Therapeutisches Zentrum für Jugendhilfe bietet Neuorientierung Oft die letzte Chance für Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren

Anna und Franzi könnten ganz normale 15-Jährige sein. Doch in ihrem Leben ist bereits eine ganze Menge schiefgelaufen. Anna kannte bis vor kurzem ihre leibliche Mutter nicht, sie wuchs bei ihrem Vater auf, hat bereits ausgiebige Drogenerfahrungen und längere Zeit auf der Straße gelebt. Franzi kam mit drei Jahren in eine Pflegefamilie, weil ihre drogenabhängige Mutter sich nicht um sie kümmern wollte und die Oma sich überfordert fühlte. Beide Mädchen sind immer wieder weggelaufen, haben unregelmäßig die Schule besucht und wurden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt. Anna hat dort auch eine Entgiftung gemacht. Durch einen richterlichen Beschluss kam es, dass beide Mädchen nun im Therapeutischen Zentrum der Jugendhilfe der Caritas in Gauting aufgenommen werden konnten.
Mädchen im Teenageralter mit Dutt im T-Shirt sitz mit dem Rücken zur Kamera, entspannt. Blickt über eine entfernte unscharfe Stadtlandschaft mit Bäumen.
Wenn die Mädchen ins Therapeutische Zentrum der Jugendhilfe kommen, haben sie meist einen schweren Weg hinter sich. doch die Betreuung vor Ort bietet Ausblick auf neue Chancen. (Bild: unsplash / Ravi Roshan)

Struktur und Verlässlichkeit werden neu kennengelernt

Seit fast einem Jahr sind sie nun in geschlossenen Gruppen untergebracht. In der Praxis heißt das, sie müssen genau sagen, wo sie hingehen und wann sie wieder zurückkommen. Anna wird bald in eine offene Gruppe wechseln und kann dann auch mal übers Wochenende zu ihrer Mutter fahren, die Kontakt zu ihr aufgenommen hat, seit sie in Gauting lebt. Insgesamt hat das Therapeutische Zentrum 45 Plätze in geschlossenen und 15 Plätze in offenen Gruppen. „Für viele Mädchen ist es die letzte Chance, ihr Leben in den Griff zu bekommen“, erklärt der Leiter Frank Woltmann. Neben einer psychologischen und pädagogischen Betreuung gehören auch der Besuch der eigenen Schule und ein reichhaltiges Freizeitangebot zum Programm. „Wir haben verschlossene Türen nach draußen, die das Weglaufen verhindern“, so Woltmann. Innerhalb der Wohngruppen und im Garten könnten sich die Mädchen jedoch frei bewegen. Viele erlebten hier zum ersten Mal einen strukturierten Tagesablauf und Bezugspersonen, die sich wirklich um sie kümmern. Auch der regelmäßige Schulbesuch ist für viele neu.

Betreuung schafft Stabilität und gibt Kraft

„Ohne die geschlossenen Türen hätte ich es nicht geschafft“, gesteht Franzi. Nachdem die Polizei wochenlang nach ihr gesucht hatte, stellte sie sich selbst. „Ich wollte, dass es aufhört.“ Nach fast einem Jahr in Gauting ist sie stolz, dass ihre Noten so gut sind, dass sie sicher den Quali schafft. Sie will auch danach noch in Gauting bleiben, denn sie möchte auf die Realschule. „Ich brauche die Grenzen“, sagt Franzi. Sie schätzt aber auch die Betreuerinnen und den Psychologen, mit dem sie jederzeit reden kann. „Das gibt mir viel Kraft.“ Auch Anna schaut nach vorn. Nach dem Quali will sie eine Ausbildung als Landschaftsgärtnerin machen. Sie hat selbst den Antrag gestellt, dass ihrem Vater das Sorgerecht entzogen wird und sie einen Vormund bekommt. Zu ihrer Mutter hat sie inzwischen ein gutes Verhältnis aufgebaut.
 
Text: Adelheid Utters-Adam