St. Michael

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Nikolauskirche Einsiedl

Nikolauskirche
Diese Kirche dürfen wir zu den ältesten Gotteshäusern des Ortes zählen. So stammt das Langhaus mit der ursprünglichen Form aus der Zeit um 1200. Es gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1212 in der es heißt: " Ich Eberhard II., Erzbischof von Salzburg, gebe kund, dass ich die bei Inzell gelegene, von Luitpold dem Einsiedler erbaute Kirche eingeweiht und mit einem eigenen, jener Kirche nahen Gut in der Absicht geschenkt habe, damit aus dessen Ertrag die Beleuchtung der gedachten Kirche zur Nachtzeit bestritten werden könne ...".
Der Einsiedler Luitpold tat in der Nähe der Kirche Buße für ein Verbrechen, das er als Luitpold II., Graf von Plain, 1167 beging. In einem Kampf wurde nämlich von seinen Soldaten Salzburg angezündet und fast ganz zerstört. Deswegen heißt auch heute noch der Bauernhof neben der Kirche: "Zum Einsiedler".
Im Laufe des Jahrhunderte wurde die Kirche ständig umgebaut und verändert: Der Chor wurde in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Im 17. Jahrhundert tauchen barocke Stilelemente auf und 1866/67 wurden gotische Teile erneuert. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch das Glasgemälde, das in das der Sakristeitüre gegenüberliegende nördliche Chorfenster eingesetzt wurde. Als Thema wurde die Verkündigung an Maria und die Geburt Jesu dargestellt. Zeitlich dürfte diese wertvolle Fenster um 1420/30 zu datieren sein.
Nikolauskirche Innen
1936/38 wurde der Hochaltar aufgestellt. Im Mittelpunkt steht der hl. Nikolaus eine Figur um 1700 geschaffen. Zwei heilige Diakone gehören noch zu der Altargruppe: Links Stephanus und rechts Laurentius. Die Vielfalt der Faltenbewegungen und die Fülle der Haartracht deuten auf die gotische Zeit hin (vermutlich Anfang des 16. Jahrhunderts).
Der Gnadenstuhl und das Rankenwerk im Altaraufsatz sind gute Schnitzwerke der modernen Zeit (geschaffen 1940 vom Ruhpoldinger Schnitzer Hinterseer); aus der gleichen Zeit stammen die Gemälde der Altarflügel (Maler Gschwendner aus Karlstein/Reichenhall). Sie stellen dar, wie die Menschen die Fürbitte und Hilfe des hl. Nikolaus erfahren haben: Der Heilige als Kinderfreund, als Helfer bei einer Überschwemmung der Roten Traun, die Erhörung der Fürbitte um gute Ernte.

Beeindruckend ist das Kreuz im Chorbogen als "Lebensbaum" gestaltet. Diese Arbeit stammt vermutlich aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.

In der Verbannung St. Nikolauskirche erbaut

St. Nikolaus neben dem Einsiedlerhof
Kirche St. Nikolaus in Einsiedel im Inzeller Oberland
Vor 800 Jahren weihte der Salzburger Erzbischof die St. Nikolauskirche in Einsiedel
(wb) Mit einem Festgottesdienst, einer musikalischen Kirchenführung und einer abschließenden Abendandacht feierte die katholische Pfarrei Inzell, zusammen mit Pfarrer Gerhard Salzeder und Diakon Josef Eixenberger, am vergangenen Wochenende das 800jährige Weihejubiläum der St. Nikolauskirche in Einsiedeln. Pfarrer Salzeder rief die Pfarrgemeinde dazu auf, sich verstärkt dieses Kleinodes und der vielen Kleindenkmäler anzunehmen, ihre Geschichte in Erfahrung zu bringen, sie zu pflegen und mit Leben zu erfüllen.

Krachenden Böllersalven und das feine Geläut der einzigen Glocke des kleinen Gotteshauses, trugen die Botschaft des Jubiläums, am Sonntagvormittag, weit in das Inzeller Tal und auf die Berggipfel rund herum. Frauen aus dem Inzeller Oberland, mit einem feinen Gespür für diesen besonderen Ort, hatte den Innenraum mit Moos, Frauenmantel, bunten Wiesenblumen, mit Kränzen und Girlanden aus Buchsbaumzweigen festlich geschmückt. Auch die Gottesdienstbesucher kamen im Festtagsgewand, darunter viele in der Inzeller Frauen- und Männertracht.

Sogar der Himmel weinte Freudentränen an diesem einmaligen Festtag. Fein, gefühlvoll und ausdrucksstark brachten die Musikantinnen und Musikanten der „Frillenseemusi“ den Kirchenraum mit gediegener Volksmusik zum Klingen. Freudig stimmten die Gottesdienstbesucher in den Choral „Lobet und preiset ihr Völker dem Herrn....“ ein oder ließen das Gotteshaus mit dem Lied „Ein Haus voll Glorie schauet...“ hochleben. Pfarrer Salzeder freute sich darüber, dass der Grundgedanke von Kirchweih, das Gotteshaus mit Leben zu erfüllen, auf so beeindruckende Weise gelungen sei. Das Schmücken, sich drum Kümmern und eine echte Beziehung aufzubauen, sei ein für alle sichtbares Zeichen lebendigen Glaubens.

Wie der Geistliche weiters erinnerte entstand „das Geschenk dieser St. Nikolauskirche“ eigentlich aus einem düsteren Kapitel der regionalen Heimatgeschichte heraus. Luitpold II., Graf von Plain der im Zwist mit dem Salzburger Erzbischof im Jahr 1167 Salzburg angezündet und fast ganz zerstört hatte, wurde zur Buße als Einsiedler in die Öde unterhalb des Staufenmassivs verbannt. Etwa um 1177 entstand in dieser Einöde diese kleine Kirche, deren Weihe am 8.6.1212 der Salzburger Erzbischof folgendermaßen beurkundete: " Ich Eberhard II., Erzbischof von Salzburg, gebe kund, dass ich die bei Inzell gelegene, von Luitpold dem Einsiedler erbaute Kirche eingeweiht und mit einem eigenen, jener Kirche nahen Gut in der Absicht geschenkt habe, damit aus dessen Ertrag die Beleuchtung der gedachten Kirche zur Nachtzeit bestritten werden könne ...".

Das „Gut“ ist heute der Einsiedlerhof der Familie Kecht. Bis heute kümmern sich deren Besitzer dankenswerter Weise um das Gotteshaus vor ihrer Haustüre. Pfarrer Salzeder bezeichnete den Umstand, dass der Luitpold am Leben bleiben und seine Schuld hier sühnen durfte als großes Geschenk. Obwohl das Eingeständnis eigener Schuld vielen modernen Menschen heutzutage schwerfalle machte Salzeder den Gläubigen Mut, eigenes Versagen oder Schuld an zuerkennen, sich Gott anzuvertrauen und auch im Versagen immer wieder neu zu beginnen - das Geschenk der Versöhnung anzunehmen. Auch der Heilige Nikolaus beschenkte die Menschen auf vielfältige Weise. Er könne Vorbild sein weil er unter anderem als Helfer gegen irrige Urteile und als Retter aus Schwierigkeiten verehrt wird. Den Festtag beschloss eine Abendandacht, musikalisch auf der Harfe untermalt von Marina Plereiter. Bilder (Werner Bauregger)
Festgottesdienst li Salzeder re Eixenberger
Festmesse in der St. Nikolauskirche links Pfarrer Salzeder re Diakon Eixenberger
Frillenseemusi vor Fenster 14.Jhdt li Salzeder
Die Frillenseemusi bei der Messgestaltung

St. Nikolaus – ein Kleinod in Einsiedel, im Inzeller Oberland

Flügelaltar
800 Jahre Kirchengeschichte spiegeln sich im Innenraum des Gotteshauses
(wb) Am Freitagabend den 8. Juni, taggenau zum 800jährigen Weihejubiläum, hatte Pfarrer Salzeder Interessierte zu einer sehr interessanten Kirchenführung in die wunderschön geschmückte St. Nikolauskirche nach Einsiedel eingeladen. Katharina Holzner an der Harfe und ihr Vater Christian Holzner begleiteten die höchst interessanten Betrachtungen des Geistlichen mit Harfe und Gitarre.


In acht Stationen führte Salzeder die leider nur wenigen Zuhörer durch die Entstehungsgeschichte der Kirche und deren bauliche Veränderung im Verlauf der Jahrhunderte. Natürlich fehlten auch nicht Details über die Ausgestaltung des Kirchenraumes, die Bedeutung der Heiligenstatuen oder das Deckenkreuzes. Vorzüglich verstand es der Geistliche darüber hinaus, mit fundierten Hintergrundinformationen auch die sakralen Zusammenhänge zwischen allen diesen Komponenten zu deuten. Pfarrer Salzeder wies aber auch darauf hin, dass es eine lebenslange Aufgabe sei die Geschichte dieser Kirche zu verstehen und ihr einige Geheimnisse zu entlocken.

In der Verbannung entsteht ein Gotteshaus
Ein Geschenk sei es allemal, dass Kaiser Heinrich III. im Jahr 1048 dieses Gebiet an der Roten Traun dem Salzburger Erzbischof Balduin von Salzburg schenkte. Später ging dieser Landstrich, ebenfalls durch einen Schenkung an das 1136 gegründete Kloster St. Zeno in Reichenhall. Das Luitpold II., Graf von Plain für die im Jahr 1167 begangene Brandschatzung Salzburgs, angeblich auf Geheiß des Kaisers Friedrich Barbarossa, in diese Einöde verbannt wurde und zur Sühne seiner Tat, in der Wildnis diese Kirche baute, sehe er ebenfalls als Geschenk. Denn durch die Gnade dass Luitpold sühnen durfte statt getötet zu werden, ihm Erbarmen zuteil wurde, konnte etwas neu beginnen. Passend dazu vermittle die Innschrift „Miserere Nobis“ (Erbarme dich unser) auf der einzigen Glocke tieferen Sinn. Der Salzburger Erzbischof Eberhard II. weihte dieses Gotteshaus dann am 8.6.1212 und fügte seiner Schenkung ein Gut zur Sicherung des so genannten Schmalzopfers (damit das Ewige Licht Tag und Nacht brennen konnte) hinzu, den heutigen Einsiedlerhof der Familie Kecht. Das Langhaus stammt im Kern noch aus der Zeit um 1200. Der spätgotische Chor entstand etwa in der zweite Hälfte des 15.Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert und 1866/67 in gotischen Formen erneuert.

Sakrale Bedeutung der Innenausstattung
Das Deckenkreuz aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wunderbar wie ein Lebensbaum gestaltet, drücke aus - „Du bist erlöst“. Aus dem Lebensbaum heraus könne wieder etwas wachsen. Dies erinnere ihn auch an die Rhodung der heutigen Freiflächen um die Entstehung neues Siedlungsraumes zu ermöglichen. Diese Ermutigung zum Leben drückten Christus zwischen Maria und Josef, dargestellt als Reliefhalbfiguren (um 1500), mit zum Segen erhobenen Händen am Ausgang der Kirche aus. Eine besondere Ausstrahlung übe das Glasgemälde im nördlichen Chorfenster auf den Betrachter. Hier sei in wunderschönen Farben die Verkündigung an Maria und die Geburt Jesu dargestellt. Das Werk wird als Salzburgische Arbeit etwa um 1420/30 datiert. Auch dieses Bildnis drücke nach den Worten Salzeders aus, dass durch die Gnade der Menschwerdung Jesu etwas Neues begonnen hat.

Der jetzige Gnadenstuhl wurde etwa um 1940 eingebaut
Der Gnadenstuhl und das Rankenwerk im Altaraufsatz entstand 1940 durch die Hände des Ruhpoldinger Schnitzers Georg Hinterseer. Etwa um die gleiche Zeit schuf der Maler und Bildhauer Georg Gschwendtner aus Karlstein bei Bad Reichenhall die Gemälde auf den Altarflügeln. Sie stellen dar, wie die Menschen die Fürbitte und Hilfe des hl. Nikolaus erfahren haben: Der Heilige als Kinderfreund, als Helfer bei den Überschwemmungen der Roten Traun und der Umgestaltung in fruchtbares Bauernland sowie die Erhörung der Fürbitte um gute Ernte. Im Zentrum des Hochaltars steht eine Figur des Hl. Nikolaus, in seiner Hand drei goldene Kugeln. Sie dürfte etwa im 15. Jahrhundert entstanden sein während die zwei ihn flankierenden Heiligenfiguren St. Stephanus mit den Steinen und St. Laurentius mit dem Rost aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts stammen. Im Kirchenraum stehen ferner noch die Heilige Katharina, die Heilige Barbara und eine Statue der Gottesmutter mit dem Kind. Alle Heiligenfiguren verbindet, laut Salzeder, dass sie für ihren Glauben zu Christus getötet wurden. Alle gelten aber als Fürsprechen und Helfer für unser Leben. Was unter dem Putz noch für Geheimnisse schlummern lasse sich laut Pfarrer Salzeder nur anhand eines kleinen, freigelegten Fensters erahnen. Vermutet werden, neben diesen Rankenverzierungen auch bildliche Darstellungen und die Wappen zweier Familiengeschlechter aus der Umgebung der Kirche. Sichtbar für alle seien aber die Votivtafeln die den tiefen Glauben und das Gottvertrauen der Menschen zum Ausdruck bringen. Gut sichtbar ist auch der um 1860 entstandene Kreuzweg an den Mauern des Innenraumes. Abschließen rief der Geistliche die Gläubigen dazu auf dafür Sorge zu tragen, dass die Kirche lebendig und dies auch im Schmuck, in der Pflege und der Liebe zu diesem Gotteshaus sichtbar bleibt. Er danke besonders der Familie Kecht und allen die hier mithelfen herzlich für ihr Engagement. Ein letztes Geschenk schickte an diesem Abend die Sonne. Sie tauchte das Kirchenschiff zum Abschluss in ein warmes, wohliges Licht. Bilder (Werner Bauregger)

Glasfenster
Das Glasfenster an der nördlichen Seite
Pfarrer Salzeder re Familie Holzner
Pfarrer Salzeder bei den Betrachtungen mit Katharina und Christian Holzner
geschmückter Innenraum
Geschmückter Innenraum