St. Mauritius

Templestr. 5, 80992 München, Telefon: 089-140103-0, E-Mail: St-Mauritius.Muenchen@erzbistum-muenchen.de

Geschichte der Pfarrei

Zeltkirche
Kleine Zeltkirche, September 1962
Die Pfarrei St. Mauritius blickt auf eine relativ kurze Geschichte zurück, beginnend in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurde in München-Moosach südlich der Dachauer Straße viel neuer Wohnraum geschaffen. Zunächst wurden die Wohnblöcke an der Karlinger- und Gubestraße errichtet, dann folgte zwischen 1952 und 1956 der Bau der Siedlung an der Maria-Ward- (heute Hugo-Troendle-), Nanga-Parbat- und Welzenbachstraße durch das Liegenschaftsamt München. Die Zahl der Katholiken im Pfarrgebiet von St. Martin stieg dadurch rapide auf ca. 18.000 an, was für das damalige Empfinden eine überschaubare Seelsorge nicht mehr zuließ. Deshalb wurde die Pfarrei geteilt und 1958 ein zusätzliches Kirchenbauprojekt in Planung genommen. Am 22. Mai 1958 errichtete das Erzbischöfliche Ordinariat eine Filialkirchenstiftung St. Mauritius. 1962 wurde für dieses Gebiet ein eigener Seelsorger, Otto Vogl, bestellt. Er erhielt den Auftrag, für die neu zu gründende Gemeinde ein Pfarrzentrum zu errichten. Die Anfänge dazu waren sehr bescheiden. Zuerst wurde neben dem künftigen Kirchenbauplatz zwischen Maria-Ward-Straße (heute Hugo-Troendle-Straße), dem Wintrichring und der Templestraße ein kleines Zelt mit ca. 160 m² Grundfläche errichtet. Darin feierte die Gemeinde am 19. September 1962 den ersten Gottesdienst. Bald jedoch stellte sich heraus, dass dieses Provisorium den seelsorglichen Anforderungen nicht genügte. Darum wurde 1963 ein großes Zelt mit einem Durchmesser von ca. 25 Metern und einer Grundfläche von 495 m² aufgestellt. Mit Wirkung ab 1. Januar 1964 wurde der neu errichtete Seelsorgsbezirk zur Kuratie erhoben. Weil sich inzwischen herausgestellt hatte, dass der vorgesehene Kirchenbauplatz für ein ausreichendes Pfarrzentrum mit Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten zu klein war, wurde auch noch das Anschlussgrundstück zum Kirchenbauplatz erworben. Die Planung für das Pfarrzentrum wurde dem Architekturbüro Groethuysen, Schreiber und Sachsse übergeben und am 17. Oktober 1965 konnte mit dem Kirchenbau begonnen werden. Am 23. März 1966 legte Generalvikar Prälat Matthias Defregger den Grundstein für die Kirche, am 5. August desselben Jahres wurde Richtfest gefeiert. Bereits am 5. März 1967 fand die Einweihung der neuen St. Mauritiuskirche durch Julius Kardinal Döpfner statt. Am 24. September 1968 wurde die Pfarrkuratie St. Mauritius mit Wirkung ab 1. Oktober 1968 zur Stadtpfarrei erhoben.

Zeltkirche Altar
Altar der großen Zeltkirche, 1964
Dem neuzeitlichen Pfarrzentrum liegt durchgehend das Maßraster von 1,50m zugrunde; als Baustoff dominieren Sicht- und Waschbeton. Das mag befremdlich wirken, doch ist das Bauwerk gerade deshalb ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte. Zum besseren Verständnis der Architektur von St. Mauritius sei Herbert Groethuysen selbst zitiert: „In der Liturgiekonstitution des Konzils (1) heißt es: „Die Riten mögen den Glanz edler Einfachheit an sich tragen und knapp und durchschaubar sein.“ Diesem Stil der Liturgie hat nach unserer Meinung der Stil des Raumes zu entsprechen, er soll nichts anderes als der würdigen Entfaltung dieser Riten dienen. Nur die weitest mögliche Vereinfachung der Form, nur die klar erkennbare, einfache und dem Zweck dienende Konstruktion und nur die Beschränkung auf wenige ihrem Wesen gemäß eingesetzte Materialien können eine Architektur des Wesentlichen, den Glanz edler Einfachheit bewirken.“ Herbert Groethuysen gab mit dem Kirchenbau von St. Mauritius dieser Forderung der Liturgiekonstitution Gestalt. St. Mauritius ist wahrlich geprägt vom Geist des Aufbruchs dieser Zeit.

Nach rund 50 Jahren Zeit- und 40 Jahren Pfarreigeschichte hat sich die gesamtkirchliche Situation deutlich verändert: rückläufige Katholikenzahlen und fehlendes Personal fordern geistliche Neuorientierung und räumliche Neustrukturierung. Deshalb wurde im Oktober 2008 diözesanweit das Projekt „Dem Glauben Zukunft geben“ ausgerufen. Im Zuge dieser Reform werden bestehende Seelsorgeeinheiten neu ausgestaltet – auch in München-Moosach. Bis 2014 werden die Pfarreien St. Mauritius und St. Martin wieder verbunden und mit Frieden Christi im Olymipschen Dorf zu einem Pfarrverband mit ca. 18.000 Katholiken zusammengelegt.

(1) Anm: gemeint ist das Zweite Vatikanische Konzil, 1962-1965, einberufen von Papst Johannes XXIII. mit dem Auftrag zu pastoraler und ökumenischer Erneuerung

Literatur:
Moosach Band II (1800 – Gegenwart), Volker D. Laturell und Georg Mooseder, Verlag Dr. Benno Tins Söhne München 1985, S. 493-496.

Sankt Mauritius München, Kirchenführer, Heimatlandverlag, Dr. Alfons Kellermeier, Landau/Isar 1967.