Pfarrei
St. Georg Ruhpolding

Seit 200 Jahren eigenständig - Ursprung geht auf über 1000 Jahre zurück von Hannes Burghartswieser

zgeschichte
Bis vor 200 Jahren war Ruhpolding ein Vikariat der Pfarrei Vachendorf. Am 16. Februar 1811 wurde aus der Pfarrvikarie die eigenständige Pfarrei St. Georg. Die Geschichte einer katholischen Kirchengemeinde im Miesenbacher Tal geht aber viel weiter zurück, auf über 1000 Jahre.

Die älteste Geschichte Ruhpoldings liegt weitgehend im Dunklen. Es ist auch nicht bekannt, wann die ersten bajuwarischen Einwanderer, die seit Beginn des 6. Jahrhundert in die römischen Provinzen einströmten, das Tal der Weißen Traun besiedelten. Der erste urkundliche Nachweis Ruhpoldings stammt aus dem Jahr 924. Es ist die Urkunde über einen Tausch, den der „edle Manne Graman“ mit dem Erzbischof Odalbert über sein Eigentum „an dem Ort Puochskeho“ – heute der Ortsteil Buchschachen – abschließt. „Geschehen am Chiemsee am 1. November 924“. Ein Indiz dafür, dass im Miesenbacher Tal das Christentum verbreitet war. Der früheste Kirchenbau auf dem Kirchberg ist der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zuzuordnen, denn 1095 weihte nach einer Überlieferung Erzbischof Thiemo von Salzburg die erste Kirche St. Georg, die an der Stelle der heutigen Friedhofkapelle stand und um 1400 durch eine neue ersetzt wurde.

1450 erhält Ruhpolding einen eigenen Priester, wer allerdings erster Benefiziat war, ist nirgends aufgezeichnet. Eine Pergamenturkunde im Pfarrarchiv beweist die zunehmende Bedeutung der Vachendorfer Filialgemeinde. Am 8. Dezember 1450 machten einige einheimische Zechpröbste eine „fromme Stiftung“, die eine „ewige tägliche Messe zu St. Georg beziehungsweise St. Valentin“ stifteten, im Dorf eine Wohnung für einen Geistlichen erbauten und Pfarrpfründe dazugaben. Der Pfarrer von Vachendorf wurde durch Zehent entschädigt. „An Fronleichnam und Kirchweih zog stiftungsgemäß der Miesenbacher Kaplan mit seiner Gemeinde nach Vachendorf zum feierlichen Gottesdienst und zur Prozession“, berichtet das Ruhpoldinger Heimatbuch. Die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen war dem „Gsöllpriester“ von Vachendorf vorbehalten. Die Wohnung des Benefiziaten war - wie Mitte des 16. Jahrhundert berichtet wird - das so genannte „Danzerhäusl“, das in der heutigen Rathausstraße stand und jetzt seinen Platz im Holzknechtmuseum gefunden hat. In diesem Holzhaus wurden neben anderen Gegenständen eine alte Stola, eine Bibel und ein Predigtbuch gefunden.

Ein Verzeichnis im Pfarrarchiv verweist ohne nähere Angaben auf einen A. Weiß, der 1558 starb und vermutlich Priester war. In diesem Jahr fand auch im Rahmen einer Visitation der bayerischen Teile des Erzbistums Salzburg eine Begutachtung „im Miesenpach“ statt. Die große bayerische Generalvisitation 1558/60 wurde im Dezember 1553 auf der Mühldorfer Reformsynode beschlossen, wurde aber noch Jahre hinausgeschoben, weil sie von den Bischöfen an kaum realisierbare Bedingungen geknüpft war, bis Herzog Albrecht V. damit drohte diese allein durchzuführen. In dem Visitationsbericht ist die Zugehörigkeit zu Vachendorf vermerkt: „Die bemellt pharr Vahendorff hab nachbemellte filial als: im Miesenpach zu s. Georgen, s. Valentin daselbst……..“.
Das alte Visitationsbuch, das im Archiv des Erzbistums München und Freising aufbewahrt wird, gibt auch darüber Aufschluss, dass zu jener Zeit nicht immer ein Priester in Ruhpolding gewesen sein mag, denn in der Auflistung der der vorhandenen sakralen Gegenstände im Rahmen der „Visitatio ocularis. Miesenpach“ sind niedergeschrieben: „Drey kelch, funf meßgewandt und vier guete missal. Über 50 consecrirte particl ursach, daß ain Zeit kain priester dagewesen“. Auch über die finanziellen Verhältnisse wird berichtet, welche die Zech- oder Kirchpröbste zu verwalten hatten. Bei „s. Geörgen im Miesenpach“ wird dokumentiert: „Die kirchen hab einkhommen 22 fl. Davon verrichten sy den gotsdienst, spent, kauffenkertzen und andere notturfft der kirchen, auch die kirchenrechnung“ und bei „s. Valtin im Miesenpach“ heißt es: „Die kirch hab jarlich zustifften 26 fl 4 ß 26 d…...“.
Die erste geschichtliche Notiz eines namentlich bekannten Priester berichtet von einem Kaplan Georg Scherzl, der mit Georg Wiebmer 1591 dem Herzog ein Grundstück zum Kauf anbot. Im Jahre 1600 wurde schließlich Ruhpolding Vikariat. Eng verbunden mit der Geschichte der Pfarrei ist natürlich auch der Bau der heutigen Pfarrkirche St. Georg.

Wohl selten wird eine Landkirche mit so viel Schwierigkeiten und Unterbrechungen, nach so vielen Eingaben und Schreibereien entstanden sein. 1696 reichte der Pfarrer von Vachendorf, Dr. Johannes Schupin, in München einen Antrag auf Erweiterung oder Neubau einer Kirche ein, da die alte St. Georgskirche zu verfallen drohte. Fast 60 Jahre hat es letztlich gedauert, bis das heutige imposante und majestätische Gotteshaus fertig gestellt werden konnte. Es wurde am 21. Juli 1754 durch den Bischof von Chiemsee, Franz Karl Eusebius Graf von Waldburg-Friedberg und Trauchburg konsekriert und fand 1757 mit der Fertigstellung des Kirchturmes seinen Bauabschluss.
Der Aufschwung im Miesenbach Tal durch die Holzwirtschaft für die Traunsteiner Saline machte einen zweiten Priester notwendig. Darum wurde 1725 eine ständige Hilfspriesterstelle für Ruhpolding errichtet. Ein so genanntes „Functionale universale“ aus dem Jahre 1768, das der damalige Vikar der „Curatia Miesenbachensi“, Johann Felix Haßlberger verfasste, hielt in einem Art liturgischen Jahreskalender die Ereignisse in der Pfarrei fest. Hier sind zum Beispiel ein Bittgang der Georgibruderschaft nach St. Valentin oder die Wallfahrt von Ruhpolding in die drei Fußstunden entfernt gelegene „Mutterpfarrey Vachendorff“ nachgewiesen.
Schließlich kam es 1811 zur Eigenständigkeit der Pfarrei St. Georg. Vikar in Ruhpolding war seit 15. Juni 1808 Bartholomäus Bacher, der zuvor Schulleiter in Siegsdorf war.

Mit der Eigenständigkeit wurde er auch erster Pfarrer von Ruhpolding. „Durch seine Umsicht und Tatkraft konnte er 1811 das Vikariat zu einer Pfarrei erheben“, wird berichtet. Natürlich konnte Bacher dies nicht aus eigener Veranlassung tun, er hatte aber den Mut, sein Anliegen direkt dem bayerischen König schriftlich vorzutragen. Der Hintergrund war wohl, dass der ehrgeizige und strebsame Bacher Pfarrer einer Pfarrei werden, die am 20. März 1808 angebotene Stelle in Hochstätt am Inn aber nicht annehmen wollte. In seiner Bittschrift vom 15. August 1810 begründet er: „Da ich aber dieselbe (Anm.: die Pfarrei Hochstätt) wegen Mangels der zur Uebernahme erforderlichen Kapitalien nicht bestreiten konnte, so wurde mir dafür das damals eben vakante Pfarr-Vikariat Ruhpolding ertheilt“. Darum bat er den König: „Der dadurch mir zugegangene Verlust des pfarrlichen Charakters veranlasst mich daher, heute Euere Königliche Majestät gehorsamst zu bitten, dass Allerhöchstdieselben dieses Pfarr-Vikariat zur Würde einer selbständigen Pfarrey erheben, undsohin mit den Titel und Charakter eines Pfarrers ertheilen möchten“. Er erläutert auch die örtlichen Begebenheiten und Voraussetzungen der damaligen 2000 Seelengemeinde in einem Tal „ringsum von hohen Gebürgen umgeben“. Daraus zog Vikar Bacher die Schlussfolgerung: „Aus vorstehenden Rubriken leuchtet hervor, daß das Pfarr-Vikariat Ruhpolding bereits alle Attribute einer Pfarrey mit sich führet…“.

Am 16. Februar 1811 schrieb König Maximilian I. Joseph an das Generalkommissariat des Salzachkreises: „…im Betreff des Pfarrvikariats Rupolding Landgerichts Traunstein in Erwägung der Lage und des Umfanges dieses von der bisherigen Mutterpfarrey 3 Stunden entlegenen durch einen Vikar mit einem Hilfspriester versehenen Vikariats mit einer Anzahl von 2000 Seelen, dann in Erwägung, dass der dortige Vikar wegen der Verbindung des Benefiziums zu St. Valentin von Uns eigens präsentiert, sofort investirt und installirt worden ist, wollen Wir, dass dasselbe von nun an zu einer selbständigen Pfarrey erhoben werden soll“. Damit war die Pfarrei St. Georg selbständig und kam 1817 zur Erzdiözese München und Freising, jenes Jahr in dem der beliebte Pfarrer Bartholomäus Bacher aufgrund seiner „schwächlichen Gesundheit“ sich um „einen bequemeren Wirkungskreis“ umsah und auf eigenen Wunsch nach Trostberg versetzt wurde, wo er am 29. Dezember 1827 im Alter von 54 Jahren starb und auch dort begraben wurde. In Ruhpolding wurde dem ersten Pfarrer und „königlichen Distriktschulinspektor und Schulbuchschreiber“ eine Straße gewidmet, die „Bartholomäus-Bacher-Straße“.

Quellenangaben:
Archiv des Erzbistums München-Freising
Staatsarchiv München
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Pfarrarchiv Ruhpolding
Ruhpoldinger Heimatbuch, 3. Auflage 1998
Privatarchiv und Recherchen Hubert Joseph Braxenthaler