Kirchenbaukunst im Erzbistum

Das Erzbistum München und Freising, so heißt es seit 1821, umfaßt zwischen Landshut, Garmisch und Reichenhall zwei Drittel von Oberbayern und die Hauptstadt Niederbayerns. Sein altes Zentrum ist die Bischofsstadt Freising an der Isar. Sie war seit 739 Sitz eines Bischofs, der im Mittelalter auch zum Landesherrn wurde, und einen Kirchenstaat mitten im Herzogtum Bayern regierte.
In Konkurrenz zur alten Bischofsstadt Freising gründeten die Bayerischen Herzöge andere Städte, München 1158, Landshut 1204, Erding, Rosenheim, Wasserburg und andere. Die Kirchen dieses Landes waren und sind Zentren der Kunst durch ihre oft landschaftsprägende Architektur und ihre reiche künstlerische Ausstattung. Die fruchtbarste Epoche war für unser Gebiet der Barock zwischen 1600 und 1800, vor allem aber das 18. Jahrhundert. Viele Kirchen wurden damals neu erbaut, viele alte neu ausgestaltet, z. B. der romanische Freisinger Dom durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam 1723 -1725, aber auch die Münchner Peterskirche und viele Landkirchen.

Eine besondere Rolle bei der Kultivierung des Landes und seiner Kunst spielten die alten Klöster, Tegernsee, Rott am Inn, Berchtesgaden, Scheyern, Schäftlarn, Ebersberg, Seeon, Weyarn, Frauenchiemsee und andere. Im Südwesten zwischen Ammersee und Gebirge lagen besonders viele Klöster, von denen aus noch zahlreiche Landkirchen betreut wurden. Das Gebiet heißt darum Pfaffenwinkel. Von seinen schönsten Kirchen liegen einige im benachbarten Bistum Augsburg (Andechs, Steingaden, die Wies, Polling, Benediktbeuren). Zu unserem Erzbistum gehören Ettal, Garmisch, Mittenwald, Oberammergau, Rottenbuch, Peißenberg.
Ähnlich reich an Kunstschätzen wie der Pfaffenwinkel ist der Rupertiwinkel, das Gebiet zwischen Inn und Salzach, das bis 1817 zum Erzbistum Salzburg gehörte, dessen Patron der hl. Rupert ist. Von Frauenchiemsee, über Urschalling, Schleching, Höglwörth, Berchtesgaden, Reichenhall umfaßt er ebenso viele landschaftliche, wie künstlerische Schönheiten in unseren Kirchen.
Im Norden hat sich vor allem in und um Landshut, in Moosburg, Jenkofen, Gelbersdorf, mehr an Raumkunst und Skulptur der Gotik erhalten.
Die Herzogs- und spätere Königsstadt München ist die Stadt der Turmpaare. Die bedeutenden Kirchen Münchens ,wie St. Peter, die Frauenkirche, Theatinerkirche, die Ludwigskirche,
St. Michael - Berg am Laim weisen alle eine Zweiturmfront auf, die mit einem besonderen Anspruch verbunden ist. Spätgotischer Kirchenkunst begegnet man am reinsten in der Schloßkapelle von Blutenburg (im Westen der Stadt), das Rokoko in seiner Vollendung, in St. Michael in Berg am Laim (im Osten).
Die Türme und Kuppeln der Münchner Kirchen sind ein anschauliches Zeichen der Mediterranisierung des katholischen Bayern, Zeichen des engen Anschlusses an die Kultur von Rom, Venedig, Florenz, Bologna. Die Lebensqualität in Bayern ist durch sie bis heute geprägt.

Der Kirchenbau, von dem der Barock in ganz Deutschland ausging, ist die Jesuitenkirche St. Michael im historischen Stadtzentrum. Sie ist die erste große Kirche nördlich der Alpen mit einer im Stil der Renaissance ausgebildeten Fassade und einem überwölbten Saalraum, während bis dahin alle größeren Kirchen in mehrere Schiffe geteilt waren.
Im 19. Jahrhundert wuchs München über seine damaligen Stadtmauern hinaus. In Vorstädten entstanden große Kirchen im Stil der Neugotik zum Beispiel St. Paul an der Theresienwiese und der Neuromanik in St. Anna, Lechel und andere.

Im 20. Jahrhundert wurden im Großraum von München über 100 Pfarrkirchen errichtet. Von ihrer Architektur her, sind die bedeutendsten St. Laurentius in Gern, St. Johann Capistran in Bogenhausen und Herz Jesu in Neuhausen.

Ein Ort an dem man die ganze Kunst des Erzbistums vom frühen Mittelalter bis heute erleben kann, ist das Diözesanmuseum auf dem Domberg in Freising, das auch regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Künstler zeigt.