Wenn Alkohol trösten und entspannen muss…

Immer mehr ältere Menschen trinken zu viel Alkohol oder sind bereits abhängig. Für sie hat der Caritas-Therapieverbund Sucht das spezielle Angebot „60 Plus“

Else H. (70) pflegte alleine mehrere Jahre ihren schwerkranken Mann. In dieser Zeit konnte sie keine Kontakte zu Freunden mehr pflegen. Ihr Mann brauchte die ständige Aufmerksamkeit, was sehr viel Kraft kostete. In dieser Zeit genoss sie es, sich am Abend bei einem Glas Wein zu entspannen. Nach dem Tod ihres Mannes fiel Else H. in ein tiefes Loch. Um Leere, Trauer und Einsamkeit zu ertragen, begann sie schon morgens zu trinken. Nach einem Jahr nehmen die körperlichen Beschwerden so zu, dass sie sich ihrer Hausärztin anvertraut, die sie in die Therapie vermittelt.
alkoholabhängige Frau trinkt am Tag
Durch Alkohol oder Medikamente versuchen Senioren ihre Ängste und Leiden zurückzudrängen. (Bild: imago/imagebroker)
Die Gründe, warum jemand im Alter zu viel Alkohol trinkt, lassen sich in die beiden Kategorien „early-onset“ (problematisches Trinkverhalten schon im frühen Erwachsenenleben) und in „late-onset“ (Trinkproblematik in der zweiten Lebenshälfte entstanden) einteilen. Während Männer oft die nachlassende Leistungsfähigkeit oder im Ruhestand die fehlende Betätigung mit Alkohol kompensieren, ist es bei Frauen wie bei Else H. die Leere nach dem Tod des Partners.

Vordergründig werden durch Alkohol oder Medikamente Ängste und Leiden zurückgedrängt. Langfristig verschärfen sich jedoch die Probleme und münden oft im „Teufelskreis der Sucht“. Die WHO empfiehlt als risikoarmen täglichen Konsum für ältere Frauen 300 Milliliter Bier oder 150 Milliliter Wein und für Männer 600 Milliliter Bier oder 300 Milliliter Wein als Obergrenze, um eine Gewöhnung zu vermeiden.
 
Beratungs- und Behandlungsangebote für suchtkranke Menschen ab 60 Jahren
In der Caritas-Fachambulanz für erwachsene Suchtkranke gibt es seit 2006 ein ambulantes Beratungs- und Behandlungsangebot für Menschen ab 60 Jahre. Sie erhalten Orientierung und altersspezifische Informationen zum Konsum von Alkohol und Medikamenten und ein auf die individuelle Situation abgestimmtes Beratungs- und Therapieangebot. Else H. unterzieht sich einer ambulanten Gruppentherapie, die ihr Abstinenzverhalten unterstützt und die schönen Seiten des Lebens wieder entdecken lässt.
 
Adelheid Utters-Adam


Arnulfstraße 83: Therapieverbund Sucht unter einem Dach
   
Seit 1. Mai 2015 sind alle Einrichtungen des Therapieverbunds Sucht unter einem Dach vereint: Fachambulanz für Essstörungen, Fachambulanz für erwachsene Suchtkranke, Methadonambulanz, Fachambulanz für junge Suchtkranke, Tagesklinik für Suchtkranke.


Erfahren Sie online mehr über „60 Plus“:

https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/Fachambulanzen/Fachambulanz-fuer-erwachsene-Suchtkranke-Muenchen/Page010912.aspx

Die Webseite der Fachambulanz für erwachsene suchtkranke Menschen der Caritas finden Sie hier:
https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/Fachambulanzen/Fachambulanz-fuer-erwachsene-Suchtkranke-Muenchen/default.aspx

Der Therapieverbund Sucht des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising e.V. steht für alle Fragen zu den Themen Alkohol, Medikamente, Drogen, Essstörungen, Nikotin und Spielsucht mit Rat und Tat zur Seite.
https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/Psychische-Gesundheit-und-Sucht/Therapieverbund-Sucht/default.aspx