St. Sebastian

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Die jungen Alten

Auszug aus dem ökumenischen Pfarr- und Gemeindebrief 2010

„Von wegen grau“Über die neue Generation der jungen Alten

Die Welt ist bunt und wird immer bunter. Auch die Welt des Alterns. In Gottesdiensten wird noch gelegentlich in einem Atemzug für „die Alten und Kranken“ gebetet. Doch das Lebensgefühl vieler reifer Menschen sieht anders aus. Wer heute zur Generation „60plus“ gehört, ist meist noch sehr aktiv und will etwas erleben.
Tina Turner rockt mit 70 Jahren über die Bühne. Götz George dreht mit 71 Jahren „Nur die Guten sterben jung“. Das Fernsehen wirbt mit 65 Jahre alten Models, und Städte wie München veranstalten 50-plus-Events. Zum Beispiel die berühmte „66“, Deutschlands größte Jungsenioren-Messe.
„Das“ Alter und „die“ Alten gibt es nicht mehr. Altern wird bunter und vielfältiger. Was sagt schon die Zahl der Lebensjahre über einen Menschen? Früher galten Frauen und Männer ab 60 einfach als „die Senioren“. Heute unterscheidet man ein Drittes und Viertes Lebensalter, denn die Sechziger haben mit den Achtzigern wenig gemein. Die jungen Alten wollen nicht so sehr ausruhen, sie wollen selbst gestalten. Sie sind aktiv, unternehmungslustig, wollen jetzt das tun, was bisher zu kurz gekommen ist. Sie suchen nach und neben dem Berufs- und Familienleben noch etwas anderes: Einsatz in Bürgerinitiativen, Sozialdiensten oder Kirchengemeinden. Reisen. Noch mal zur Uni gehen. Die eigene Website gestalten. Ein Buch schreiben. Sie suchen neue Identität und neuen Lebenssinn.
Was haben ihnen die Kirchen zu bieten? Faktisch werden viele generationsübergreifende Gemeindeveranstaltungen vorwiegend von jungen Alten besucht – wie etwa in der Erwachsenenbildung. Spezielle Angebote für Jungsenioren findet man jedoch selten.
Dass die kirchliche Seniorenarbeit so bunt und vielfältig wie die Welt des Alters wäre, davon kann keine Rede sein. Dabei haben die jungen Alten etwas zu bieten mit ihrer Lebenserfahrung, ihrer Fantasie, ihrer Zeit, ihrem beruflichen Können, ihrem Mut, Dinge anzusprechen, und ihrer Fähigkeit, Dinge in einen weiteren Horizont zu stellen.
Auf dieses Potenzial kann unsere Gesellschaft, aber auch unsere Kirche weniger denn je verzichten. Die Einschätzung, die der Theologe Ernst Lange in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts formulierte, ist nach wie vor gültig: „Sie wissen mehr, sie können mehr, sie sind mehr, als von ihnen gefordert wird. Ihnen selbst, der Gesellschaft und am Ende eben dem Weltauftrage des Glaubens ist nur entsprochen, wenn ihre Verantwortlichkeit voll in Anspruch genommen wird.“ Vielleicht ist es an der Zeit, die Fragestellung umzukehren: Was haben die jungen Alten den Kirchen zu bieten?
Pfarrer Dr. Marcel Nieden

„Die jungen Alten“ - vier Vertreter aus unseren beiden christlichen Kirchen machen sich Gedanken

Werner Deiglmayr, Michael Schreindorfer, Ingrid Rautenberg und Ulrich Kobler (von links nach rechts) tauschen sich angeregt über das <br/>notwendige gesellschaftliche und kirchliche Engagement der „junge
Werner Deiglmayr, Michael Schreindorfer, Ingrid Rautenberg und Ulrich Kobler (von links nach rechts) tauschen sich angeregt über das notwendige gesellschaftliche und kirchliche Engagement der „jungen Alten“ in Gilching und Weßling aus.

Herr Michael Schreindorfer (St. Sebastian), Sie sind 60 Jahre und nicht mehr berufstätig, sind Sie ein „junger Alter“?

Mit den Begriffen jung und alt kann ich so recht wenig anfangen, auch wenn ich nicht umhinkomme festzustellen, dass ich jetzt älter bin als früher.
Ich kenne so viele Alte, die dermaßen beweglich, flexibel, neugierig und kreativ sind. Auf der anderen Seite gibt es so viele Jugendliche und junge Erwachsene, die so was von festgefahren und unflexibel sind, sodass für mich klar ist, dass die Begriffe jung und alt insoweit nicht die entscheidenden Eigenschaften eines Menschen ausmachen, vielmehr Dinge wie Lebensfreude, Interesse und Lebendigkeit und Persönlichkeit.
Wobei zu bemerken ist, dass die Lebensphase ohne 10-Stundentag, ohne täglichen Druck, ohne Sorge um Arbeitsplatz und Existenz einem jungen Alten immense Freiheiten ermöglicht, die Lebensfreude, Interesse und Lebendigkeit sehr positiv beeinflussen. Wenn man dann Dinge, die man im Leben früher oft nicht so ganz richtig gemacht hat, auch noch beherzigt, dann erlebt man – so geht es zumindest mir – die fast angenehmste Lebensphase, mit einer Mischung aus täglichen Aufgaben ohne Druck, verbunden mit Zeit für die eigenen Interessen oder einer Weiterentwicklung in Richtungen, die durch die Arbeitphase und Familie bislang zu kurz kommen musste.
Ich denke, hier wird klar, dass die Begriffe alt und jung hier nicht so ganz passen, sie stellen ja in unserer Gesellschaft eine gewisse Wertung dar, die aber angesichts der vielen positiven Möglichkeiten, die eben nur durch ein gewisses Lebensalter möglich sind – ohne Arbeit und Druck – der Qualität dieses Lebensabschnittes in keiner Weise gerecht werden.

Warum sollten sich die jungen Alten mehr in die Kirchen einbringen?
Unsere Kirchen sind mehr und mehr keine Volkskirchen mehr, wie das vielleicht noch vor 50 Jahren und Jahrhunderte zuvor noch selbstverständlich war. Wenn Kreuze verboten werden in unserer Gesellschaft zeigt das, dass wir nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung sind. Ich habe einmal gelesen und das hat mich beeindruckt:
„Die zunehmende Stärke der anderen Glaubensgemeinschaften und Sekten und des immer größer werdenden atheistischen Anteils der Bevölkerung ist die immer größer werdende Schwäche der christlichen Kirchen! Diese Bereiche füllen einfach das Vakuum aus, das immer mehr verschwindende Werte wie Religiosität, Moral, Ethik und Sinn des Lebens hinterlassen haben.“
Das bedeutet, dass natürlich alle Christen aufgefordert und notwendig sind, dieser Schwäche zu begegnen.
Im Gegensatz zu früher gibt es aber heute durch die steigende Lebenserwartung einen immer größer werdenden Anteil an noch meist relativ gesunden, gut ausgebildeten und zeitlich flexiblen Menschen im Ruhestand. Diese haben im Gegensatz zu jungen Leuten, die den Schwerpunkt auf ihre Ausbildung legen, von Erwachsenen, die ihren Schwerpunkt in der Familie und dem Beruf haben, sozusagen „den Rücken frei“, auf der Basis einer großen Lebenserfahrung. Diese jungen Alten haben mehr als andere Gruppen in der Bevölkerung die Möglichkeit und damit aber auch die Verpflichtung, ihre „Talente“ und ihre Zeit in Defizite unserer Gesellschaft und Kirchen einzubringen.

Was können die jungen Alten in die Kirchen einbringen?
Wie schon gesagt, sind die jungen Alten der Teil der Gesellschaft, der die größten Kapazitäten an Zeit und Know-how sowie Lebenserfahrung hat und diese Talente aufgrund der persönlichen Situation ohne 10-Stundentag und kleinen Kindern auch einbringen kann.
In Zeiten des Priestermangels und immer größerer Pfarrverbände werden in Zukunft immer mehr Laien notwendig sein, um die Kirchen am Leben zu erhalten. Schwerpunkte von Aktivitäten könnten natürlich neben verstärkten Laiendiensten vor allem auch Bereiche bilden, die in den Kirchen notwendig sind, aber nicht originäre Seelsorge sind. Wie schaut es denn in der Praxis der Pfarreien und Pfarrverbände aus, da ist der Pfarrer – der eigentlich Seelsorger sein soll – in erster Linie Manager eines Pfarrunternehmens. Da geht es um Haushalt, Personal, Besoldung, Bauwesen, Kindergärten, Horte, Repräsentation in den politischen Gemeinden – und das alles mit einem theologischen Studium, das kaum auf diese tagtäglichen Schwerpunkte einer Pfarrverwaltung vorbereitet. Für Seelsorge bleibt da doch kaum mehr Zeit, bedauern alle Pfarrer. Hier könnte das oft jahrzehntelange Know-how von z. B. Bankern, Verwaltungsbeamten, Handwerkern, Buchhaltern oder Architekten zum einen viel effektivere Ergebnisse erzielen lassen und zum andern bliebe den Priestern viel mehr Zeit für ihren Kernbereich, der Seelsorge.

Könnten diese jungen Alten auch etwas für die Ökumene bewirken?
Selbstverständlich, denn wenn ich jetzt von mir ausgehe, bewirken meine Erfahrungen eindeutig, dass die christlichen Kirchen nur dann eine Zukunft haben, wenn sie sich auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen, anstatt sich in Grabenkämpfen zu ergehen und damit den zunehmend atheistischen Teil unserer Gesellschaft und anderer wachsenden Religionen zu verstärken. Das heißt ja nicht, dass wir die uns jeweils wichtigen Dinge unserer Religionen aufgeben müssen, sondern die doch unzweifelhaft vorhandenen gemeinsamen Wurzeln in Christus stärken und vielleicht zunehmend zusammenwachsen nach Möglichkeit.
Diese Lebenserkenntnisse der jungen Alten, die sich im Laufe des Lebens so ergeben und gefestigt haben, müssen Teil der breiten Basis der Gläubigen werden. Dies ist umso wichtiger, als nach meiner Meinung sich die Hierarchien der verschiedenen christlichen Kirchen sehr schwer tun, aufeinander zuzugehen, weil sie ihre Positionen und Eigenheiten nur ungern aufgeben, weil sie ja in ihren jeweiligen „Schubläden“ erzogen und ausgebildet wurden. Da ist die Meinung und der Einfluss der gesamten Gläubigen in allen christlichen Kirchen erforderlich.

Dann würde also alles besser?
Das müssen wir abwarten, es würde momentan schon ausreichen, wenn es nicht zunehmend schlechter würde. Dazu müssten aber auch noch einige andere Dinge verändert werden, z. B. genügt meiner Meinung nicht nur, dieses Know-how, die Lebenserfahrungen und Kapazitäten der jungen Alten in die Kirchen einzubringen. Die Kirchen müssten sich auch in ihren Organisationsstrukturen deutlich ändern, müssten zulassen, dass auch Laien verantwortlich Aufgaben übernehmen. Solange für alle täglichen Dinge immer der Pfarrer verantwortlich ist und die fachlich versierten Laien lediglich Hilfstätigkeiten verrichten können, wird sich nichts wirklich ändern. Hier müssen die Kirchen für die Pastoral an sich unwesentliche Administrationsaufgaben loslassen, Dinge den Laien verantwortlich überlassen (es wird sicher Strukturen geben können, die eine notwendige Verantwortung und auch Einflussnahme der Kirchenhierarchie gewährleistet), sonst wird man kaum qualifizierte Laien für Fachfragen finden, die sie in ihrem Leben in verantwortlicher Position vielfach geleitet haben, in den Kirchen dann aber erst das o.K. der theologischen Kompetenz einholen müssen.

Ein Schlusswort
Die „jungen Alten“ haben aufgrund ihrer Möglichkeiten eine Verantwortung für unsere Gesellschaft und die Kirchen. Die Kirchen müssen diese Verantwortung aber auch zulassen.
Die immer stärkere Einbeziehung aller Gläubigen und insbesondere – aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation – der „jungen Alten“ ist für die weitere Zukunft der Kirchen lebensnotwendig. Es ist diese Mitarbeit und für eine Gemeinschaft und für einzelne Menschen aber nicht nur notwendig, sondern besonders sinnvoll, sinn-stiftend und bringt trotz aller damit einhergehenden Mühen auch sehr viel Freude bzw. Lebensfreude. Dies vielleicht zur Motivation noch Unentschlossener.

Herr Ulrich Kobler (St. Johannes), Sie sind 70 Jahre und nicht mehr berufstätig, sind Sie ein „junger Alter“?

„Junger Alter“ ist meines Wissens eine Wortschöpfung von Soziologen aus den 90er Jahren und soll auf die Übergangsphase zwischen nicht mehr und noch nicht hindeuten. Es ist eine Zeit doppelter Freiheit: schon frei von Beruf und elterlicher Verpflichtung und noch frei von Krankheit und Gebrechen. Während das psychische Wohlbefinden einhergehend mit Gelassenheit und Ausgeglichenheit eher zunimmt, gehen Angespanntheit, Nervosität und Gereiztheit zurück.
Von Martin Buber stammt: „Alt sein ist ein herrlich Ding, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heißt“. Und so fing ich vor einigen Jahren an, mich ehrenamtlich im Kindergarten und beim Glockenprojekt einzubringen, wobei heute beide Aufgaben beendet sind.

Warum sollten sich die jungen Alten mehr in die Kirchen einbringen?
Der Anteil der Menschen im höheren Alter steigt, der Anteil der Jüngeren ist hingegen rückläufig. Schon deshalb sollten sich die jungen Alten mehr einbringen. „Die Arbeit kann einen umbringen, aber die Untätigkeit kann es ebenso.“ Das Einbringen kann jedoch von niemand verordnet werden.
Unsere Generation muss zuerst selbst entdecken, dass das, was sie privilegiert, ein Geschenk Gottes ist. Dann kann sie von ihrem großen Schatz an Lebens-, Berufs- und Glaubenserfahrung, an Ideen und Kreativität sowie an Zeit gepaart mit Weisheit glaubhaft weitergeben. Z. B. an Junge, denen sie damit im und durchs Leben unterstützend Wegbegleiter sein können und dabei im Miteinander selbst beschenkt werden.

Was können die jungen Alten in die Kirchen einbringen?
Es ist ja richtig, dass man mit dem Eintritt in die dritte Lebensphase (Rente) geistig und körperlich noch fit sein kann (dritte und vierte Lebensphase, wobei die Abgrenzung der Grad der Freiheit von Behinderungen und schweren Krankheiten ist). Wie schon erwähnt, haben die jungen Alten einen großen Schatz an Lebenserfahrung und Berufswissen, neuen Ideen und oft auch noch die nötige Energie Aufgaben anzupacken und in die Tat umzusetzen. Es gibt viele Felder, in denen sich die jungen Alten, je nach Fähigkeiten einbringen können, wie: Gemeindeleben (Mesner-, Lektorendienst…), Glaubenskurse (alpha-Kurs), Diakonie (Geburtstagsbesuche, Altenbesuche, Vorlesen …), Jugendberatung (Start in den Beruf) u. v. a. m. Es erfordert jedoch eine echte gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung. Keine Rolle als Lückenbüßer für wegbrechende Ressourcen, sondern verantwortliche Mitwirkung. Auch können die „jungen Alten“ sich nach Matth. 28, 19 ff. beauftragen lassen. („Darum gehet hin und lehret alle Völker ...“)
Könnten diese jungen Alten auch etwas für die Ökumene bewirken?
Sicher können viele nicht nur zwischen den Generationen, sondern auch zwischen den Konfessionen Brückenbauer sein. Mit gemeinsamen Projekten kann das gegenseitige Verständnis vertieft werden. Auch können wir damit der Herausforderung unserer Zeit, christliche Werte und den christlichen Glauben in unserer Gesellschaft glaubwürdig zu vertreten, eher gerecht werden.

Dann würde also alles besser?
Besser würde sicher nicht alles, aber vieles könnte im Miteinander auch in gegenseitiger Achtung der Eigenständigkeit und nicht im Versuch der Vereinnahmung zum besseren Verständnis beitragen.

Ein Schlusswort
Die Gemeinschaft von jung und alt über die Bekenntnisse hinweg kann viel Positives bewirken, wenn der weit verbreitete Egoismus zugunsten eines regen Gemeindelebens zurückgenommen wird. Gemeinsam sind wir stark. So könnten allgemein interessante Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte und Feiern eine Schwellenangst für kirchliche Räume überwinden und neuen Schwung durch Offenheit für Neuerungen, Förderung des Teamgeistes und Delegation von Verantwortung durch Souveränität der Verantwortlichen in unsere Gemeinden bringen. Gemeinsam geht vieles leichter und besser. Unser Lebensgefühl: „Wir sind da, wenn Ihr uns braucht.“

„Es gibt immer zu tun“Werner Deiglmayr (St. Sebastian)

Jetzt gelte ich also mit fast 70 Jahren als „junger Alter“. Das bringt mich ins Grübeln. Jung geblieben – vielleicht - noch einigermaßen fit, weißhaarig aber sonst äußerlich ganz intakt, immer noch neugierig, experimentierfreudig und voller Pläne. Glück gehabt und nicht zermürbt und verbraucht in 40 Jahren Berufsleben. Und überall schauen mich Aufgaben an, die erledigt sein wollen, die ich zu erledigen mithelfen kann. Warum eigentlich nicht ?
Der alte Pensionär hat ja Zeit, er wurzelt in einem geordneten Hauswesen, hat keine finanziellen Sorgen, dafür aber etwas Lebenserfahrung und Menschenkenntnis gesammelt, auch eine Portion Gelassenheit und ein paar nützliche Fähigkeiten erworben.
Soll das alles nur dem Erhalt der eigenen vier Wände dienen, der Unterstützung von Kindern und Enkelkindern oder einer möglichst attraktiven Freizeitgestaltung?
Ich musste sie nicht suchen, sie kamen vielmehr auf mich zu, die unterschiedlichen Aufgaben, die es in einer Pfarrei zu erledigen gibt, und zwar schon lange bevor ich zum „jungen Alten“ wurde. Sprangen die Aufgaben nicht gleich ins Auge, gab es einen sanften Anstoß, weil ein Pfarrer, eine Pastoralreferentin oder ein anderes Gemeindemitglied um Unterstützung und Mitarbeit bat.
Das fing an mit Kommunionhelfer- und Lektorendienst, Gestaltung von Kindergottesdiensten, Hilfe bei Pfarrfest wie Weihnachtsbazar und erweiterte sich durch Mitgliedschaft in Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung sowie im Vorstand des Vereins Ökumenische Hilfe Gilching. Reichliche Betätigung gab es in der Pax-Christi-Gruppe und im Orgelförderkreis. Der Sicherheitsbeauftragte für den Kindergarten wurde mir angetragen, die Federführung im Projekt „Ökobilanz der Pfarrei“ und zuletzt der Pfarrei-Beauftragte für den 2. ökumenischen Kirchentag. Beim Kirchenpfleger musste ich mich um des häuslichen Friedens willen verweigern.
Es war und ist gut und richtig, sich für die Pfarrei und ihre Menschen zu engagieren, und zwar nicht nur aus Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein oder aus christlicher Nächstenliebe. Eine genetisch bedingte dicke soziale Ader und ein ebensolcher Hang zur Lösung lösbarer Probleme waren stark beteiligt.
Die übernommenen Aufgaben haben in erster Linie Zeit gekostet, manchmal auch Nerven, waren teilweise mit viel Schreibarbeit, gelegentlich auch mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden und häufig wesentlich umfangreicher als anfangs gedacht. Sie haben aber ebenso Genugtuung verschafft, denn es gab immer mehr Erfolg als Enttäuschung, vor allem aber gab es viele Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften. Ich halte Mitarbeit für den besten Weg, um in eine Gemeinde hineinzuwachsen und sie mit zu gestalten.
Weil viele Junge und eben auch viele „junge Alte“ in unserer Pfarrei das wohl genauso sehen, ist sie so aktiv und lebendig. Schade, dass diese Gemeinschaft immer wieder durch schwer auflösbare Zerwürfnisse und Konflikte belastet wird. Hier könnten sich wohl die „jungen Alten“ beiderlei Geschlechts mit Einfühlungsvermögen und Geduld mehr als bisher moderierend und beratend nützlich machen.

Aufgemerkt! mit Ingrid Rautenberg (St. Johannes)

In Zukunft werden die Menschen mit 65, in Kürze sogar erst mit 67 Jahren, in den Ruhestand gehen können. Die Wirtschaft, wie auch die Kirchen haben den Stellenabbau soweit vorangetrieben, dass die Arbeitswelt hart, der Kampf um Arbeitsplätze unerbittlich geworden ist. Viele Menschen verlassen schon heute den Arbeitsplatz erschöpft und mit erheblichen psychischen Problemen belastet. Und das wird schlimmer werden.
So „jung“ werden also die Alten in Zukunft gar nicht mehr sein. Mehr oder weniger abgearbeitet, haben sie nicht annähernd so viel Zeit wie bisher, die „Freiheit“ uneingeschränkt bei guter Gesundheit auszunützen.
Dazu kommen evtl. neue Aufgaben in der Familie. Enkel sollen betreut, gebrechliche Familienangehörige gepflegt werden. Der Kreis derer, aus dem sich das ehrenamtliche Potential holen lässt, wird kleiner. Daher müssen die Anreize der Kirchen für ehrenamtliche Tätigkeiten größer werden bzw. es muss überhaupt solche Anreize geben.
Wenn die Zukunft der Kirchen von den alten Menschen abhängt - egal wie „jung“ sie evtl. geblieben sind - dann sollten die Kirchen auch darüber nachdenken, wie man die hilfsbereiten „Ehrenamtlichen“ finanziell, und sei es in geringem Maße, belohnt. Davon auszugehen, dass sie mit Gottes Lohn reich beschenkt sind, ist realitätsfremd. Sehr viele Menschen gehen mit einer so kleinen Rente in den Ruhestand, dass sie Mühe haben, monatlich über die Runden zu kommen.
Dieser Personenkreis hat viel freie Zeit, da Freizeit Geld kostet. Ein kleiner finanzieller Anreiz könnte für sie eine Option sein, eine dann eben nicht mehr ganz ehrenamtliche Aufgabe in einer der Kirchen zu übernehmen.
Zur Freude über die Aufgabe käme eben auch die Freude über ein kleines Zubrot. Und eine geringe Rente besagt ja nicht unbedingt, dass die Leute keine Qualifikationen vorweisen können.

Unvollständige Ideen-Tätigkeitsliste für Engagements in einer Pfarrei – nicht nur für „junge Alte“

  • Mitglied der Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand
  • Stellvertretung für Mesner und Hausmeister
  • Mitarbeit im Verein „Ökumenische Hilfe Gilching“
  • Organisation und Mitarbeit Pfarrfest
  • Organisation und Mitarbeit Weihnachtsbazar
  • Mitarbeit bei Arbeitseinsätzen
  • Sammler bei Caritas- und Diakoniesammlung
  • Mitwirkung Pfarrbrief (gestalten, verteilen)
  • Sicherheitsbeauftragter Kindergarten
  • Kommunionhelfer/-in und Lektor/-in
  • Kommunion- und Firmvorbereitung
  • Krankenbesuche, Geburtstagsgratulation
  • Gottesdienstgestaltung (Blumenschmuck)
  • Schaukastenbetreuung
  • Umsetzung Umweltprojekt (Energieeinsparung, Sonnenstromanlage)
  • Mitwirkung im Kirchenchor
  • Unterstützung der Jugendarbeit
  • Beratung der Hauptamtlichen
… jetzt sind Sie gefordert!