St. Sebastian

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Warum brauche ich eine Pfarrgemeinde?Gedanken eines Pfarrgemeinderats aus Weihnachtspfarrbrief 2007

Beim Gedanken einen Beitrag über den Wert der Gemeinde für mich zu schreiben, erinnerte ich mich, dass ich einen solchen schon mal geschrieben habe. Damals habe ich im Münchner Norden gewohnt, wo ich aufgewachsen bin, in der Gemeinde St. Gertrud.
Meine Gedanken wurden damals auch in den Pfarrbrief aufgenommen, im Jahre 1981, also vor 26 Jahren. Da habe ich mir jetzt überlegt, ob ich heute etwas anderes schreiben muss, nach so langer Zeit, in einer ganz anderen Gemeinde.
Ich habe mir den Beitrag von damals also durchgelesen, so wie er nachfolgend steht. Vielleicht können Sie selbst prüfen, ob er noch aktuell ist.

November 1981, Pfarrbrief der Pfarrgemeinde St. Gertrud „das Fenster“

Unsere Kirche
Ist es Ihnen auch schon so gegangen? Ich komme aus dem Urlaub oder sonst wo zurück und sehe das erste Mal wieder unsere Kirche. Man sieht ja schon von weitem den einfachen weißen, hohen Turm. Obwohl ich schon sehr viel schönere und wertvollere Kirchen gesehen habe, beim Anblick unserer Kirche empfinde ich ein besonderes Gefühl. Es lässt sich nicht so genau beschreiben. Es ist so eine Mischung aus Vertrautheit, Geborgenheit und Sympathie.
Woher kommt das, habe ich mich gefragt? Trotz aller äußerlichen Bescheidenheit bedeutet mir unsere Kirche mehr als andere, meist viel schönere Kirchen.
Da kann es also nicht an den Baulichkeiten liegen, es muss etwas anderes sein. Was könnte das anderes sein? Es müssen wohl die Menschen sein, die diese Kirche beleben und ausmachen, die ganze Gemeinde.
Und warum bedeutet mir nun diese Kirche, diese Gemeinde so viel? In erster Linie ist diese Kirche der Mittelpunkt meines religiösen Lebens. Jeder Mensch hat einen religiösen, spirituellen Inhalt im Leben - mehr oder weniger -, auch wenn er das oft nicht wahrhaben will, dies ist ein Teil des Menschen. Man braucht ihn aber auch im Alltag, eine Orientierung, wie ihn der Glaube uns Christen gibt. Etwas, was über das tägliche Aufstehen, Arbeiten und wieder ins Bett gehen hinausgeht.
Auch Menschen, die glauben, so etwas nicht zu brauchen, suchen im Innersten nach diesem Inhalt.
Diesen Inhalt gibt mir zum großen Teil unsere Kirche, unsere Gemeinde: Beim In-sich-gehen während ruhiger abendlicher Gottesdienste, geistlicher Meditationsabende und beim Feiern schöner, festlicher Gottesdienste. Unsere Kirche hilft mir weiter in den Fragen des Glaubens, des Suchens. Durch Diskussionen und Gespräche, sei es mit anderen Gemeindemitgliedern oder mit dem Pfarrer oder einem seiner Mitarbeiter.
Diese Kirche ist für mich der ruhende Pol in dem Durcheinander unserer hektischen Zeit. Sie gibt mir Kraft und die Orientierung zu versuchen, den Herausforderungen unserer Zeit standzuhalten. Daneben ist es natürlich schön, bei Tanzabenden oder anderen fröhlichen Feiern mit Gleichgesinnten zusammen zu sein.
Oft werden praktische Probleme durch Erfahrungsaustausch gelöst, oder einfach relativiert durch die Erkenntnis, dass andere auch ähnliche Probleme haben.
Wen man dies alles zusammenfasst, kann unsere Kirche, unsere Gemeinde jedem Menschen helfen, einen Sinn für sein Leben zu erkennen, ein Zuhause geben. Und jetzt erklärt sich auch, warum mir gerade unser Kirchturm so gut gefällt.

Soweit mein Beitrag aus dem Jahre 1981. Jeder mag das für sich selbst beurteilen, wie aktuell das noch ist.
Mich hat es sehr stark beeindruckt, wie selbst nach 25 Jahren intensivem Leben mit vielem auf und ab für mich das immer noch genauso aktuell ist und für meine jetzige Gemeinde in Gilching geschrieben zu sein scheint. Das ist nicht nur der weiße einfache Turm - aber auch der passt -, ich würde es heute kaum anders schreiben. Und das ist eigentlich das Erstaunliche daran, man hätte ja damals sagen können: da bin ich halt aufgewachsen, da wurde ich hineingeboren, ich habe es nicht anders gekannt und außerdem war ich ja auch noch wesentlich jünger und habe die Welt noch nicht so gekannt und erlebt - heile Welt - .
Erstaunlich also, dass all dies auch jetzt noch für mich gilt, obwohl es nun ein ganz anderer Ort, ein anderes Kirchengebäude und ganz andere Menschen sind.
Wenn man das aber nach so langer Zeit wieder genauso empfindet, nachdem sich diese Einstellung in den Härten des Lebens behaupten musste, dann beweist das für mich, wie richtig das auch heute noch ist: dass nicht das einzelne Kirchengebäude, der einzelne Mensch und auch nicht der Ort, sondern die Gemeinschaft, die Gemeinde, das Zuhause sein lässt, unabhängig davon, wo das ist.

Michael Schreindorfer, Pfarrgemeinderat