St. Peter

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Güldene Rosenkranz

Liebe Pfarrangehörige und Freunde der Münchner Peterskirche,

im Laufe des Marianischen Jahres 2017, das wir in der Stadtpfarrei St. Peter im Hinblick auf die beiden 100-jährigen Jubiläen der Festfeier Patrona Bavariae und der Marienerscheinungen in Fatima begehen, treten wir ein in den Monat Oktober. Der Oktober gilt – ähnlich wie der Monat Mai aufgrund der Maiandacht – im Zusammenhang mit dem sogenannten Oktoberrosenkranz in besonderer Weise als Marienmonat und ist als solcher der Gottesmutter und ihrer Verehrung geweiht.
1884 führte Papst Leo XIII. den Oktober als Rosenkranzmonat ein und verfügte, in diesem Monat solle allabendlich in allen Pfarrkirchen gemeinschaftlich der Rosenkranz gebetet werden.
Diese Gebetsübung verbreitete sich daraufhin weltweit und wurde für viele katholische Christen zum festen Bestandteil des Kirchenjahres und ihrer persönlichen Glaubenspraxis. In unseren Tagen ist der Oktoberrosenkranz jedoch selbst für viele der noch praktizieren Gläubigen kaum mehr Bestandteil ihres geistlichen Lebens und erscheint oft als überholte Tradition, die eher abschreckt als einlädt und ihnen fremd ist und fremd bleibt.
Der hl. Johannes Paul II., der große marianische Papst, gab aus diesem Grund im Apostolischen Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“ vom 16. Oktober 2002 Impulse zu einer Wiederentdeckung der Bedeutung des Rosenkranzgebetes. Gleich zu Beginn schreibt er:
„In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen. … Denn in der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält.“ Nachdem er bekennt, er habe es in der Vergangenheit als Priester, Bischof und Papst bei keiner sich bietenden Gelegenheit versäumt, zum häufigen Rosenkranzgebet zu ermutigen, fasst er seine Gedanken zusammen in dem bekannten und vielzitierten Satz: „Den Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten.“ Im Blick auf die innerkirchliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte stellt er jedoch zugleich fest: „Im derzeitigen geschichtlichen und theologischen Kontext läuft der Rosenkranz Gefahr, in seinem Wert ungerechter Weise vermindert zu werden, und wird darum nur kaum an die neuen Generationen weitergegeben.“ Dabei sei, so ist er zutiefst überzeugt, der Rosenkranz „ein Schatz, der wiederentdeckt werden muss“, ein Gebet, das „so einfach und gleich zeitig so reich ist, das er es verdient, von der christlichen Gemeinschaft neu entdeckt zu werden.“

Papst Benedikt XVI., ebenfalls ein großer marianischen Papst und Freund des Rosenkranzgebetes, nimmt während seines Pontifikates oft Bezug auf das genannte Apostolische Schreiben seines Vorgängers, wohl auch, weil er selbst als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation an der Textfassung mit -
gewirkt hat. So sagt er in einer Ansprache am 2. Oktober 2005:
„Der Monat Oktober ist dem heiligen Rosenkranz gewidmet, einem einzigartigen, kontemplativen Gebet, mit dem wir, von der himmlischen Mutter des Herrn geleitet, unseren Blick auf das Antlitz des Erlösers richten, um seinem Geheimnis der Freuden, des Lichts, der Schmerzen und der Verherrlichung angeglichen zu werden. … Ich lade Euch ein, noch einmal das Apostolische Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“ zu lesen und seine Weisungen persönlich, in der Familie und auf gemeinschaftlicher Ebene in die Tat umzusetzen.“ Am 19. Oktober 2008 schlussfolgert er bei einem Pastoralbesuch im Päpstlichen Heiligtum von Pompeji, das der Rosenkranzkönigin geweiht ist: „Der Rosenkranz ist ein wahres Geschenk aus dem Herzen der Muttergottes. … Man muss die Schönheit und die Tiefe dieses einfachen und jedem Menschen zugänglichen Gebets persönlich erfahren.“

Auch Papst Franziskus spricht oft über das Rosenkranzgebet, etwa mehrfach im Sommer 2013: „Ich möchte die Schönheit eines einfachen betrachtenden Gebets hervorheben, das allen zugänglich ist, Großen und Kleinen, Gebildeten und weniger Gebildeten; es ist das Rosenkranzgebet.“ (21.06.2013) „Bitte
habt stets die Muttergottes bei euch, betet den Rosenkranz. Vernachlässigt ihn nicht! Habt immer die Muttergottes bei euch zu Hause, so wie sie auch der Apostel Johannes bei sich hatte. Sie möge euch stets begleiten und beschützen.“ (06.07.2013) „Das Leben ist kein Spaziergang, es ist auch ein Kampf. In dieser geistlichen Auseinandersetzung ist der Rosenkranz sehr wichtig. Maria begleitet uns, sie kämpft an unserer Seite, sie unterstützt
die Christen im Kampf gegen die Kräfte des Bösen. Das Gebet mit Maria besonders der Rosenkranz, besitzt auch diese kämpferische Dimension des Ringens; es ist ein Gebet, das in der Schlacht gegen den Bösen und seine Helfershelfer Unterstützung bietet. Der Rosenkranz unterstützt uns im Kampf!“ (15.8.2013) Immer wieder und bei vielen Gelegenheiten ruft also auch Papst Franziskus die Gläubigen dazu auf, sich „oft dieses mächtigen Werkzeugs des heiligen Rosenkranz zu bedienen, denn er bringt Frieden in die Herzen, in die Familien, in die Kirche und in die Welt.“

Den Worten dieser drei Päpste darf ich mich von ganzem Herzen anschließen und Sie einladen, im Monat Oktober ganz besonders dem Rosenkranzgebet einen Platz in ihrem persönlichen, aber auch im gemeinschaftlichen Gebet ein -
zuräumen, um so ganz persönlich die Schönheit und Tiefe dieses Gebetes zu erfahren. Zu Recht sagt ein altes Sprichwort:
„Klavierspielen lernt man durch Klavierspielen, Rosenkranz beten durch Rosenkranzbeten.“ Nur so kann der Rosenkranz dann auch in den Krisenzeiten unseres Lebens zu einer Kette werden, die uns Halt gibt…

Hans-Georg Platschek

Domkapitular
Stadtpfarrer von St. Peter
Herzlich Willkommen in unserer Pfarrei St. Peter.