Zum Ursprung zurück finden
Exerzitien helfen, sich aus den Verstrickungen des Alltags zu lösen

Das Wort „Wellness“ ist heute in aller Munde und fast alle sind auch überzeugt, dass diese – wörtlich übersetzt – „gute Gesundheit“ für neues Wohlbefinden sorgt. In Hotels etwa oder „Wellness-Oasen“ steht dabei ausschließlich die körperliche Entspannung, das „die Seele baumeln lassen“ im Mittelpunkt. Doch ganzheitliches Wohlfühlen fängt schon im Innersten an.

„Denn das innere Bewusstwerden und die Wahrnehmung sind es, die vernachlässigt werden“, weiß Benediktinerpater Klaus Spiegel, Leiter des Exerzitien- und Gästehauses der Erzabtei St. Ottilien. Dort werden jährlich neben 150 Veranstaltungen, darunter zahlreiche meditative Kurse, auch kontemplative Exerzitien angeboten.

„Eine Woche im Wechselspiel von Selbst- und Gottesbegegnung sein, das ist der eigentliche Sinn innerer Ruhe“, erklärt der Diplomtheologe, der unter anderem eine Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse absolviert hat. Er ist einer von vier festangestellten Mönchen, die zusammen mit anderen Mitbrüdern der Erzabtei und den 23 Mitarbeitern des Exerzitienhauses die Teilnehmer durch die spirituellen Angebote begleiten.

Ziel der Exerzitien sei es, das „Mehr“ im Leben zu erfahren: Eine ganze Woche in Stille verbringen, im Wahrnehmen des eigenen Leibes und im Lauschen auf den Atem oder den „inneren Klang des Namens Jesu“ die Gedankenflut des Alltags loslassen. Innehalten und im Hier und Jetzt sein – das sei die Kunst der kontemplativen Haltung. „Im Eins werden mit sich selbst, kann mann eins mit Gott werden, sozusagen die grundlegende Wirklichkeit des Lebens erfahren, um sich aus den Verstrickungen des Lebens lösen und einfach Gott sprechen lassen zu können.

Denn der Vater weiß am besten, was wir brauchen, wie Jesus seine Jünger lehrt“, darin sieht Pater Klaus die größte Chance der Exerzitien. Es sei wichtig zu erfahren, „dass wir mehr sind als nur Adressaten und Funktionsträger“. Wir seien Träger der Gottesbotschaft und diese wolle uns ermutigen, das Leben nicht immer zu definieren, sondern tatsächlich zu leben. Dabei könne uns die kontemplative Haltung helfen, denn Exerzitien seien keine bloße Übung. Sie sollen den Menschen wieder zum Ursprung zurückführen, zum Wesentlichen, zum Leben selbst.

„Das ist der Kern unserer Arbeit. Der Mensch muss lediglich bereit sein, sich selbst und Gott zu begegnen. Wir möchten ihm die dazu nötige Hilfestellung geben“, betont der erfahrene Exerzitienbegleiter.

Patricia Hofmann für die Münchner Kirchenzeitung, MK-Spezial