Pfarrverband Aschau

Lindenstr. 2, 84544 Aschau a. Inn, Telefon: 08638-95210, E-Mail: Mariae-Himmelfahrt.Aschau@erzbistum-muenchen.de

Fraham Kirche und Pfarrei

Glocke
Der Ort Fraham liegt auf einer Schotterebene der letzten Eiszeit am linken Innufer. Jahrhundertelang wurde er wirtschaftlich und kulturell geprägt vom benachbarten Augustinerchorherrenstift Au am Inn.

Bereits im Jahr 990 war eine Kirche dem hl. Martin geweiht. Seit etwa 1220 bildeten die Kirchensprengel Aschau, Fraham und St. Erasmus eine einzige Pfarrei, Pfarrer waren stets Chorherren aus Au. Die Kirche in Aschau galt bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts als Pfarrkirche, Fraham war lediglich Pfarrsitz. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts führte das unklare Rechtsverhältnis zwischen den Kirchen von Fraham und Aschau zu einem Streit zwischen den Frahamern und den Aschauern.: „Die Frahamer beschwerten sich, sie hätten zwar einen Pfarrer, aber die Funktionen zu den großen Festtagen fänden alle in Aschau statt... Die Aschauer beschwerten sich, dass sie von einer ehemaligen Pfarrei mehr und mehr zu einer Filiale herabgewürdigt worden seien. Beide Seiten fanden einflussreiche Fürsprecher, die Eingaben nach Salzburg machten. ..“

               
Im Jahre 1803, nach der Säkularisation von Au, wurde Fraham eine weltliche Pfarrei. Das bayerische Konkordat von 1817 schuf eine mit den Landesgrenzen übereinstimmende neue Kirchenorganisation. Die Kirchensprengel Aschau und Fraham kamen zum Erzbistum München-Freising, das das  Erbe des Salzburger Erzbistums im Inngebiet übernahm. Ab April 1879 wurde Aschau zur Pfarrei erhoben.
1757 wurde die Kirche in Fraham unter Probst Patrizius Zwick großzügig restauriert. Er ließ feinen Stuck, die Kanzel und drei Altäre anfertigen und sein Wappen am Abschlussbogen des Presbyteriums anbringen. Während des 2. Weltkriegs verblieb nur eine Glocke im Turm. Seit 1953 rufen wieder drei Glocken zu Andacht und Gottesdienst.

Während der Amtszeit von Dekan Andreas Lindauer (1948-1963) wurde u. a. in Aschau-Werk ein ehemaliges Rüstungswerksgebäude zur Kirche St. Josef umgebaut. Die Kuratie St. Josef und die Pfarrei St. Martin in Fraham werden seit  dem Weggang von Dekan Lindauer durch Angehörige des Salesianerordens seelsorglich betreut.

St. Martin, Fraham und der Kirchenmaler Seltenhorn

Fraham
Manfred Fischer aus Mühldorf hat das Buch   „Die Seltenhorn“ – Eine Kraiburger Kirchenmalerdynastie – herausgebracht.
Darin finden wir auch Wissenswertes über Johann Anton Seltenhorn, der die Kirche St. Martin in Fraham künstlerisch gestaltet hat:
 
Die Familie Seltenhorn stammt aus Pfaffenhausen an der Mindel (Nähe von Mindelheim). Johann Anton Seltenhorn wurde am 10.01.1713 als ältestes von acht Kindern geboren. Der Vater Joseph Seltenhorn war bereits Kir­chen­­­maler. Johann Anton Seltenhorn trat in die Fußstapfen seines Vaters und wandte sich ebenfalls der Malkunst zu. Er übernahm 1740 in Kraiburg eine Malerwerkstatt, das sogenannte „Seltenhorn-Haus“ (heute Marktplatz Nr. 31 – Hardt-Haus). Das Pfleggericht Kraiburg gehörte zum Rentamt Burghausen. Für diesen Bereich gab es nur eine Malerkonzession. Johann Anton Seltenhorn gehörte zur Zunft der Freskanten, Kirchen- und Fassmaler.

Die St. Martinskirche, ein verputzter, gotischer Backsteinbau, stammt aus dem 15. Jahrhundert. Zwischen 1750 und 1760 wurde sie umgestaltet und mit barocker, größtenteils noch heute vorhandener Ausstattung versehen. Die Fresken, Altargemälde und Fassarbeiten sind zum größten Teil das Werk Johann Anton Seltenhorns. Die Ausschmückung dieser Kirche kann man als Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens bezeichnen. Zunächst entstand das Altarbild „Jüngstes Gericht“. Ursprünglich für die Totenkapelle geschaffen, ist es inzwischen restauriert und fand seinen Platz an der Wand unterhalb der Empore. Es folgten etliche Altarbilder, er fasste die Kanzel sowie verschiedene Altäre und schuf darüber hinaus auch die Ge­wöl­be­fres­ken. Sowohl das Hochaltarbild als auch das Deckenfresko stellen die Mantelteilung des Hl. Martin dar.
 
An der Südseite der Kirche wurde beim Umbau Mitte des 18. Jahrhunderts ein halbrunder Kapellenanbau, überwölbt mit einer Halbkuppel, errichtet.