Die Insignien des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx

Insignien werden alle Zeichen genannt, die den liturgischen Stand kennzeichnen. Der Begriff Insignie kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Auszeichnung.

Bischofsinsignien

Die Kathedra
Die Kathedra
Die Kathedra, der Bischofsstuhl (latinisiert „Cáthedra“ [auf der ersten Silbe betont] von griech.: he cathédra: der Sitz, der Stuhl) gibt der Bischofskirche den Namen „Kathedrale“. Die Kathedra hat ihr Vorbild im antiken Lehr- und Richterstuhl – nicht etwa im Thron eines Monarchen. Sie ist ein „liturgischer Ort“ und damit – wie der Altar und der Ambo (der erhöhte Ort für die Verkündigung der Heiligen Schrift) – ein Zeichen besonderer Christusgegenwart. Die Kathedra ist das Zeichen der Hirtensorge Christi. Sie ist das älteste und bedeutendste bischöfliche Symbol, weit älter als Stab und Mitra. Auf ihr sitzt nur der Diözesanbischof, alle anderen Bischöfe müssen einen anderen Platz einnehmen, es sei denn, der Diözesanbischof gibt seine ausdrückliche Erlaubnis.

Die Kathedra im Münchner Dom ist bei der umfassenden Restaurierung des Domes von 1990 bis 1993 neu geschaffen worden; eine Holzintarsienarbeit nach einem Entwurf des Kölner Künstler Elmar Hillebrand, der auch den Trierer Dom umgestaltet hat.

Bei der Amtseinführung am 2. Februar 2008 nahm Erzbischof Marx feierlich auf der Kathedra Platz, nachdem sein Vorgänger, Kardinal Friedrich Wetter, ihn dorthin geleitet hatte. Mit diesem Akt nahm Marx als Erzbischof von München und Freising von seinem Erzbistum Besitz. Seitdem muss sein Name von jedem Priester, der im Erzbistum die heilige Messe feiert, im Hochgebet genannt werden, weil der eigentliche Vorsteher der Eucharistiefeier und jeder sakramentlichen Handlung der Bischof ist.
Der Bischofsstab
Der Bischofsstab
Der Bischofstab bzw. Hirtenstab (lat.: baculus [pastoralis]) ist ein mannshoher Stab mit einer Krümme (im Gegensatz: der Kreuzstab des Papstes), den der Bischof in seiner Linken trägt (da er mit der Rechten segnet). Der Bischof trägt ihn gewöhnlich bei feierlichen Gottesdiensten, Prozessionen, wenn er das Evangelium hört und bei der Predigt; wenn er Gelübde, Versprechen und Glaubensbekenntnis entgegennimmt und bei Segnungen von Personen. Der Stab ist ein Symbol seiner Hirtentätigkeit.
Bei seiner Ordination zum Weihbischof von Paderborn hat Reinhard Marx einen für ihn angefertigten Bischofsstab erhalten, den er auch als Erzbischof von München und Freising trägt. In der Krümme ist ein Bild vom Sturm auf dem See dargestellt, wie es im Matthäus-Evangelium berichtet wird (Mt 14,28 ff): Jesus beugt sich zu dem von Angst ergriffenen Petrus und zieht ihn aus dem Wasser. Die in Silber gearbeitete Krümme des Bischofsstabes stammt von dem Bildhauer und Silberschmied Michael Winkelmann aus Möhnesee-Günne im Erzbistum Paderborn.

Erzbischof Marx interpretiert das Bild in seinem Hirtenstab als ein Mut machendes Zeichen für ihn selbst und für die Kirche:
„Oft wird heute gesagt, die Kirche befinde sich in stürmischen Zeiten, aber in gewisser Weise war das immer so. Deshalb habe ich mir für meinen Bischofsstab eine Szene aus dem Evangelium ausgesucht, die mir hilft immer wieder Kraft zu finden und den österlichen Glauben zu bezeugen.
Im Sturm kommt Jesus über den See auf die Jünger im Boot zu. Sie haben Angst. Petrus erkennt den Herrn und Jesus macht ihm Mut aus dem Boot auszusteigen und über das Wasser zu kommen. Petrus tut es, aber sein Kleinglaube und seine Ängste überwältigen ihn und er schreit: Herr, rette mich, ich gehe zugrunde! Und Jesus nimmt seine Hand und sagt: du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (vgl Mt 14,28 ff)
Dieses Bild macht mir Mut für meinen Dienst als Bischof. Ich weiß, dass in allem Sturm und auch in der Versuchung meiner Kleinmütigkeit und Kleingläubigkeit, der Herr mich mit seinen kräftigen Armen aus dem Wasser zieht. Er wird auch immer wieder gemeinsam mit uns im Boot der Kirche, im Schiff Petri, sitzen, das durch alle Stürme der Zeit sicher den Hafen des ewigen Lebens erreichen wird.“



Der Hirtenstab des Heiligen Korbinian
Hirtenstab des heiligen Korbinian
Bei der Amtseinführung in München wurde Erzbischof Marx als zeichenhafte Geste für das neue Amt der "Bischofsstab des heiligen Korbinian" überreicht. Unmittelbar nach der Verlesung des päpstlichen Ernennungsschreibens gab ihm Kardinal Friedrich Wetter den barocken in Gold und Silber gefassten Stab in die Hand. Danach benützte ihn der neue Erzbischof bereits zum Gang zur Kathedra.
Der Stab, eine Arbeit des bedeutendsten bayerischen Goldschmiedemeisters Franz Kessler aus der Zeit um 1700, gehört zum Schatz der Münchner Frauenkirche. Die Krümme des Stabs entwickelt sich vollständig aus floralen Elementen, die nach innen und außen hin zehn Knospen ausbilden und so zum Symbol der Zehn Gebote werden. Die Zahl zehn steht für Ordnung und Vollendung. In blütenähnlichen Fassungen sitzen auf beiden Seiten der Krümme sieben farbige Schmucksteine, die auf sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Sakramente oder die sieben Bitten des Vaterunsers deuten. Das Zentrum ist eine vierfaltig ausgeprägte Blütenform, die als ikonographischer Hinweis auf die vier Evangelisten gelten kann. Diverse Blatt- und Rankenmotive verweisen auf den Stab eines Hirten.
Die einem Bischof zustehenden Insignien werden Pontifikalien genannt. Dazu gehören der Bischofsstuhl (Kathedra), der gekrümmte Bischofsstab, die Mitra, der Pileolus, der Ring und das Brustkreuz. Ein Metropolit (Erzbischof) trägt darüber hinaus das Pallium.
Der Bischofsring – Annulus
Der Bischofsring ist eine wichtige bischöfliche Insignie, die dem Bischof bei seiner Weihe als erste feierlich überreicht wird. Er wird am Ringfinger der rechten Hand(Segenshand) getragen. Er wird nie abgelegt, außer am Karfreitag. Der Bischofsring ist das Zeichen der Treue des Bischofs zu seiner Braut, der Ortskirche.
Die Mitra
Die Mitra ist seit dem Mittelalter die einem Bischof (oder auch einem Abt) zukommende liturgische Kopfbedeckung, die ihn als Bischof im Gottesdienst kennzeichnet. Sie hat die Gestalt einer kegelförmigen Haube mit rückwärts herabhängenden Bändern und wird gewöhnlich auf das Scheitelkäppchen (Pileolus) gesetzt.
Die Mitra trägt der Bischof im Gottesdienst beim Einzug, wenn er sitzt, wenn er die Homilie (Predigt) hält, bei sakramentalen Handlungen, wenn er die Gesten dazu vollzieht und wenn er an Prozessionen teilnimmt (außer bei eucharistischen Prozessionen). Er trägt sie nicht beim Gebet und beim Evangelium und vor dem eucharistischen Sakrament.
Das Brustkreuz – Pektorale
Zu den bischöflichen Insignien gehört auch das Brustkreuz, das Pektorale, das aber auch nicht bei der Bischofsweihe förmlich überreicht wird. Es wird in der Messfeier heute über dem Messgewand getragen, wenn nicht – wie beim Erzbischof – das Pallium es ersetzt. Es gehört auf jeden Fall zur Chorkleidung, befestigt an der geflochtenen Schnur bzw. beim schwarzen Talar mit Schulterkragen an der Kette.

Das Pallium
Das Pallium ist die Insignie des Papstes und eines wirklichen Erzbischofs (Metropoliten). Das Pallium wird bei der feierlichen Bischofsmesse über dem Messgewand getragen. Es ist ein ringförmiger bzw. V-förmiger schmaler Wollstreifen mit kurzen Enden vorne und hinten, geschmückt mit vier schwarzen Kreuzen. Die alte Form,wie sie der Papst heute wieder trägt, ist ein breites, langes Band, das vor der Brust V-förmig gelegt wird und auf der linken Schulter vorne und hinten bis zum Gewandsaum herunterhängt und mit einer Ziernadel befestigt ist.
Bei einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom in Rom am 29. Juni 2008, dem Hochfest Peter und Paul, überreichte Papst Benedikt XVI. Erzbischof Marx und weiteren neu ernannten Erzbischöfen das Pallium. Die Pallien waren am Vorabend des Hochfestes Peter und Paul gesegnet und auf das Grab des heiligen Petrus im Petersdom gelegt worden. Sie sind somit Berührungsreliquien und zugleich Zeichen der Gemeinschaft mit dem Apostel Petrus und seinen Nachfolgern.

Kardinals- Insignien

Als Kardinal trägt Erzbischof Marx auch die Insignien dieser Würde.
Das Birett
Das rote Birett
Das rote Birett erhält ein Kardinal vom Papst bei der Kardinalserhebung. Dabei handelt es sich um eine feste, viereckige Kopfbedeckung mit drei bogenförmigen Aufsätzen. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil trug üblicherweise jeder Geistliche ein Birett.
Das Scheitelkäppchen – Pileolus - Soli Deo
Bei seiner Kardinalserhebung wurde Erzbischof Marx von Papst Benedikt XI. wie auch den anderen Kardinälen der rote Pileolus aufgesetzt. Das runde Scheitelkäppchen kann auch unter Birett oder Mitra getragen werden und wird „Soli Deo“ genannt, weil es nur vor dem Allerheiligsten und im Gottesdienst vom Sanctus bis nach der Kommunionausteilung abgenommen wird. Der Pileolus, der ursprünglich größer war und den ganzen Kopf bedeckte, sollte wahrscheinlich der Schonung der Mitra dienen. Er ist aber keine liturgische Kopfbedeckung und gehört vor allem zum Talar bzw. zur Chorkleidung. Wenn er auch keine regelrechte Insignie ist, kommt er doch nur den Kardinälen und Bischöfen zu und wird in der Farbe des Standes getragen.

Der Kardinalsring

Der Kardinalsring
Zu den Insignien eines Kardinals gehört außerdem der Kardinalsring, der den neuen Kardinälen vom Papst überreicht wird. Er symbolisiert die Verbundenheit mit der Kirche. Der Kardinal kann selbst wählen, wann er den Bischofsring und wann den Kardinalsring trägt.
Kardinalspurpur
Seit seiner Erhebung zum Kardinal hat Erzbischof Marx auch das Recht, den Kardinalspurpur zu tragen. Die leuchtendrote Farbe symbolisiert die Treue des Trägers zum Papst und zu seiner Kirche, die er notfalls bis auf das Blut verteidigen wird. Die Farbe Rot unterscheidet einen Kardinal auch von einem Bischof, der die Farbe Violett trägt. Die Alltagskleidung des Kardinals ist die Soutane, ein tailliert geschnittenes, bodenlanges Gewand mit langen Ärmeln. Sie wird aus rotem oder schwarzem Stoff gefertigt und besitzt rote Knöpfe, Knopflöcher und Verzierungen. Der Kardinal trägt dazu ein breites rotes Zingulum als Gürtel.
Titelkirche
Da das Kardinalskollegium ursprünglich nur aus dem Klerus von Rom bestand, wird noch heute jedem Kardinal eine Titelkirche in Rom zugeordnet. Über diese und die zugehörige Pfarrei übt der Kardinal zwar keine Leitungsgewalt, aber eine beratende Schirmherrschaft aus. Er besucht die Kirche, wenn er in Rom ist, und trägt auch zu ihrem Unterhalt bei. Nach seiner Erhebung nimmt der Kardinal seine Titelkirche im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Besitz.
Fotos: Florian Treitner