Pfarrverband Oberes Priental

Kirchplatz 2, 83229 Aschau/Chiemgau, Telefon: 08052-4428, E-Mail: Darstellung-des-Herrn.Aschau@erzbistum-muenchen.de

Aus unserem Pfarrbrief

Im Ruhestand im Priental

Ich möchte mich als Ruhestandspfarrer hier im Pfarrverband vorstellen: Ich heiße Johann Weindl und lebe seit 1. August 2012 im Aschauer Tal. Zu Hause bin ich in Taufkirchen, Landkreis Mühldorf. Am Sankt Peter- und Paulstag 1968 hat mich Julius Kardinal Döpfner im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Nach meinen Kaplansjahren in Mittenwald, Markt Indersdorf und Berchtesgaden wurde mir die Pfarrei Geisenhausen zur Seelsorge anvertraut. Nach 38 Jahren als Seelsorger in Geisenhausen, davon 30 Jahre als Dekan im Dekanat Geisenhausen und 44 Jahre im priesterlichen Dienst, habe ich um meinen Ruhestand gebeten. Seit zwei Monaten bin ich nun mit meiner Pfarrhausfrau Elisabeth Frauendienst in Aschau. Ich bin dankbar, dass ich hier so gut angenommen wurde und im Rahmen meiner Möglichkeiten in der Seelsorge mitwirken darf. Ich freue mich nun auf viele Begegnungen hier im Pfarrver-band Oberes Priental.
Ihr Johann Weindl, Pfarrer i. R.
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Unser Pfarrer Johannes Palus verabschiedet sich

Servus, Pfüat Gott und Auf Wiedersehen!
 
Liebe Mitglieder unseres Pfarrverbandes,
 
am Erntedankfest 2010, also vor sieben Jahren, durfte ich den gemeinsamen Weg mit Ihnen hier im Priental beginnen.
In Aschau wird das Erntedankfest ja auf besondere Weise begangen: mit einer Prozession über die Fluren, in Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und Geber alles Guten, in Dankbarkeit aber auch den Menschen gegenüber, die berufen sind, mit dem Schöpfer mitzutun und die das Ihre dazu beitragen, dass alles wächst und gedeiht.
Das Zusammenwirken und Ineinandergreifen von Gottes Gnade und menschlichem Mittun habe ich all die letzten Jahre immer wieder nicht nur auf dieser Ebene der Landwirtschaft, sondern auch sonst erfahren dürfen – persönlich oder bei unserer gemeinsamen Zusammenarbeit im Weinberg des Herrn. Immer wieder verwendet die Bibel ja Gleichnisse aus diesem Bereich der Landwirtschaft, aber sie meint unser ganzes Leben: das Viele und Vielfältige, was da in der Beziehung und aus der Beziehung mit Gott heraus wachsen und gedeihen darf, auch aus den vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich ergeben - die Gott gefügt hat.
Damals habe ich gesagt, dass ich persönlich das dazu geben möchte, was ich zu geben habe… Und ich habe gesagt, dass ich Ihnen aber vor allem Gott nahebringen möchte. Nicht in dem Sinne freilich, dass man einfach vorlegt, was zu glauben ist. Ich habe bei meiner Arbeit gelernt und glaube, dass die Kirche heute gar nicht so sehr versuchen muss, die Fragen der Menschen zu beantworten, sondern zuerst einmal muss sie dabei helfen, die wesentlichen und richtigen Fragen zu stellen. Und so war es mir in meinen Predigten und darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, das eigene Suchen und Nachdenken über die wunderbaren Geheimnisse unseres Glaubens immer wieder neu anzuregen und sie dann auch mit unserem Leben in Verbindung zu bringen.
Ich bin sehr dankbar für die persönlichen Freundschaften die hier entstanden sind, aber genauso auch für die kurzen Begegnungen auf Zeit, wo ich Sie in besonderen Höhepunkten (Hochzeiten, Taufen, Erstkommunion oder Firmung, Ehejubiläen und anderen Festen) begleiten durfte, wo ich mit Ihnen mitfeiern und mich mitfreuen und mit Ihnen Gott danken durfte. Aber freilich erinnere ich mich auch an die Situationen, wo ich den Tiefpunkten des Lebens mit Ihnen sein durfte und Ihnen seinen Trost und seine manchmal verborgene Nähe vermitteln konnte: in so manchen Seelsorge- und Beichtgesprächen, in Krankheit oder bei der Begleitung Sterbender oder bei Beerdigungen. All diese Ereignisse sind besondere Momente des Lebens – und es ist das wirklich Schöne an meinem Beruf, dass man da so oft und intensiv dabei sein darf und mit Gottes Beistand immer wieder auch weiterhelfen kann.
Abschied nehmen fällt in der Regel nicht leicht, ja es kann mitunter sogar schmerzhaft sein. Man lässt dabei immer etwas zurück: die gewachsenen Freundschaften habe ich schon erwähnt. Die Menschen eines Ortes, einer Gegend, die man kennengelernt hat, mit ihren Eigenheiten, mit ihrer Kultur, mit ihrem Charakter… Die Gruppen und Gremien der Pfarrei… Die Schüler… Die Mitarbeiter… Die Ministranten… Die Schöne Musik in wie außerhalb der Kirche… Die wunderbare Landschaft… Die schönen Kirchen, zu denen man im Lauf der Zeit eine ganz persönliche Beziehung aufbaut… Mein Pfarrhaus mit dem wunderbaren Garten…
Ja, ich gehe mit einem weinenden Auge – aber zum Glück nicht nur: Ich habe gerade in der letzten Zeit an mir festgestellt, dass Abschiednehmen auch etwas sehr Schönes und Bereicherndes sein kann, dass es sich lohnt zu lernen, gut Abschied zu nehmen, denn Abschiede durchziehen genau betrachtet unser ganzes Leben. Nichts bleibt, alles müssen wir einmal loslassen. Und so ist es gut und wichtig, die vielen Abschiede des Lebens nicht nur irgendwie über sich ergehen zu lassen, sondern sie möglichst auch positiv als Chance anzunehmen und zu gestalten.
Wie positiv und heilsam ein Abschied sein kann, das erlebe ich dieser Tage ganz konkret beim Packen für den Umzug. Es ist wichtig und gut, sich von so manchem zu trennen, sich wieder Luft zu verschaffen und Platz und Möglichkeiten für Neues…
Abschied ist der Moment des Wechsels, denn immer beginnt ja wieder etwas Neues, Abschied ist Ermöglichung von Neuem!
Ein weiterer positiver Aspekt des Abschieds ist das wunderbare Gefühl der Dankbarkeit, viele Gründe zur Dankbarkeit erkennt man ja – leider – erst im Rückblick, wenn die Zeit begrenzt ist und einem bewusst wird, was man verliert… Dank entsteht dann aber auch dadurch, dass einem klar wird, dass alles, wovon man sich jetzt schwer trennt, einem vorher als Geschenk gegeben war, für das man Gott und seinen Mitmenschen im letzten nur dankbar sein kann!
Abschied ist dann aber auch ein Moment der Rechenschaft. Der Revisor, der Kassenprüfer kommt jetzt dann irgendwann hierher, um reinen Tisch zu machen… Zahlen kann man leicht prüfen, aber mein Beruf hat gottlob nicht nur mit Zahlen zu tun. Vieles davon kann man nicht messen, aus rein menschlicher Perspektive nicht abschließend beurteilen, vieles wird erst am Jüngsten Tag offenbar werden…
Abschied ist weiterhin ein Moment der Wesentlichkeit. Die Zeit ist begrenzt, man muss sich überlegen, was jetzt noch geht, man muss auswählen, was jetzt am wichtigsten ist, man kann nichts mehr aufschieben: das Wesentliche und wirklich Wichtige tritt hervor – freilich manchmal auch verbunden mit der Erkenntnis, dass man vielleicht oft auf Unwichtiges zu viel Zeit und Energie ver(sch)wendet hat.
Abschied ist der Moment der Wahrheit: „Was einer ist, was einer war, das wird im Scheiden offenbar“ sagt ein bekanntes Sprichwort. Man sagt sich nochmal Dinge, die man sonst nicht sagt, Dinge die einem wichtig sind, die man sich vorher so nicht getraut hat zu sagen, Positives wie Kritisches…
Abschied ist nie perfekt im Sinne von vollkommener Abrundung oder Vollendung… Abschied ist immer auch Abbruch: Vieles bleibt unvollendet und unvollkommen, man ist im Leben nie fertig. Man muss den „Mut zur Lücke“ lernen. Das Gute dabei ist, wie es schon in der Schrift heißt: Ein anderer wird weiterbauen (1Kor 3,10): Die Mitarbeiter, die bleiben, der Nachfolger, der bald kommt… Das Entscheidende aber ist: die endgültige Vollendung wird Christus dann einmal selbst wirken.
Und so ist Abschied dann auch der Moment der Vergebung. Der greise Simeon sagt am Ende seines Lebens: „Nun lässt du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden“.
Ich werde von meiner Seite her niemandem etwas nachtragen. Und ich bitte umgekehrt auch Sie aufrichtig um Vergebung, wo ich berechtigten Erwartungen nicht entsprochen habe, wo ich etwas Unrechtes gesagt oder getan habe oder auch wo ich Richtiges in unrechter Weise gesagt oder getan habe.
Abschied ist immer auch Anlass für gute Wünsche – viele davon habe ich auf meiner „Abschiedstournee“ in letzter Zeit entgegennehmen dürfen. Danke!
Unsere guten Wünsche bringen wir Christen dann aber auch vor Gott. Ich möchte Ihnen auch weiterhin mein Gebet versprechen und ich möchte Sie sehr um Ihr Gebet bitten.
Schließlich ist der Abschied auch der Moment des Segens: Als Abraham im Auftrag Gottes aus seiner Heimat fortzieht, wird er von Gott gesegnet und gleichzeitig erwählt, ein Segen zu sein. Ja, an Gottes Segen ist alles gelegen!
Und so erbitte ich Ihnen allen im Pfarrverband und jedem Einzelnen von Herzen Gottes reichen Segen!
Ihr Pfarrer Johannes Palus