Dombibliothek Freising

Bestandsgeschichte
Das Bistum Freising wurde im Jahr 739 gegründet. Zu seiner ersten Buchausstattung, die wohl die Bücher eines Klosters, das der hl. Korbinian um 720 gegründet hatte, übernehmen konnte, gehört (neben Fragmenten) das oberitalienische Valerianus-Evangeliar aus dem 7. Jh. Ein planmäßiger Aufbau der Bibliothek durch eine äußerst fruchtbare Schreibschule setzte mit Bischof Arbeo (764-784) ein. Diese und alle 1803 vorhandenen Hss. liegen heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Die Bibliothek des Domstiftes, die kontinuierlich fortgeführt worden war, erhielt beim Neubau des an den Kreuzgang angefügten Kapitelhauses (wohl 1448) einen eigenen Saal im Obergeschoss. Neben dieser Kapitelsbibliothek bestand eine Hofbibliothek zu Händen des Fürstbischofs, die mindestens schon in der Zeit Bischof Philipps von der Pfalz (1498-1541) existierte. 1696 ließ Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing diese Bibliothek ordnen und mit seinem Exlibris versehen.

Als sich die Schäden am Bibliotheksgebäude mehrten, wurde 1732 bis 1734 ein Neubau des Saales durchgeführt, der bis heute unverändert in lichter Festlichkeit erhalten ist und der Bibliothek für Ausstellungen dient. Bei dieser Gelegenheit wurden Kapitels- und Hofbibliothek vereinigt, und die neue "allgemeine Bibliothek" sollte "publique", also öffentlich zugänglich sein - die erste öffentliche Bibliothek des katholischen Bayern.

Am ursprünglichen Ort am Kreuzgang waren sämtliche Raumreserven erschöpft und für die Verwaltung und Benutzung nur zwei kleine Zimmer vorhanden. 1974 wurden am Domberg bei der Umgestaltung des ehemaligen Knabenseminars zum Diözesanmuseum größere Räume verfügbar. Ein schöner Lesesaal entstand unter Verwendung von Rokokoregalen der Klosterbibliothek Neustift; Verwaltung und die jüngere Literatur wurden dorthin verbracht. 1984 wurden im Gebäude des ehemaligen Domgymnasiums zwei große Magazine hinzugewonnen, und 1994 wurde dieses inzwischen vollständig umgebaute Haus der Dombibliothek als neuer Hauptsitz übergeben, die Räume im Museum wurden aufgegeben. Im Erdgeschoss sind ein Depot des Archivs des Erzbistums und die von der Dombibliothek mitverwaltete Bibliothek des Historischen Vereins Freising untergebracht. Die beiden Obergeschosse dienen der Dombibliothek. Die alten Räume am Kreuzgang sind nach wie vor zugehörig.

Die Säkularisation des Hochstiftes Freising im Jahr 1802 brachte das Ende dieser Institution. Johann Christoph von Aretin wählte für die Hofbibliothek in München alles Wertvolle aus, insbesondere sämtlich Hss. Der Rest blieb vorerst unter Verschluss stehen, einige Bibliotheksreste aus dem Benediktinerkloster Weihenstephan, dem Prämonstratenserkloster Neustift und dem Karmeliterkloster Straubing scheinen in dieser Zeit hinzugekommen zu sein. 1826 wurde der nochmals ausgesonderte Rest (etwa 5000 Bde) dem in Freising neu gegründeten Klerikalseminar des Erzbistums München und Freising überlassen. Durch zahlreiche Schenkungen und Nachlässe aus dem Klerus des Erzbistums wurde nun die Bibliothek wieder ergänzt. Besonders wertvoll war die Überweisung der 1829 in München durch den Ankauf der Bibliothek des Stiftspropstes Michael Hauber gegründeten Diözesanbibliothek im Jahre 1857 (etwa 15.000 Bde). Seit der Mitte des 19. Jhs. wuchs daneben im Gebäude des Priesterseminars eine Manualbibliothek, die nach Verlegung des Seminars nach München 1983 größtenteils (etwa 15.000 Bde) 1983 der Dombibliothek übergeben wurde. Diese Bibliothek enthielt keine wesentlichen historischen Bestände. Nach längerer Vernachlässigung, die auch Verluste mit sich brachte, wurde die Dombibliothek ab 1946 unter Leitung des Münchener Bibliothekars Dr. Simon Höpfl vollständig neu katalogisiert. Der Katalog der Manualbibliothek wurde nach 1983 eingearbeitet.

Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Bibliotheken in den Bestand integriert. Nur einige wichtige seien genannt: Domherr Dr. Sigismund Scheufler (+1522): Theologie, Kirchenrecht; Bischof Albert Sigismund von Bayern (+1685): Philosophie, angewandte Naturwissenschaft; Domherr Franz Zadler (+1695): Theologie, Kirchenrecht; Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing (+1727): Theologie, Geschichte; Weihbischof Johann Sigmund Freiherr von Zeller (+1732): Theologie, Kirchenrecht; Abt Benedikt Werner von Weltenburg (+1830): Geschichte, Recht, Musikwissenschaft, 3257 Bde; Stiftspropst Michael Hauber (+1843): Alte Theologie, Frühdrucke, Kirchenväter-Ausgaben, ca. 9000 Bde., Pfarrer Joseph Häckel (+1894): Ornithologie, Botanik; Prof. Dr. Benedikt Weinhart (+1901): Dogmatik, schöne Literatur; Spiritual Anton Degener (+1907): Barockliteratur religiöser Art, 1357 Bde; Prof. Franz Schühlein (+1940): Sprachwissenschaft, Judaistik; Weihbischof Dr. Johann B. Schauer (+1942): Theologie; Prof. Dr. Dominikus Lindner (+1974): Kirchenrecht; Pfarrer Dr. Emil Muhler (+1963): Philosophie, Sozialwissenschaft; Generalvikar Dr. Johannes Fuchs (+1961):Philosophie, Theologie, Knabenseminar Freising (geschlossen 1972): Schul- und Jugendbücher, Philologie, Belletristik, ca. 20.000 Bde; Dr. Johannes Fellerer (+1986): Kunst, Philosophie.