Erste Hilfe bei sexuellem Missbrauch - Schritte und Haltungen für den Umgang mit Opfern

Menschen, die mit dem Thema "sexuelle Gewalt" konfrontiert werden, fühlen sich oft hilflos. Es bestehen nicht nur Unsicherheiten, was zu tun ist, sondern auch Angst vor Konsequenzen der "Einmischung" und vor allem Hemmungen, die sexuellen Missbrauchshandlungen anzusprechen.
Die erste Frage, die sich Opfer und Opferbetreuer in einer akuten Missbrauchssituation stellen müssen, ist, wie man den weiteren Zugriff des Täters umgehend beenden kann!

Vorüberlegungen des Opferbetreuers
Sie haben es bei Missbrauch mit einer Grenzverletzung zu tun, die auch Ihre eigenen Grenzen berüht - deshalb einige Hinweise:

•Behalten Sie Ruhe.
•Fassen Sie keine vorschnellen Gedankenschlüsse, entschleunigen Sie und handeln Sie bedacht.
•Informieren Sie sich, damit Sie sich orientieren können.
•Sorgen Sie für Stabilisierung.
•Suchen Sie Unterstützung.
•Besinnen Sie sich auf tragfähige Kontakte und Fachleute.
•Erinnern Sie sich an Ihre Ressourcen und nutzen Sie diese.

Im persönlichen Gespräch mit dem Opfer:

•Seien Sie vorsichtig und unaufgeregt, bewahren Sie Ruhe.
•Zeigen Sie weder Entsetzen, Erschrecken noch Empörtsein.
•Stärken Sie das Vertrauen, das das Opfer Ihnen entgegenbringt, vermitteln Sie Sicherheit.
•Erkennen Sie unbedingt die Grenzen des Körperkontaktes, respektieren Sie diese und halten sie ein.
•Schenken Sie dem Menschen, der sich an Sie wendet, vertrauensvolle Ruhe und Geborgenheit, lassen Sie ihm die Zeit, die er benötigt.
•Nehmen Sie das Opfer ernst.
•Drängen Sie nicht zu Anworten und fragen Sie nicht aus. Lassen Sie erzählen.
•Stellen Sie keine Zweifels- oder Kontrollfragen - glauben Sie "Unglaubliches" und bleiben dabei ruhig.
•Versuchen Sie nicht, etwas zu erklären.
•Überlassen Sie Raum und Tempo dem Opfer.
•Machen Sie dem Opfer keine Vorhaltungen, dass es nicht sofort von dem Missbrauch erzählt hat.
•Bestätigen Sie die Wahrnehmung des Opfers und benennen Sie klar Unrecht.
•Geben Sie die Schuld dorthin, wo sie hingehört: zum Täter.
•Überlegen Sie gemeinsam mit dem Opfer den nächsten Schritt.
•Rechnen Sie damit, dass Sie die Täterin oder den Täter kennen, stellen Sie ihn aber nicht als Erstes zur Rede.
•Wenden Sie sich an Fachleute.