Der Münchner Liebfrauendom handgreiflich

Weihbischof Engelbert Siebler hält einen Domführer unter dem Arm, rechts von ihm steht Frau Rosa Weiß-Gschwendner, links Frau Annette Pavkovic. Sie hat das Buch aufgeschlagen.
Bericht der Pressestelle des Erzb. Ordinariates

Blinde ertasten den Münchner Dom
Weihbischof Siebler präsentiert neuen Führer für Sehbehinderte

Gottesdienst, Führungen und Orgelkonzert zur Vorstellung des Buches

Sehbehinderte und blinde Menschen können den Münchner Liebfrauendom mit einem eigens gestalteten Führer ertasten. Das Buch in Braille- und Schwarzschrift sowie mit Reliefdrucken wurde mit einem umfangreichen Programm im Dom vorgestellt. Zahlreiche Gruppen sehbehinderter, blinder und taubblinder Menschen, aber auch Kindergartengruppen und Schulklassen aus München und der Region kamen dazu in die Frauenkirche. Dompropst Weihbischof Engelbert Siebler feierte mit ihnen einen feierlichen Gottesdienst, der von blinden Musikern musikalisch gestaltet wurde. Am Nachmittag wurden Führungen durch die Frauenkirche angeboten für Sehbehinderte, Blinde und Taubblinde, für Sehende mit Augenbinde sowie für Gehörlose mit Gebärdendolmetscher. Bartholomäus Prankl schloss das Programm mit einem Orgelkonzert ab.

„Die Münchner Frauenkirche, ursprünglich als Bürgerkirche gebaut, wird damit noch ein Stück barrierefreier, in dem sie sich den Besucherinnen und Besuchern erschließt, die ihre Gestalt und ihre Kunstwerke nicht oder nur schwer erkennen können“, betonte Weihbischof Siebler bei der Präsentation des Führers. Dem Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, und dem Metropolitankapitel sei es ein wichtiges Anliegen, den blinden und sehbehinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Liebfrauendom „fühlbar und tastbar“ nahe zu bringen. Martin Schopp, Leiter des Fachbereichs Soziale Aufgaben und besondere Seelsorgsbereiche im Erzbischöflichen Ordinariat, unter dessen Federführung der Führer erstellt wurde, bezeichnete das Buch als „weiteren Baustein auf dem Weg zu einer inklusiven Kirche, in der alle Menschen einen Platz haben und sich angenommen fühlen“.
Der Blindenführer bietet in Brailleschrift und in großformatiger Normalschrift Texte zu Architektur und Geschichte des Liebfrauendoms, sowie zu pfarrlichem Leben und Seelsorge. Sechs gut fühlbare Kunststoff-Reliefs vermitteln außerdem einen Eindruck von Grundriss und Außenansichten des Doms sowie von verschiedenen Kunstwerken: dem Chorbogenkreuz des Bildhauers Josef Henselmann von 1954, der steinernen Erlöserstatue aus der Zeit um 1320 und damit aus dem Vorgängerbau des heutigen Doms und der von einem Münchner Meister um 1520 geschaffenen hölzernen Madonna mit Kind.

Erstellt und herausgegeben wurde die Publikation vom Fachbereich Soziale Aufgaben und besondere Seelsorgsbereiche im Erzbischöflichen Ordinariat. An der Gestaltung des Buches waren auch zahlreiche Sehbehinderte und Blinde beteiligt, wie etwa die blinde Historikerin Anette Pavkovic, sowie Rosa Weiß-Gschwendtner von der Medienabteilung für Schülerinnen und Schüler mit Blindheit und Seheinschränkungen (Mediablis). Gedruckt wurde das Buch in einer Auflage von 500 Stück in der Werkstatt von Mediablis. Vor allem die Erstellung der Kunststoff-Reliefs erforderte ein aufwendiges Produktionsverfahren, für das per Hand detailgetreue Holzreliefs als Vorlage erstellt wurden. (kbr)

Hinweise:
Der Blindenführer für den Münchner Dom Zu Unserer Lieben Frau ist zum Preis von 20 Euro in der Münchner Dombuchhandlung, Frauenplatz 14 a, erhältlich sowie bei der
Seelsorge für blinde und Sehbehinderte Menschen.
Tel. 089/21 56 80 01
blindenseelsorge@eomuc.de