Pfarrei
St. Georg Ruhpolding

Herkunft bleibt stets auch Zukunft Vortragsreihe zu „200 Jahre Pfarrei St. Georg“ wurde fortgesetzt

Vortragsreihe Pfarrei
Einen großen geschichtlichen Bogen bekamen die zahlreichen Zuhörer beim zweiten Vortrag zur Reihe „200 Jahre Pfarrei St. Georg“ in der Aula des Pfarrzentrums präsentiert. Diesmal sprach Prälat Dr. Johann Neuhardt unter dem Motto „Vom Salzfass zum Bären“ über die Bedeutung des Überganges der Pfarrei von der Erzdiözese Salzburg nach München.
Dr. Neuhardt, der als führender Mann der Denkmalpflege des Bistums Salzburg gilt, ist in Ruhpolding sicher noch einigen bekannt. Als Monsignore Roman Friesinger nämlich sein 40jähriges Priesterjubiläum feierte, war er als Festprediger eingeladen. „Herkunft bleibt stets auch Zukunft“, stellte er an den Anfang seiner Ausführungen und ging zunächst auf die Etablierung des Christentums in unserer Region ein. Dieses sei wohl durch Militär und Kaufleute, die aus dem Süden kamen, hierher in Ansätzen gekommen, ehe iro-schottische Missionare den Glauben verbreiteten und ein „mönchisch verfasstes Christentum“ mitbrachten. 739 habe dann Bonifatius die römische Ordnung eingeführt. Politisch war Salzburg dem großen Gebiet der bayerischen Agilolfinger Herzöge zugeordnet, das bis an die Adria reichte.
Das Kirchenrecht der Bayern sei immer grunddemokratisch gewesen, sagte der Kirchenhistoriker und erinnerte daran, dass Salzburg das zweitgrößte Bistum der Weltkirche war und seine Vorrangstellung dem „weißen Gold“ zu verdanken hatte. So sei zum Beispiel – um die Maut zu sparen - 1346 eine Salzstraße von Salzburg über Inzell in die nördlichen Landesteile entstanden. Vachendorf war eine so genannte Ur- und Mutterpfarrei, die alle Pfarrrechte hatte. Es sei aber davon auszugehen, dass die Bevölkerung vom Christentum relativ wenig mitbekommen hätten, denn sie konnten weder Lesen, noch Schreiben und die liturgische Sprache der Messen war Latein. Das Volk habe sich „nur für den Reliquienkult interessiert“, meinte Neuhardt. Darum seien auch die Kirchen damals nicht Gott, sondern einem Heiligen geweiht worden.
Zur Zugehörigkeit erklärte er, dass Ruhpolding mit den Filialkirchen St. Georg und St. Valentin zu Vachendorf gehörte, dieses dem Archidiakonat Baumburg unterstand und dieses wiederum dem Erzbistum Salzburg. „Somit war Ruhpolding nie Teil des Bistums Frauenchiemsee“. (Anm.: Wobei der Bischof des Bistums Frauenchiemsee, Franz III. Karl Eusebius 1754 die Pfarrkirche St. Georg, Maria Schnee in Urschlau und die Schlosskapelle einweihte). 1806 wurde Bayern Königreich und 1818 legte Papst Pius VII. mit der Bulle „Ex Imposito“ die Diözesangrenzen von Tirol und Vorarlberg neu fest. Der Referent wusste auch um die vielen sakralen Gegenstände, die in der Pfarrei Ruhpolding vorhanden sind und bat darum, einige mit zu seinem Vortrag zu bringen. Da hatte seinen Grund. „Es ist nämlich keine alltägliche Sache, was in Ruhpolding an solchen Gegenständen vorhanden ist“, schwärmte er. Warum das so sei erklärte er damit, dass Bayern bei den napoleonischen Kriegen auf Seite Frankreichs stand und somit von der Verschleppung der Gegenstände verschont blieb. So könne man stolz sein, einen Kelch aus Salzburg, der um 1500 gefertigt wurde, zu besitzen. Auch ein Reliquienkreuz aus dem Jahr 1760, das für Bittgänge und für den Wettersegen verwendet wurde, finde man so sonst nicht in einer Landkirche. Ein Rätsel für Dr. Neuhardt seien aber die barocken, gewalkten Votivkerzen, die man sonst nur in Wallfahrtskirchen findet. Er ordnete sie der Bruderschaft zum heiligen Georg zu, die 1756 in Ruhpolding gegründet wurde. Im Namen der Gekommenen bedankte sich der Leiter der Projektgruppe „200 Jahre Pfarrei“, Gemeindeassistent Georg Gruber für die Ausführungen und überreichte dem Gastredner als Geschenk eine Jubiläumskerze.
Dieser Streifzug durch die Historie verdeutlichte, dass Ruhpolding durchaus eine Rolle in der bayerisch- salzburgerischen Geschichte spielte und dem sollte man sich bewusst sein, denn wie sagte Dr. Neuhardt eingangs seines interessanten Vortages: „Herkunft bleibt stets auch Zukunft“. Die Vortragsreihe findet am 19. Mai ihre Fortsetzung. Dann wird Helmut Müller sen. unter dem Motto: „Geschichte unserer Pfarrei von 1854 bis 1923“ vor dem Hintergrund der damaligen Pfarrer referieren. Beginn in der Aula des Pfarrzentrums ist wieder um 19.30 Uhr. hab

Bildbeschreibung: (Foto Burghartswieser)
Prälat Dr. Johann Neuhardt aus Salzburg (Mitte) nahm die Zuhörer mit auf eine Geschichtsreise. Pfarrer Otto Stangl (links) und Gemeindeassistent Georg Gruber dankten ihm dafür.