ersetzt durch die "Rahmenstatuten und -ordnungen für Gemeinde- und Pastoral-Referenten/Referentinnen" vom 1. Oktober 2011.

"Frauen und Männer, die aufgrund ihrer theologischen bzw. religionspädagogischen Ausbildung und ihrer Beauftragung hauptberuflich in der Pastoral tätig werden, haben vor allem die Aufgabe, die vielfältigen Dienste der Gläubigen zu unterstützen und zu fördern. Sie tragen gemeinsam mit allen Gläubigen die Grundvollzüge der Kirche mit und können bei bestimmten Aufgaben am Dienst des Priesters mitwirken" (Rahmenstatuten 2011, 1.3.2.). Die Beauftragung fächert sich in verschiedene Sachgebiete auf, wie z.B. Aufbau und Begleitung von Gruppen, Vermittlung zwischen Verkündigung und konkreten Lebenssituationen, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Verbandsarbeit, schulischer Religionsunterricht, persönliche Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Liturgie und Diakonie.
Kooperative Pastoral: Leitbild der Zusammenarbeit aller an Seelsorge Beteiligten

„Das Wesen der Kirche als Communio (Gemeinschaft) erfordert eine Kooperative Pastoral“ (Die deutschen Bischöfe, Der Pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde 10)

So hat sich bis heute die Seelsorge in den meisten Diözesen in ein Zusammenspiel von vier Seelsorgsberufen ausdifferenziert: Priester und Diakone als Ausfaltung des kirchlichen Amtes; Pastoralreferenten/innen und Gemeindereferenten/innen als Laien mit bischöflicher Beauftragung.

Gleichzeitig darf nicht die vom Konzil formulierte Sendung aller Laien vergessen werden, mit ihren vom Heiligen Geist geschenkten Charismen (Begabungen) das Leben und die Seelsorge der Pfarrgemeinden mitzutragen.

Das Zusammenwirken aller an der Seelsorge Beteiligten folgt dabei dem Leitbild der Kooperativen Pastoral, deren Grundlinien für das Erzbistum München und Freising im “Personalplan 2010” sinngemäß folgendermaßen dargestellt sind: Ausgangspunkt ist der Grundauftrag von Kirche wie ihn das II. Vatikanische Konzil formuliert, nämlich „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen gentium 1) zu sein. Der Dienst an dieser Einheit erfordert, dass alle an der Seelsorge Beteiligten, Laien und Kleriker, Ehrenamtliche und Hauptamtliche, ihre Zusammenarbeit von dieser Communio her verstehen.
Gemeinsame Grundlinien für die Ausbildung in Deutschland

Die „historische Aufgabe“ der Pastoralrefenten/innen ist „die Realisierung von Kirche im Kontext gesellschaftlicher Pluralität.“ (Berufsprofil-Leitfaden der KMA)

Die KMA (Konferenz der Mentoren / innen und Ausbildungsleiter / innen für Pastoralreferenten/innen in den Diözesen Deutschlands) führte schließlich die großen Linien des Rahmenstatuts der Deutschen Bischöfe und ein gewachsenes gemeinsames Berufsverständnis in einen deutschlandweiten Konsens für die Ausbildung von Pastoralreferenten/innen über.

Der erste Schritt wurde auf der Jahrestagung der KMA 1999 in Passau mit der Verabschiedung eines Kompetenz-Leitfadens vollzogen. Das Papier beschreibt die gemeinsamen Ziele für die Ausbildung und gliedert die Fähigkeiten, die angehende Pastoralreferenten/innen entwickeln sollen, in einen personal-sozialen, spirituellen, theologischen, praktischen und institutionellen Kompetenzbereich.
Der zweite Schritt folgte auf der Jahrestagung 2004 in Freiburg mit der Verabschiedung eines Berufsprofil-Leitfadens. Dieser legt bei aller Unterschiedenheit des Berufes in den Einzeldiözesen deutschlandweit einheitliche Grundlinien vor und dient den Ausbildungsverantwortlichen dazu, sich der Essentials des Berufes zu vergewissern.

Das Berufsprofil wird aus der sakramentalen Bestimmung von Kirche im Vaticanum II entwickelt. Dem ordinierten Amt kommt die Aufgabe zu, das Leben der Kirche aus Jesus Christus sakramental zu vergegenwärtigen. Hauptamtliche Laien im pastoralen Dienst tragen demgegenüber Sorge dafür, dass das in Christus Geschenkte im konkreten Leben der Menschen und der Kirche angeeignet und intensiviert werden kann. Pastoralreferenten/innen tun dies als akademisch ausgebildete Theologen/innen, indem sie christliche Werte in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen, Menschen seelsorglich, spirituell und katechetisch begleiten, Gottesdienste gestalten und neue Feierformen entwickeln, Anwaltschaft für Benachteiligte übernehmen, Charismen bei Menschen entdecken, gemeindliche Kommunikation weiterentwickeln und neue Glaubensräume in unserer heutigen Welt fördern.
Unterschiedliche Entwicklungen des jungen Berufes

Was den Einsatz von Pastoralreferenten/innen betrifft, gab es in den verschiedenen Diözesen unterschiedliche Entwicklungen. So arbeiteten etwa in den Diözesen München und Freising, Rottenburg-Stuttgart, Limburg oder Speyer Pastoralreferenten/innen primär in Pfarrgemeinden mit und konnten alle Aufgaben übernehmen, die nicht die sakramentale Weihe zur Voraussetzung hatten.

Demgegenüber setzten die Diözesen Aachen, Münster und Trier ihre Pastoralreferenten/innen für spezielle pastorale Aufgaben in Dekanaten und in den damals neu entstehenden Pfarrverbänden ein. Aufgrund unterschiedlicher Richtungsentscheidungen in der Anfangszeit gibt es bis heute verschiedene Schwerpunktsetzungen und Ausdifferenzierungen des Berufes in den einzelnen Diözesen des deutschsprachigen Raumes.
Der Beruf Pastoralreferent/in heute: nicht notwendig aber unverzichtbar

Auch wenn im Laufe der mehr als 35 Jahre seines Bestehens der Beruf Pastoralreferent/in eine im Großen und Ganzen einheitliche Gestalt gefunden hat, sind bis heute wichtige Fragen offen geblieben. In erster Linie bedarf es einer stimmigen theologischen Beschreibung der Stellung von Pastoralrefenten/innen in der Kirche: Wie genau verhält sich dieser hauptamtliche Seelsorgsberuf zum allgemeinen Apostolat der Laien und zum hierarchischen Amt? Wie sieht das Profil von Kompetenzen und Aufgaben bei Pastoralreferenten/innen im Vergleich zu Priestern, Diakonen und Gemeindereferenten/innen aus? Darüber hinaus wird natürlich über vieles andere diskutiert, wie z.B. über Einsatzebene, Qualifizierung oder Bezahlung.

Diese offenen Fragen begleiteten die Entwicklung des Berufes und führten immer wieder zu heftigen Diskussionen, aber auch zu Klärung und stärkerer Profilierung. In den meisten Diözesen fanden die Pastoralreferenten/innen einen festen Platz im Konzert der vier Seelsorgsberufe. So konnten junge Frauen und Männer im Großen und Ganzen mit der Gewissheit ihre Ausbildung aufnehmen, als Seelsorger/innen gebraucht zu werden und auf eine erfüllende berufliche Aufgabe zuzugehen.
Diese Gewissheit wurde erst in den letzen Jahren erschüttert, als mehrere Bistümer in Deutschland entschieden, keine Pastoralreferenten/innen mehr anzustellen und daher auch nicht mehr auszubilden. Begründet wurde dieser Schritt mit Sparzwängen als Folge von Kirchensteuerausfällen. Wie es mit dem Beruf weiter geht, lässt sich derzeit nicht voraussagen.

Dennoch lässt sich angesichts und gerade wegen der derzeitigen Krise bilanzieren: Der Beruf Pastoralreferent/in hat sich bewährt. Er ist für den Bestand der Kirche sicher nicht notwendig aber dennoch unverzichtbar. Denn in einer Situation des Umbruchs von der sog. Volkskirche hin zu einer neuen Gestalt von Kirche braucht es Theologen/innen, die diesen Prozess begleiten und aktiv mitgestalten. Und in einer sich immer neu ausdifferenzierenden pluralen Gesellschaft braucht es kirchliche Gesprächspartner/innen, die in den Dialog mit allen treten, die gesellschaftliches und kulturelles Leben mitprägen.
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Kurzübersicht

1962 - 1965
II. Vatikaisches Konzil
hierachisches Amt wird durch Laienapostolat ergänzt, wird Grundlage und Wegbereiter für den späteren Beruf

30.09.1969
Ordinariatskonferenz München und Freising
Beschluss über den Einsatz von Laientheologen in den Gemeindeseelsorge

1971
Erzdiözese München und Freising
Aussendung der ersten Pastoralreferenten

1971 - 1975
Würzburger Synode
Schaffung eines neuen Seelsorgsberuf v.a. in der Gemeindeseelsorge

1976
Aussendung der ersten Pastoralreferentin

1978
deutsche Bischöfe
Verfassen des ersten "Rahmenstatuts für Pastoralreferenten /innen in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland"

1979
deutsche Bischöfe
Erlass der "Rahmenordnung für die Ausbildung, Berufseinführung und Fortbildung von Pastoralreferenten"

1987
deutsche Bischöfe
Überarbeitung der Papiere nach den ersten Erfahungen in der Praxis

1999
Konferenz der Mentoren /innen und Ausbildungsleiter /innen für Pastoralreferenten /innen in den Diözesen Deutschlands (KMA)
Verabschiedung eines Kompetenz-Leitfadens

2004
Konferenz der Mentoren /innen und Ausbildungsleiter /innen für Pastoralreferenten /innen in den Diözesen Deutschlands (KMA)
Verabschiedung eines Berufsprofil-Leitfadens

2011
Erzdiözese München und Freising
40-jähriges Jubiläum des Berufs der Pastoralreferenten in der Erzdiözese München und Freising