St. Sebastian

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Pfarrer_Franz_von_Lueninck_2015

Ist glauben möglich?

Beitrag von Dekan Franz von Lüninck im Osterpfarrbrief 2017:
   
Liebe Gemeinde, 
ist glauben möglich?
 
Ja! Ich bin überzeugt, glauben ist möglich!
Aber, ich weiß, dass viele Menschen sehr darum ringen. Und manche haben die Hoffnung auch aufgegeben. In diesen Zeilen möchte ich versuchen ein paar Hilfen zu geben.
Wenn wir uns wünschen glauben zu können, dann meinen wir damit mehr, als einfach nur eine Tatsache für wahr halten zu können. Glauben ist mehr als die Existenz Gottes für gegeben zu halten. Was wir mit „glauben“ meinen, beschreibt doch vor allem eine Beziehung zwischen diesem Gott und mir. Glaube heißt eine Beziehung zu Gott finden.
Vielleicht wenden Sie jetzt ein: Das mag ja alles so sein, aber zu jeder geglückten Beziehung gehören immer zwei.
Stimmt. Wir können diese Glaubensbeziehung nicht „machen“. Wir können uns nur auf den Weg machen Gott zu suchen. Vielleicht kennen Sie den Satz
„Wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Lk11,10) Ich habe selbst in meinem Leben erfahren, wie wahr dieser Satz ist. Meinen Glauben kann ich nicht „machen“, aber ich kann Gott suchen. Und Er macht, dass ich Ihn finden kann.
Es klingt vielleicht etwas banal, wenn ich auf die Frage, wie man glauben kann, antworte, man soll Gott suchen. Aber ich bin überzeugt, Gott will sich finden lassen. Mehr noch, er sucht jeden von uns. Im Bild des guten Hirten, der jedem, der sich verloren hat, nachläuft, wird dies besonders schön ausgedrückt. Jesus ist dieser „Gute Hirte“ . Er sucht uns. Er tut alles um jeden einzelnen zu finden und von allen möglichen Abwegen zurückzuführen.
Es geht also beim „glauben können“ eigentlich um die Frage, wie wir Gott suchen können.  Der erste wichtige Schritt besteht, wie ich meine, darin, an dem festzuhalten, was wir schon als wahr erkannt haben. Wenn mir etwas von Gott aufgegangen ist oder wenn mir ein Anruf meines Gewissens klar geworden ist, dann gilt es diese Erkenntnis in meinem Leben zu ergreifen. Dass kann z. B. heißen, dass ich erkenne, dass meine Aufgabe ist, jemandem zu helfen und ich es dann auch tue.
Ein zweiter Schritt könnte sein, Gott zu bitten, „Komm in mein Leben“; vielleicht mit dem Zusatz „wenn es Dich gibt.“ Oft scheint es mir, als warte Gott auf unsere Einladung. Er zwingt sich nie auf.
Der weitere Schritt ist die Zuwendung zu unserem „Nächsten“. Mutter Theresa hat die meiste Zeit ihres Lebens Gott vor allem in den armen und kranken Menschen erfahren. Denn wenn du liebst, bist du „nicht fern vom Reich Gottes“. (vgl. Mk 11,10).
Ein wesentliches Mittel um Glauben zu lernen ist das Gebet. Egal wie stark mein Glaube schon ist. Das kann ein fest formuliertes Gebet sein, eine Zeit der Stille vor Gott, die Betrachtung einer Ikone oder eines Kreuzes, das aufmerksame Lesen in der Bibel. Schließlich ist auch die Messe am Sonntag oder auch unter der Woche eine ganz besondere Hilfe gemeinsam zu beten und das Beten zu lernen.
Weiter möchte ich Ihnen raten, auf Ihre Vernunft zu vertrauen. Glaube und Vernunft sind keine Gegensätze, sondern sollen einander erhellen. Suchen Sie – freilich mit kluger Unterscheidung – gute Lektüre, interessante Vorträge und Gespräche.
Ein Mittel auf der Suche nach Gott möchte ich Ihnen ganz besonderes anempfehlen. Auch wenn es Sie vielleicht erstaunt: Die persönliche Beichte. Sehr oft habe ich schon erlebt, wie in diesem Sakrament endlich die langersehnte Freiheit von alten Lasten geschenkt wurde. Und wie dadurch ein neues Leben mit Gott beginnen konnte.
Als letzten Rat auf dieser Suche: Bleiben Sie nicht allein, sondern halten Sie nach anderen Ausschau, nach Menschen, mit denen man unterwegs sein könnte. Das kann die sonntägliche Messfeier sein. Darüber hinaus aber sicher auch Freunde oder Gruppen, mit denen man über den Glauben reden kann.
Unser neues Angebot „Gott und die Welt beim Wirt“ ist nur eins von vielen
Beispielen, mit denen wir als Pfarrgemeinde die Hand dazu reichen.
Ich wünsche uns allen, dass wir zeitlebens „Suchende“ bleiben. Und unserer ganzen Pfarrei wünsche ich, dass wir eine Gemeinschaft sind, in der wir gemeinsam Gott suchen und finden.


Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Franz v. Lüninck


Predigtangebot zum Nachhören und Download

Hier zum Herunterladen und (online) nachhören;
Wenn nicht anders vermerkt, ist Pfarrer Franz von Lüninck der Prediger.