CHORGEMEINSCHAFT BAD AIBLING

Singen ist gesund und hält fit!

Stimmt an die Saiten

26. Dezember 2005

Plakat Weihnachtskonzert 2005

OVB - Kultur - 29. Dezember 2005

Orgel und Geige wacht auf!
von Wiltrud Rothmayer

Der zweite Weihnachtsfeiertag schenkte Musikfreunden wieder einen besonderen Ohrenschmaus. Der Kirchenmusiker der Kirche Mariä Himmelfahrt in Bad Aibling, Konrad Liebscher, hatte wieder zu einem seiner Konzerte geladen. Er bescherte uns einen bunten, köstlichen Weihnachtsteller. Man erwartet inzwischen schon ganz besondere Überraschungen. Und diesmal wurden unsere Erwartungen noch weit übertroffen. Er hatte die Geigerin Veronika Baumgartner mitgebracht. Sie entstammt einer Ostermünchener Familie, in der Musik zum täglichen Brot gehört. Beide, Orgel und Violine, waren kongenial.

„Transeamus usque Bethlehem“ – ein Muß in jeder Christmette – und „Vom Himmel hoch“ vereinte Herbert Paulmichl in einer Orgelkomposition. Erfrischend, gleich zu Anfang zeitgenössische Musik zu hören. Souverän, völlig ruhend im Bewusstsein des Beherrschens ihres Instrumentes, so schenkte uns Veronika Baumgartner eine Händel-Sonate, die aus der obligatorischen Sonatenwiedergabe schon fast ein Concerto grosso Erlebnis machte. Wenn der Orgelzauberer Franz Lehrndorfer ein Concerto für Streicher in Orgelmusik umsetzt, so bedeutet das keineswegs eine Nivellierung. Durch farbige Registrierung und feine Hervorhebung charakteristischer Phrasen ließ uns der Organist dieses umgesetzte „Concerto pastorale“ des Barockkapellmeister Johann Melchior Molter als reizendes, eigenständiges Klangwerk erleben.

Johann Sebastian Bach könnte stolz auf seinen Schüler Johann Ludwig Krebs (1713-1780) sein. Wir kennen viele Bearbeitungen des Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Krebs, Organist an der Schlosskirche in Altenburg schrieb eine Bearbeitung für Orgel und ein Melodieinstrument. Ein Kritiker beklagte bei der damaligen Aufführung, dass es angenehmer wäre, wenn es so klänge, als sei das Instrument ein Register in der Orgel. Nun, wir hatten dieses vortreffliche Erlebnis. Die Geige schmiegte sich äußerst geschmackvoll ein.

Die neuere französische Orgelmusik, an der Wende vom 19. aufs 20. Jahrhundert, hat oft etwas Dramatisches, Pompöses an sich. Man hört noch den alten, barocken Goldrahmen durch. So erging es dem Zuhörer beim feierlichen Offertoire, das Alexander Guilmant auf das französische Weihnachtslied „Joseph et bien Marie“ komponierte. Solch facettenreiche Stücke spielt Liebscher gerne, da kann auch die Orgel einmal so richtig brummen!

Der Seelenschmeichler des Abends wurde eine Pastorale von Josef Gabriel Rheinberger für Violine und Orgel. Wie sich da in Sphärenklängen die beiden Instrumente bewegten, das war wie Engelsreigen. Man hätte das gleich noch einmal hören wollen!

Das folgende kecke Finale von Christian Friedrich Ruppe mit seinen Trillern und schillernden Läufen war ein echtes klassisches Weihnachtsstück.

Sicher hatte jeder Konzertbesucher Vivaldis Jahreszeiten im Ohr. Welches Wagnis, den Winter mit seinem spröden, kratzenden Orchesterklang „nur“ mit Cembalo und Violine aufzuführen. Aber da steht eine junge Frau vorne im Chor und zaubert uns einen Vollklang auf ihrem Instrument hin, unterstützt von dem delikaten Cembalo von Konrad Liebscher, dass man alle Vorbehalte vergisst. Es war wahrhaftig Vivaldis Winter!

Nach großem Durchatmen frenetischer Beifall. Das erforderte natürlich Zugaben. Am ergreifendsten: Liebschers spontane Improvisation „Es ist ein Ros entsprungen“ mit einer keuschen Silbergeige, die nur die Melodie übernahm ohne jegliches eitles Beiwerk.

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