St. Peter

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Kunst in der Peterskirche

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Mittelpunkt der Peterskirche ist der prächtige, barocke Hochaltar, auf den das Mittelschiff mit seiner Architektur, Figuralplastik und Malerei hinführt.

Egid Quirin Asam und Nikolaus Stuber haben ihn auf dem Höhepunkt des bayerischen Barock geschaffen (1730-1734).

"In einer theatralischen Zusammenschau des von Bernini über dem Petrusgrab in Rom errichteten Baldachins und der dahinter die Apsis füllenden Kathedra Petri mit der Hl.-Geist-Gloriole ist der glanzvolle Hochaltar der Münchner Peterskirche als triumphales Bekenntnis zur römischen Kirche inszeniert."

Lothar Altmanns Beschreibung regt immer wieder zur Betrachtung dieses Bühnen-altars an:

Der thronende Petrus legt die Schrift aus, die vier Kirchenväter hören ihm zu und halten ihre Bücher fest geschlossen. Noch sind die Stuckvorhänge gerafft, sie könnten im nächsten Augenblick fallen: Petrus wäre nicht mehr da, aber die Stunde der verbliebenen Kirchenväter wäre gekommen - sie würden die Schrift nach der Lehre Petri auslegen. In dieser barocken Komposition sind Augenblick und Dauer eine Einheit geworden.

Dieser Bühnenaltar gehört mit den Altären von Weltenburg und Rohr zu den grossen Leistungen des bayerischen Barock.

Die heutigen Päpste haben die Tiara abgelegt, sie lassen sich nicht mehr krönen. In der Münchner Peterskirche ist das noch anders. Aus Gründen der Perspektive hatte Asam der Petrusfigur des spätgotischen Hochaltars die Tiara aufgesetzt,
und daraus konnte sie eine Tradition entwickeln, die bis in unsere Tage lebendig blieb:

Stirbt ein Papst, so nimmt man ihm in der Münchner Peterskirche die Tiara ab und krönt ihn wieder (durch Pfarrer oder Mesner) am Tage seiner Amtseinführung.

Von 1753-1756 wurde das Langschiff dem hochbarocken Chorraum angepasst:

Ignaz Günther gliederte die Wände in den Formen römischer Paläste, Johann Baptist
Zimmermann stuckierte und malte die grossen Fresken. Die Deckenfresken wurden 1998-2000 als letzter Teil des Wiederaufbaus von Hermenegild Peiker wieder-hergestellt.

Nun ist St. Peter wieder im Lot: Der horizontalen Dynamik zum Hochaltar im lichten
Dreikonchenchor, antwortet die Höhe des Langschiffs mit dem Blick in den "Himmel von St. Peter".

St. Peter ist aber auch eine Ignaz-Günther-Kirche. Der Künstler hat nicht nur die beiden Seitenaltäre und eine Reihe anderer Kunstwerke geschaffen.
Das Meisterwerk des späten Ignaz Günther steht in der nördlichen Turmkapelle:

Die Figuren der hl. Katharina und der hl. Margarete des dortigen Altars sind höchstes, verfeinertes Rokoko, ebenbürtig seinen Figuren in der Klosterkirche Rott am Inn.

In der Peterskirche haben sich neben der Fülle barocker Kunstwerke auch Zeugnisse gotischer Kunst von hohem Rang erhalten. Dies sind vor allem die Bilder vom spätgotischen Hochaltar. Der grosse Jan Polack hat zwölf Tafeln dieses Flügelaltars gemalt, nur eine Tafel ist verloren gegangen. Sechs Tafeln mit Szenen aus Petri Leben hängen zu beiden Seiten des Chorraums, die fünf Paulustafeln befinden sich als Leihgaben im Bayerischen Nationalmuseum.

Sehenswert ist auch die "Gotische Kapelle" im vorderen linken Seitenschiff. Hier steht der Schrenck-Altar in Stein,gemeisselt (um 1400), einzigartig im Münchner Raum. Ihm gegenüber zeigt das Pötschner-Altärchen von 1477 ein Triptychon aus der Hauskapelle einer Patrizierfamilie.

Gross ist die Zahl gotischer Grabdenkmäler, allen voran das Aresinger-Epitaph von Erasmus Grasser (1492).

Seit 1998 hütet die Pfarrei ihren reichen Kirchenschatz in einer Schatzkammer, die vom Architekturbüro Landau + Kindelbacher gestaltet wurde. Sie ist kein Museum, sondern hält die vielen Kostbarkeiten für die heilige Liturgie bereit.

An Festtagen wird die grosse Diamantenmonstranz im Gottesdienst gezeigt. In der Zeit der Säkularisation wurde sie beschlagnahmt und sollte eingeschmolzen werden, doch der damalige Mesner löste mit einigen Gemeindemitgliedern die Monstranz auf der kurfürstlichen Münze um teures Geld wieder aus und rettete so dieses Kunstwerk.

Der andere Stolz der Schatzkammer ist eine kunsthistorische Rarität: die grosse indische Perlmutt-Truhe, ein Geschenk des Hauses Wittelsbach an die altehrwürdige
Corporis-Christi-Erzbruderschaft.

Reich ist St. Peter an barocken Paramenten, die der Schönheit des Gottesdienstes dienen.
So entfaltet sich immer wieder im Chorraum ein "theatrum sacrum", ein heiliges Schauspiel der römischen Liturgie. Um das zu verstehen, muss man in der Peterskirche etwa die feierliche Vesper am Dreikönigsfest erlebt haben.

Wird bei solchen Gottesdiensten nicht ein Gesamtkunstwerk im umfassenden Sinne verwirklicht?

Es lohnt sich,darüber nachzudenken, dass der Mensch auch im Gottesdienst ein Sinnenmensch ist und bleibt. Er betet, denkt oder fühlt wie der Psalmist:

"Ich liebe, Herr, die Zierde deines Hauses, die hehre Wohnung deiner Herrlichkeit."

Nehmen Sie also die Einladung an und kommen Sie immer wieder in unsere schöne Peterskirche.
Als man sich anschickte, St. Peter ein barockes Kleid zu geben, hat der evangelische Pfarrer Benjamin Schmolck (1672-1737) ein schönes Kirchenlied gedichtet. Dessen erste Strophe ist wie eine überzeugende ökumenische Einladung:

"Tut mir auf die schöne Pforte,
führt in Gottes Haus mich ein.
Ach, wie wird an diesem Orte
meine Seele fröhlich sein.
Hier ist Gottes Angesicht,
hier ist lauter Trost und Licht."

Dokumente des Pfarrachivs
erreichbar über

Monasterium.net