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HL. KREUZ, SCHAFTLACH

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DAS SCHAFTLACHER KRUZIFIX

Kreuz-Kopf
Einen neuen Aufschwung und eine neue Dimension der Kreuzverehrung erlebt in diesen Jahren die Kirche von Schaftlach als Heimstatt des als ottonisch erkannten Kruzifixes.

Seit der C-14 Analyse und der Computertomographie 2001/2004 wissen wir, dass der in einem Stück gearbeitete, 193 cm hohe Korpus aus gehöhltem Lindenholz (Fälldatum wahrscheinlich um 970) und auch die angesetzten Arme und Seitenfalten des Lendentuchs nicht, wie bisher angenommen, in romanischer, sondern schon in ottonischer Zeit entstanden sein dürften - also etwa gleichzeitig mit dem berühmten Gerokreuz im Kölner Dom (vor 976) und dem Kruzifix in der Aschaffenburger Stiftskirche (um 978).

Erst seit circa 1900 in Schaftlach sicher nachweisbar, kam das Kruzifix, wie andere Kultgegenstände der Kirche auch, aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Kloster Tegernsee hierher. Dazu passt die Legende, Kaiser Heinrich II. habe in Erfüllung eines Gelübdes das nach dem verheerenden Brand von 970/975 wiederhergestellte Benediktinerkloster besucht und dabei "vor einem uralten Kruzifix" - dem daraufhin so bezeichneten "Heinrichskreuz" - eine Vision gehabt.
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Bei der Untersuchung der Farbfassung des Schaftlacher Kruzifixes stellte sich heraus, dass die kräftige, stilisierende Fassung der Entstehungszeit so gut und ausreichend in allen relevanten Bereichen nachgewiesen werden kann wie bei keinem anderen vergleichbaren Kruzifix des Mittelalters. Man fand in der Urfassung ein helles Inkarnat, einen weitgehend unversehrten Körper, halboffene Augen und ein außen taubenblaues, innen rotes Lendentuch mit grünem Gürtel und rotem Ziersaum.

Die geglückte Restaurierung 2005/2006 deutet diese Erkenntnisse der Originalfassung klar an, ohne die Spuren, welche die 1000-jährige Geschichte an diesem Werk hinterlassen hat, wegzuwischen.

So erscheint der gut lebensgroße Christus nicht als Geschundener und am Kreuz Gestorbener, sondern - wie zur Entstehungszeit - als der auferstandene Erlöser der Menschheit und Sieger über Tod und Leid. Er blickt hoheitsvoll-gelassen, ohne Ausdruck von Schmerz den Kirchenbesucher an, empfängt ihn mit ausgebreiteten, "offenen" Armen und bietet ihm Zuflucht in allen Nöten an.