Geschichte des Kirchlichen Zentrums

Die Geschichte weiß zu berichten, dass das Preysingschloss samt Garten 1828 von dem Münchner Handelsmann Kaut erworben und nach Veräußerung einiger Gartenanteile 1840 an den Orden der Frauen vom Guten Hirten verkauft wurde, der sich schon seit Jahren um eine erste Neugründung in Deutschland bemüht hatte. König Ludwig I. fördert die Ansiedlung des Frauenordens in München, der sich einer sozialen Aufgabe widmet, nämlich der Rettung und Erziehung gefährdeter Mädchen und Frauen; er „wollte pflegen und erhalten, was gut, zurecht leiten, was in Gefahr, und bessern, was verirrt oder sittlich zu Schaden gekommen war“. Mit Cabinettsorder vom 06. November 1839 wird die Einführung des Ordens in Bayern genehmigt.

Die Ansiedlung des Ordens der Frauen vom Guten Hirten hatte für Haidhausen, die Stadt, ja für ganz Deutschland noch eine Bereicherung besonderer Art gebracht. Am 1. Mai 1841 feierten drei Klosterfrauen in Klausur die erste Maiandacht auf deutschem Boden.

Nach der Umsiedlung des Ordens im Jahre 1965 in den Münchner Süden wurde vier Jahre später ein über 14.000 qm großes Grundstück aus dem einstigen Klosterareal herausgelöst und im Tausch gegen ein anderes Gelände vom Erzbischöflichen Ordinariat für die Anlage des 1971 der Öffentlichkeit übergebenen „Hypo-Parks“ an der Elsässer-Straße zur Verfügung gestellt. Damals hatte das Erzbischöfliche Ordinariat das gesamte Klosterareal in Haidhausen aufgekauft mit dem Ziel, hier ein „Katholisches Zentrum“ zu errichten und die Tradition der Bildung und Ausbildung junger Menschen fortzusetzen. Um dies zu erreichen, musste die im Laufe von 125 Jahren extrem verdichtete Bausubstanz aufgelockert, d.h. ein Teil der Bauten abgebrochen oder modernisiert bzw. durch Neubauten ersetzt werden.

1908 hatten die Ordensfrauen ein Fürsorgeheim für 180 Zöglinge errichtet, das nach ihrem Umzug 1965 renoviert und seit 1967 als Schulgebäude des Edith-Stein-Gymnasiums genutzt wird. Wieder waren es Ordensfrauen, diesmal die Dominikanerinnen von Niederviehbach, die auf dem einstigen Schlossgelände wohnten, um Mädchen zum Abitur zu führen. Im Jahre 2003 zog das Mutterhaus in Niederviehbach (Niederbayern) ihre Ordensfrauen ganz zurück. Damit war eine Ära von 160 Jahren Ordensleben auf diesem Haidhauser Areal zu Ende gegangen, wo sich Hunderte von Klosterfrauen um die Erziehung und Bildung junger Mädchen und Frauen gesorgt haben.

Die Tradition aber, im Dienste junger Menschen tätig zu sein, wird durch die heute bestehenden Bildungseinrichtungen und dem Erzbischöflichen Jugendamt fortgeführt an einem Standort, der trotz studentischer Betriebsamkeit noch etwas von der klösterlichen Stille und Abgeschiedenheit früherer Zeiten erahnen und erspüren lässt.

(entnommen aus dem Bericht von Johann Baier in der Chronik des Erzbischöflichen Jugendamts, 2005)