St. Peter

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Abb. 1 Titel Ewig-Licht-Ampel

Liebe Pfarrangehörige und Freunde der Münchner Peterskirche,



vor genau einem Jahr, in den „Pfarrnachrichten St. Peter“ (Ausgabe Aug./Sept. 2015), durfte ich Ihnen Gedanken zur Verehrung der Gottesmutter in der Stadtpfarrkirche St. Peter vorlegen und Ihnen damit zusammenhängend darlegen, wie hier von Anfang an
und über viele Jahrhunderte hinweg eine besondere marianische Frömmigkeit ihren Platz hatte.

Anknüpfend an diese bis heute lebendige Tradition sollten auch bestimmte Formen der Marienverehrung, die hier in der Vergangenheit bezeugt sind, wiederbelebt werden, etwa – an Tagen, an denen dies nach den geltenden liturgischen Regeln möglich ist –
die Feier des sams täglichen Mariengedächtnisses („Sancta Maria in Sabbato“ – in St. Peter bezeugt seit 1294) und der allabendliche Gang zum Mariahilf-Altar mit dem gebeteten oder gesungenen Gruß an die Gottesmutter im Anschluss an die Abendmesse.

In Bezug auf das 1987 vom ehemaligen Kirchenpfleger Otto Fischer herausgegebene Werk „Was der ‚Alte Peter‘ erzählt“ durfte ich in besagter letztjähriger Ausgabe der Pfarrnachrichten noch eine weiteres Vorhaben ankündigen. Ich schrieb damals wörtlich:

Ein „Ewige(s) Licht am Mariahilf-Altar findet sich noch auf vielen alten Fotografien und Darstellungen aus der Vorkriegszeit. Mit den Kriegszerstörungen ging die Ewiglicht-Ampel wohl verloren und seitdem brennt dieses Andachtslicht zu Ehren der Gottesmutter leider nicht mehr am Marienaltar von St. Peter. Sobald sich im
Antiquitäten- und Kunsthandel eine passende barocke Ewiglicht-Ampel finden und erwerben lässt, soll aber wieder das traditionelle blaue Ewige Licht Tag und Nacht, ‘prinnen … vor unserer lieben Frauen der Jungfrauen Maria altar‘ zum Zeichen
nie erlöschender Liebe und Verehrung, so wie dies … bis heute an vielen Marienwallfahrtsorten der Brauch ist. Damit verbunden sei schon heute die Bitte: Möge die Gottesmutter dieses Zeichen der Liebe und Verehrung vor ihrem Gnadenbild in St. Peter annehmen und es an dieser Stätte jedem Beter und jeder Beterin durch
ihre machtvolle Fürsprache und ihren mütterlichen Schutz vergelten in Zeit und Ewigkeit!“

Kaum waren diese Zeilen geschrieben und gedruckt, kaum war die neue Ausgabe der Pfarrnachrichten in den ersten Augusttagen letzten Jahres in Um lauf, erhielt unser Pfarrarchivar Herr Haidn – überraschend und völlig unabhängig von dieser Veröffentlichung in den Pfarrnachrichten – einen Anruf aus dem Diözesanmuseum
in Freising: Mitarbeiter des Diözesanmuseums, so hieß es, hätten durch Zufall (!) eine Ewiglicht-Ampel im Kunsthandel entdeckt und sofort käuflich erworben, die allem Anschein nach die lange verloren gegangene Marienampel vom Mariahilf-Altar von St.
Peter sei!

Es ist schon „wunderbar“: Die alte barocke Ewiglicht-Ampel des Mariahilf-Altars findet nach so langer Zeit wieder ihren Weg nach St. Peter! Und der zeitliche Zusammenhang, in dem dies ge schieht, erscheint doch wie ein kleines Zeichen des Himmels…

Die Ampel, die im Jahr 1743 nach dem Vorbild einer ersten Marienampel aus dem Jahr 1425 gestiftet wurde und seit damals am Mariahilf-Altar vor dem Gnadenbild von St. Peter brannte, war allerdings nicht, wie von mir vermutet, erst nach dem Krieg verloren gegangen, sondern wohl schon seit gut zweihundert Jahren verschollen. Sie wurde vermutlich im Zuge der Enteignung von Kirchengütern während der Säkularisierung entwendet. Man hat dann wohl die der Gottesmutter „gestohlene“ Ampel in der Folge durch ein recht einfaches und schlichtes Ewiges Licht ersetzt, das
seinerseits bei den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges ebenfalls verloren ging.

Mittlerweile ist die von Mitarbeitern des Freisinger Diözesanmuseums im letzten Jahr „zufällig“ im Kunsthandel entdeckte, so lange verschollene Marienampel von St. Peter ausgiebig untersucht, fachgerecht restauriert und von der Pfarr- und Kirchenstiftung
St. Peter zurückgekauft worden. Sie ist in der Tat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die barocke Ampel vom Mariahilf-Altar, die vor über 270 Jahren aus Dankbarkeit für erfahrene Hilfe von einem Marienverehrer gestiftet wurde. Sie verbindet sich als Votivgabe somit auch mit dem ersten, im Jahr 1425 von Hans dem Pirmater, einem Münchner Bürger, gestifteten Ewigen Licht, das als Zeichen nie erlöschender Liebe und Verehrung „alle tag und alle nacht ewicklich prinnen soll vor unserer lieben Frauen der Jungfrauen Maria altar“.

Am Sonntag, dem 11. September 2016, dem alljährlichen Hauptfest der Maria-Hilf-Bruderschaft, soll die alte barocke Marienampel wieder feierlich an ihren Platz zurückgeführt und von neuem zu Ehren der Gottesmutter entzündet werden. Sie wird dann auch die Tradition von 1425 mit der ursprünglichen Stiftung des frommen Bürgers Hans Pirmater wieder erneuern und fortführen.

Zugleich wird sie für unsere Zeit, für die Gegenwart und – so Gott will – in Zukunft für viele weitere Jahrzehnte und Jahrhunderte, Zeichen der Verehrung und der Liebe zur Gottesmutter sein, die wir ihr heute und morgen in St. Peter erweisen wollen gemäß
ihrem eigenen Wort im Magnificat: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

Ich darf Sie herzlich einladen, bei der Sonntagsfeier von Mariä Geburt, am 11. September, das Festamt um 9.30 Uhr mitzufeiern und die Übergabe der verschollenen Marienampel mitzuvollziehen als Ihr eigenes, als Ihr ureigenes Zeichen der Verehrung der Gottesmutter und der Liebe zu ihr. Das blaue Licht der alten Marienampel soll erneut vor ihrem Bild brennen. Es soll durch sein stilles Brennen Tag und Nacht vor dem Gnadenbild Mariahilf unser aller Beten und Bitten zum Ausdruck bringen und fortführen sozusagen als ein „Gebet ohne Worte“, als ein nonverbales Lobpreisen
und Bitten am Gnadenthron der Gottesmutter.

Die Ewiglicht-Ampel vor dem Gnadenbild Mariahilf in St. Peter soll Tag und Nacht ohne Worte dasselbe zum Ausdruck bringen, was die alte Inschrift darunter besagt und erbittet:

„Nos cum prole pia, benedicat virgo Maria“ –
„Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib“.


Hans-Georg Platschek
Domkapitular
Stadtpfarrer von St. Peter
Herzlich Willkommen in unserer Pfarrei St. Peter.