Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern

Dorf 16, 83674 Gaißach, Telefon: 08041-4674, E-Mail: St-Michael.Gaissach@erzbistum-muenchen.de

Monsignore Ludwig Scheiel schreibt:

Bericht vom 20. Juli 2017
Sommerzeit, Zeit der Bergmessen. Viele Menschen aus nah und fern nehmen daran immer wieder gerne teil. Man fühlt sich Gott näher und ganz frei. Auf der anderen Seite werden Gipfelkreuze beschädigt, es gibt Äußerungen, Kreuze hätten auf den Bergen nichts zu suchen, sie würden sich zu sehr in den Vordergrund rücken (u.a. auch Reinhold Messner). Moderne Technik wie Wlan und die nötigen Sender dazu sind aber notwendig, schließlich müssen wir überall vernetzt sein.
Die Berge waren früher Orte der Götter und Geister, die Menschen hielten respektvoll Abstand. Erst seit kurzer Zeit gibt es die touristische Erschließung der Berge (Erstbesteigung der Zugspitze 1820, Mont Blanc 1786, Mount Everest 1953). Gott wird vom Gipfel gestürzt. Dabei spüren und sehen wir vom Gipfel aus die unbändige Schöpferkraft, die hinter all dem steht, auf das wir bewundernd herabblicken. Auch in der heutigen hoch entwickelten und technisierten Zeit können Menschenkräfte dies nicht zustande bringen.
Diese Entwicklung deutet auf eine allgemeine Veränderung in unserem menschlichen Denken hin. Die Mensch sind klug genug geworden, wir brauchen Gott nicht mehr. Ein Sturz vom Gipfel ist oft tödlich. Auch das, was wir zur Zeit machen, ist todbringend: Klimazerstörung, Ressourcenausbeutung, Gier nach Geld und Macht, absolute Freiheit.
Menschlichkeit ade, Gott begraben! Ich persönlich hoffe, daß noch lange Gipfelkreuze von unseren Bergen herabgrüßen und uns die Botschaft zusprechen: Gott ist in eurer Mitte.

Bericht vom 20. Juni 2017

Der Bayerische Rundfunk hat zur Zeit die Themenwoche: Der Glaube. Drei Politiker werden von mir in diesem Bericht beleuchtet.
Der Altbundeskanzler Helmut Kohl ist vergangene Woche gestorben. Er wird zurecht gewürdigt als Kanzler der Wiedervereinigung Deutschlands und als Förderer und Antreiber der Einigung Europas. Er war ein christlich geprägter Mann, der auch politische Entscheidungen auf dem Hintergrund christlicher Werteordnung fällte. Er stand zu seinen Glauben und ließ ihn immer in seinem vielschichtigen Leben durchleuchten.
Der erste Bundeskanzler Deutschlands, Konrad Adenauer, fuhr im September 1955 nach Moskau, um über die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen zu verhandeln, die noch in Rußland waren. Eine Nacht bevor er nach Moskau flog, ließ er sich in Flüeli, Schweiz, in die Grabeskirche von Bruder Klaus, den Friedensheiligen, einsperren um zu beten. Wir feiern heuer den 600. Geburtstag von Bruder Klaus. Die Schweiz ist das einzige Land der Erde, das seit 600 Jahren keinen einzigen Tag Krieg hatte, auf die Fürsprache des Bruder Klaus, wie die Schweizer schwören. Konrad Adenauer konnte die Befreiung von 9626 deutschen Kriegsgefangenen erwirken. Vergangene Woche wurde Angela Merkel über ihre Beziehung zu Glaube und Kirche gefragt: Ihre Antwort: Das ist Privatsache, darüber möchte ich nichts sagen.
Ist Glaube und Kirche wirklich nur Privatsache? Ich bin dankbar, dass es viele Menschen gibt, die auf Grund ihrer christlichen Einstellung sich einsetzen für Mitmenschen, Dorfgemeinschaft und Politik. Das sind die Leuchttürme unserer Heimat. Vergelt´s Gott!

Bericht vom 27. April 2017

Den Menschen vieler Staaten auf unserer Erde geht es zur Zeit relativ gut. Dennoch schleicht sich Unbehagen ein. Die vielen Terrorangriffe und andere Katastrophen. Länder werden wieder von diktatorisch geprägten Führern regiert. Angst macht sich breit, manche Menschen möchten sich verkriechen. Wie die Aposteln in der Thomasgeschichte der Hl. Schrift mauern sie sich ein.
Jesus kam und befreite sie aus ihrem Gefängnis, nicht als mächtiger Wundertäter. Er zeigte ihnen die Wundmale, verletzten Hände, zerbrochenes Herz. Er macht ihnen deutlich: All das Schreckliche kann ich euch nicht abnehmen, aber es lässt sich verändern. Habt Mut, ich begleite euch. Was sagt diese Geschichte uns heute? Wir werden all diese schrecklichen Dinge nicht verändern können durch größere Machtausübung, Waffeneinsatz oder harten Strafen. Unser freiheitlich, demokratisch geprägtes Denken, verwurzelt in christlichen Grundbotschaften, sollen wir all dem entgegensetzen. Keine lauten Parolen, einfach überzeugtes Leben. Die Aposteln fanden den Mut, neu aufzutreten. Auch wir sollten es wagen, die Kraft dieses auferstandenen Herrn geht mit uns. Seine verklärten Wundmale sagen, die größten Wunden können geheilt werden. Reihen wir uns ein in die vielen Menschen, die es auch heute noch gibt, die anpacken, um Wunden zu heilen.

Bericht vom 14. April 2017
Was ist los auf unserer Welt, in Europa, bei vielen Menschen, jung oder alt? Einerseits leben viele Menschen in Wohlstand und Frieden, vor allem bei uns in Europa. Es heißt: noch nie ging es uns so gut wie jetzt. Auf der anderen Seite werden die Probleme und Unzufriedenheit immer größer. Absoluter Freiheitsgedanke, Egoismus (zuerst wir, dann die anderen) bei Staaten und Menschen. Die Gefährdung des Friedens in Europa, weltweite unzählige kriegerische Auseinandersetzungen.
Mit noch mehr Abkommen, Vorschriften und Gesetze werden wir nicht weiterkommen. Davon haben wir genug und diese sind oft so ausgerichtet, dass sie die Probleme nicht lösen. Nach gültigem Staatsrecht darf nach Afghanistan abgeschoben werden, nach menschlichen Kriterien undenkbar. Natürlich halten sich die Autobauer an Vorschriften, die auf dem Papier stehen, in Wirklichkeit geben sie aber mit ihrer Schummelei der Umwelt und unserer Natur den Todesstoß. Mehr beschriebenes Papier bringt nichts. Was ist also zu tun? Jesus gibt uns ein Gebot, das über die christlichen Gemeinschaften hinaus für alle Menschen Gültigkeit hat. Er fasst alle Gesetze und Vorschriften in einen Gedanken zusammen. Achte und ehre Gott, die Schöpfungskraft. Bewahre und behüte die Schöpfung, die Natur, aus der wir leben, in der wir unsere Freizeit gestalten. Gib ihre Schönheit und Kraft ungeschmälert an die folgenden Generationen weiter. Schätze und respektiere die Menschen, mit denen du lebst und dich selbst. Mit einem Wort: Liebe. Liebe kann nicht gesetzlich vorgeschrieben werden und von keinem gemacht werden, außer von dir selbst. Also du Mensch, neben mir und mit mir: Liebe!