Generation Großeltern
ASZ Neuhausen bringt Jung und Alt zusammen

Ein Vormittag im Caritas Alten- und Service-Zentrum (ASZ) in München-Neuhausen. Draußen regnet es in Strömen. Drinnen duftet es nach Kaffee und Tee, die Mitarbeitenden der Caritas wuseln durch die Gänge und die ersten Seniorinnen und Senioren finden sich zu zwanglosen Treffen oder Kursen ein. Sieben flotte Damen jenseits der 60 sind sichtlich traurig, dass das Projekt „Großelterngespräche stärken“ in Neuhausen mit diesem Treffen zu Ende geht. Mitten unter ihnen sitzt Clivia, 18 Jahre alt und Schülerin der 12. Klasse des Adolf Weber Gymnasiums. Sie und Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler wollten im Rahmen eines von der Schule angebotenen Praxisseminars mehr über die „Generation Großeltern“ erfahren. Schulsozialarbeit und ASZ taten sich zusammen und mit Lisa Waas, Mediatorin von der Akademie Perspektivenwechsel, als Kursleiterin war das Projekt perfekt.
Seniorin und Jugendliche
Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen (Bild: imago/epd)
Erfahrungsaustausch und rege Diskussionen
„Man hat das Gefühl, dass der Respekt für Eltern und Großeltern verloren gegangen ist. Meine Kinder machen mit meinen Enkeln ständig Programm, das aber kaum Bindung zu den Eltern herstellt“, berichtet eine der Teilnehmerinnen. Eine andere verweist auf die große Spannweite und die sehr unterschiedlichen Lebenssituationen von Großeltern: „Es gibt Omas und Opas, die gar keinen Kontakt zu den Enkeln haben, welche, die kaum Zeit haben, weil sie selbst noch täglich arbeiten müssen und welche, die fast im Stress sind, weil sie wegen der Berufstätigkeit der Kinder die Enkelkinder beaufsichtigen oder gar großziehen.

„Es berührt mich sehr mit welcher Klarheit meine Tochter und mein Schwiegersohn sich um das Kind kümmern und dennoch dafür sorgen, dass sie als Paar und als Einzelpersonen nicht zu kurz kommen“, sagt jemand dazwischen.
 
Unterschiedliche Blickwinkel und Lebenssituationen
„Ich habe jetzt einen ganz anderen Blickwinkel entwickelt und kann meine Oma ein bisschen besser verstehen“, sagt Clivia. Es sei ein echter Dialog, eine Brücke zwischen Jung und Alt entstanden. Man habe sich aufrichtig zugehört und viel Nähe und Vertrauen in der Gruppe erfahren. „Durch die Gruppe habe ich auch mit meinen Kindern und Enkeln eine neue Gesprächskultur entwickelt, das hat mir sehr viel gegeben“, meint eine 67-Jährige. „Das Wort Großmutter war für mich prägend. Die große Mutter der Natur. Wir haben so viel Erfahrung. Ich stehe mit einer großen Verantwortung zu meiner Großfamilie, aber auch mit einem gebührenden Abstand. Ich darf mich auch mal abgrenzen, wenn ich keine Zeit habe“, sinniert eine 87-jährige mehrfache Groß- und Urgroßmutter. „Für mich ist ein Enkelkind eine Gottesgabe, die ich ganz anders erlebe als meine Kinder. Ich genieße es dem Kind Zeit zu schenken und finde es sehr schön, wenn ich mit diesem kleinen Mädchen zusammen sein darf“, meint eine andere Teilnehmerin.

Am Ende sind sich alle einig, dass eine positive Entwicklung der Gesellschaft auch davon abhängt, dass die Generation Großeltern sich einmischen und ihre Werte vermitteln darf.

Lernen Sie hier das Angebot des Caritas Alten- und Service-Zentrums (ASZ) Neuhausen kennen.
www.caritas-nah-am-naechsten.de/Alten-und-Service-Zentrum/Neuhausen/
 
Marion Müller-Ranetsberger