Zwischenzeugnis: Keine Panik – keine Vorwürfe! 7 Tipps, wie man ohne Druck zum Erfolg kommen kann

Freitag ist Zeugnistag. Rund eine Million Schülerinnen und Schüler in Bayern erhalten zum Ende des Schulhalbjahrs ihr so genanntes Zwischenzeugnis. Vielen Kindern macht das Angst. Zuhause drohen Ärger und Vorwürfe; selbst dann, wenn die Noten eigentlich gut sind. Das jedenfalls hat jüngst eine Forsa-Studie ergeben. Dabei führt Druck nicht zwingend zum Erfolg. Thomas Gampl, stellvertretender Schulleiter am Erzbischöflichen St.-Ursula-Gymnasium Lenggries, erklärt in sieben Tipps, wie man richtig auf Zeugnisnoten reagiert.
schreiendes rothaariges Mädchen
Druck führt nicht zum Erfolg. Wie sich Panik am Zeugnistag vermeiden lässt, verrät Thomas Gampl. (Bild: imago / imagebroker)
Tipp 1: Keine Panik
Bleiben Sie gelassen - auch dann, wenn Ihr Kind schlechte Zensuren mit nach Hause gebracht hat. Es bleibt ausreichend Zeit, die Leistungen wo nötig zu verbessern. Vor allem aber sollte man nie vergessen: Auch mit einer Vier in Geschichte oder Biologie kann man glücklich durchs Leben gehen.

Tipp 2: Keine Vorwürfe
Die meisten Experten sind sich einig, dass zu viel Druck eher schadet. Eltern sollten also auf ein schlechtes Zeugnis nicht mit überzogenen Vorwürfen reagieren. Das heißt nicht, dass Sie die Sechs in Mathematik ignorieren müssen. Nur: Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Sinnvoller ist es, gemeinsam mit dem Kind die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Muster eines Zwischenzeugnisses
Ja, das Zeugnis könnte besser sein. Aber mit Vorwürfen kommt man nicht weiter. (Bild: Thomas Gampl)
Tipp 3: Ruhige Analyse
Gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Zeugnis durch. Freuen Sie sich zunächst über die guten Noten und sprechen Sie dann auch über die schlechten. Mangelhafte Leistungen in einzelnen Nebenfächern zeugen vor allem davon, dass ihr Kind bei der ein oder anderen Leistungsabfrage unvorbereitet war. Das kann schon einmal vorkommen und ist kein Beinbruch. In Deutsch, Mathematik oder den Fremdsprachen sind schlechte Noten dagegen eher problematisch. Hier bauen die Folgejahre auf dem auf, was zuvor gelernt wurde. Deshalb sollte man in diesen Fächern zu große Wissenslücken vermeiden. 
 
Tipp 4: Konzentration auf eigene Fehler
Versuchen Sie zu verstehen, woran es liegt, dass die Leistungen in manchen Fächern nicht zufriedenstellend sind. Fragen Sie auch ihr Kind nach seiner Einschätzung. Sie werden schnell feststellen, dass es tausend Gründe gibt, die nicht in der Verantwortung ihres Kindes liegen: Der Lehrer erklärt nicht gut. Die Schulaufgabe war zu schwer. Die Note war ungerecht. Und vieles andere mehr. Das alles ist denkbar. Sie müssen das nicht sofort beiseiteschieben. Aber: Sie sollten sich damit auch nicht zufrieden geben; sonst verlieren Sie eine entscheidende Frage aus dem Blick: Wo kann das Kind und wo können Sie etwas anders und besser machen? Überlegen Sie gemeinsam, wie sich die Leistungen bei Bedarf verbessern lassen.

Tipp 5: Zurückhaltung
Eine bekannte Herberger-Fußballregel lautet: Man muss auch wegbleiben können. Das dürfen auch Eltern mit Blick auf die Schule gelegentlich beherzigen. Natürlich sollten Sie helfend eingreifen, wenn etwa der Übertritt gefährdet ist oder Sitzenbleiben droht. Wenn aber in der 7. oder 8. Klasse ´mal ein Vier im Zeugnis steht, ist das kein Grund für besondere Maßnahmen. Das heißt nicht, dass Sie Ihrem Kind das Gefühl geben sollten, dass Noten völlig egal sind. Aber: Kinder sollten mit zunehmendem Alter mehr und mehr selbst die Verantwortung für ihren Schulerfolg übernehmen. Geben Sie Ihren Kindern diesen Freiraum.
Porträt Thomas Gampl
Tipp 6: Gespräch mit den Lehrkräften
Wenn Sie Handlungsbedarf sehen, aber selbst nicht mehr weiterwissen, dann sollten Sie das Gespräch mit den entsprechenden Lehrkräften suchen. Auch hier gilt: Keine Panik. Keine Vorwürfe. Sie sollten nicht gegen, sondern gemeinsam mit der Lehrkraft nach Lösungen suchen. Fragen Sie bei der Lehrkraft gezielt nach: Was können wir tun? Was empfehlen Sie? 
 
Tipp 7: Gespräch mit weiteren Experten
Für den Fall, dass bei schwerwiegenden Problemen auch der Fachlehrer nicht mehr helfen kann, stehen weitere  Ansprechpartner bereit. An den meisten weiterführenden Schulen gibt es Beratungslehrkräfte, an vielen auch Schulpsychologen. Beratungslehrkräfte sind vor allem für Fragen zur Schullaufbahn zuständig, helfen aber auch bei allgemeinen Problemen. Schulpsychologen können etwa bei Fragen zur Lernpsychologie wertvolle Tipps geben. 
 
Weitere Hilfe finden Sie auch bei den staatlichen Schulberatungsstellen. Die entsprechenden Kontakte finden Sie hier: http://www.schulberatung.bayern.de

Text: Studiendirektor Thomas Gampl, stellvertretender Schulleiter, St.-Ursula-Gymnasium, Schloss Hohenburg, Lenggries (Bild: Thomas Gampl)
Erzbischöfliches St.-Ursula-Gymnasium Schloss Hohenburg Lenggries
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Fax: 08042-5365
http://gymnasium.st-ursula.net
Leiter:
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Schloss Hohenburg verfügt auch über ein Tagesheim.