Pfarrei
St. Georg Ruhpolding

Von Jacob Prätorius bis Johann PachelbelVeranstaltungsreihe „Raum & Klang“ fand ihre Fortsetzung in St. Adelheid

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Dass die Veranstaltungsreihe „Raum & Klang – Eine musikalische Entdeckungsreise“ gerade in der Kapelle des Altenheimes St. Adelheid ihre sechste Auflage fand, hatte seinen guten Grund; auch die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Vinzenz von Paul, in deren Trägerschaft sich das Altenheim befindet, konnte nämlich auf den 1000. Todestag der Namenspatronin zurückblicken.
 
„Diese Veranstaltung ist gleichzeitig der Abschluss unserer geistlichen Festwoche aus Anlass des 1000. Todestages der Patronin des Hauses und dieser Kapelle, der heiligen Adelheid von Vilich“, sagte eingangs Pastoralreferent Georg Gruber, nachdem Kirchenmusiker Richard Krekel das „Präambulum ex F“ des Hamburger Komponisten Jacob Prätorius, der von 1586 bis 1651 lebte, auf der Orgel erklingen ließ. Zunächst stand die Kapelle selbst im Fokus der Betrachtungen von Georg Gruber. „Die schlichte Form des Äußeren erinnert fast an eine skandinavische Stabkirche“, meinte er. Sie habe einen Innenraum, in dem man sich wohl und geborgen fühlen könne. „Gleichzeitig ist es ein hoher Raum, der etwas Erhabenes hat“. Von  der Namenspatronin, die am 5. Februar 1015 starb, sei  bekannt, dass die kirchliche Musik bei ihr einen hohen Stellenwert hatte. So wurde von ihr berichtet: „Sie duldet nicht den geringsten Misston im liturgischen Gesang“. Daraufhin intonierte Krekel das Kyrie aus der Missa in F des Barockkomponisten Gottlieb Muffat (1690 bis 1727), eine Orgelinterpretation der gregorianischen Missa de Angelis. Muffat unterrichtete unter anderem auch Kaiserin Maria Theresia.
 
Als nächstes führte der Blick zum neugotischen Hochaltar, bei dem die Flügel zunächst noch zugeklappt waren. Einen interessanten Werdegang habe der Altar genommen, erinnerte Gruber. Nach Aufzeichnungen von Pfarrer Josef Mühlbacher sei er bis 1923 wohl in der Pfarrkirche in Törwang gestanden, ehe er nach dem Neubau der dortigen Pfarrkirche veräußert wurde und über die Eltern von Schwester Mildreda, die auch in Ruhpolding als Ordensoberin wirkte, hierher kam. Nach dem Öffnen der Flügel führte Gruber den Blick der Betrachter auf die seltene Darstellung der „Wurzel Jesse“, mit der Isai gemeint sei. „In der christlichen Tradition wurde dies als Prophezeiung der Geburt Christi gedeutet“, sagte er und ergänzte: „Das Bild der Wurzel Jesse ist für mich ein sehr hoffnungsvolles Bild: Aus einem alten, scheinbar abgestorbenen Wurzelstock bringt Gott etwas Neues und Heilsames hervor“. Daraufhin ließ der Kirchenmusiker ein Orgelstück des von 1460 bis 1521 lebenden Komponisten Arnolt Schlick mit dem Titel „Maria zart, von edler Art“ erklingen. Schlick wirkte als Organist, Komponist und Orgelsachverständiger in Heidelberg, war blind und dennoch spielte er bei der Kaiserkrönung Maximilians I.
 
Nun ging der Blick zu zwei Heiligengestalten am Hochaltar, zum heiligen Bischof Augustinus und seiner Mutter Monika, beides Ordenspatrone des Augustinerordens. „Bis heute prägen die philosophisch-theologischen Schriften die europäische Theologie- und Geistesgeschichte wie kaum eine andere“, sagte der Pastoralreferent. Seine Mutter Monika, die in der Kapelle mit einem mittelalterlichen Kleid und einem Buch in der Hand dargestellt ist, habe den Glaubensweg ihres Sohnes begleitet. Dazu hörten die Anwesenden ein Stück mit dem Titel „Elevazione“ von Padre Giovanni Battista Martini, ein italienischer Musiker und Musiktheoretiker, der dem Orden der Franziskanerminoriten angehörte und von 1706 bis 1784 lebte. Danach folgten die Betrachtungen von vier Darstellungen aus dem Marienleben, die alle mit der Menschwerdung Jesu in Verbindung stehen. „Die vier Bildtafeln wollen noch einmal entfalten, was im Zentrum des Altares dargestellt ist: Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus aus Maria“. Passend dazu intonierte Krekel das Orgelstück „Corrente prima“ des Organisten von St. Peter in Rom, Girolamo Frescobaldi, der von 1583 bis 1643 lebte und als Wegbereiter der Barockmusik gilt.
 
„Das wichtigste Anliegen der Liturgiereform im Zweiten Vatikanischen Konzil war es, die Verkündigung des Wortes Gottes im Gottesdienst wieder einen höheren Stellenwert zu geben“, meinte anschließend Gruber. Daher sei der Ambo als eigener Ort der Verkündigung vom Kölner Bildhauer und Maler Egino Weinert geschaffen worden. Im Fokus stand eine emaillierte Darstellung, wie Jesus mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen spricht. Als musikalische Untermalung spielte Richard Krekel eine Canzonetta des von 1637 bis 1707 lebenden Lübecker Barockkomponisten Dietrich Buxtehude. Zum Schluss der Endeckungsreise ging der Sprecher auf ein reich verziertes Marienbild, verbunden mit einem Reliquiar ein. Das Gnadenbild ist betitelt mit „Salva Quardia“. „Aus der Beschreibung auf der Rückwand des Bildes geht hervor, dass es 1632 inmitten des Dreißgjährigen Krieges entstanden ist, als die Schweden München und große Teile Bayerns heimsuchten“. In den Bedrohungen des Krieges sollte dieses Bild eine Art Schutzbrief sein und es wurde angewiesen, dass bei diesem Bild immer ein Wachslicht zu brennen habe, eine Tradition, die auch die Barmherzigen Schwestern weiterpflegen. Und so endete die Zeitreise abschließend mit dem Orgelstück „Aria Sebaldina“ von Johann Pachelbel, der von 1627 bis 1698 lebte und zuletzt Organist in der Nürnberger Sebalduskirche war.
 
Die hervorragende Kombination aus Betrachtung und Orgelmusik eröffnete den Besuchern der Veranstaltung die Möglichkeit, einzelne Elemente in der sehr schönen Altenheimkapelle auf ganzheitliche Art neu zu entdecken. Der Besuch zahlte sich allemal  aus.
                                                                                                                                 hab
 
Bildbeschreibung: (Foto: Burghartswieser)
 
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Der neugotische Hochaltar mit seinen vielen sehenswerten Elementen stand auch im Blickfeld von „Raum & Klang – Eine musikalische Entdeckungsreise“.
 
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„Salva Quardia“: Diese seltene Darstellung wurde von Pastoralreferent Georg Gruber auch in seine „Entdeckungsreise“ mit  eingezogen.
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Auf den Spuren der Hl. Hemma von Gurk

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„Wer ist eigentlich die Hl. Hemma?“ haben sich viele vor dem viertägigen Ausflug der Pfarrei nach Kärnten gefragt. Jetzt wissen alle 28 Teilnehmer/-innen bestens Bescheid über die „Landesmutter von Kärnten“, ihre Geschichte und ihre Bedeutung weit über die Grenzen Kärntens hinaus bis nach Slowenien, in die Steiermark und auch nach Bayern. Der Höhepunkt der Reise war der Besuch und ein Gottesdienst an ihrem Grab in der hundertsäuligen Krypta des Gurker Domes. Daneben standen auch andere, geheimnisvolle und geschichtsträchtige Orte Kärtens auf dem Programm, wie etwa der 1059 Meter hohe Magdalensberg, der einmal Sitz des norischen Königreiches war, oder der Hemmaberg bei Globasnitz (siehe Foto), wo Reste eines bedeutenden frühchristlichen Pilgerzentrums entdeckt wurden. Auch die Unterbringung im malerisch gelegenen Stift St. Georgen am Längsee, das heute ein Bildungszentrum der Diözese Gurk-Klagenfurt  ist, war ein wirklicher Glücksfall, so dass alle Teilnehmer an Leib und Seele gestärkt am Maifeiertag wieder in Ruhpolding ankamen. GG
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