Stadtkirche Traunstein

Mariä Verkündigung, Haslach | Heilig Kreuz, Traunstein
St. Oswald, Traunstein | Johannes der Täufer, Kammer

Aktuelle Mitteilungen aus der Stadtkirche Traunstein

Ostern 2017

MAI 2017

Der Andere ist anders

Der Andere ist anders. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Wahrheit dieses Satzes nicht deutlich wird. der Andere ist nämlich wirklich anders. Anders als ich und anders als alle anderen. Da sind die Bekannten, die seit gefühlten 100 Jahren jeden Sommer für drei Wochen ans Meer fahren. Eine schöne Insel - aber warum immer dasselbe? Und dann der Mitarbeiter, dessen Schreibtisch immer aussieht wie das echte Chaos. Bei mir herrscht Ordnung, versteht sich. Es lässt sich nicht leugnen: Der Andere ist wirklich anders!
So schlicht der Satz "Der Andere ist anders" daherkommt, so viel Potenzial steckt darin. Das Potential zu gelebter, ganz alltäglicher Toleranz nämlich. Wenn ich dem Anderen und mir zugestehe, dass wir anders sind, wenn ich bereit bin, das auszuhalten, dann bin ich mittendrin im Toleranzbereich, der das Leben für mich und die anderen leichter macht. Toleranz, das leitet sich vom Lateinischen "tolerare" ab und bedeutet genau das: Aushalten. Anderesartigkeit aushalten, statt gleichmachen wollen. Das braucht es, um gut leben zu können. Manchmal tun wir uns damit schwer. Da gibt es Vorstellungen von richtig und falsch, die manche Menschen ausschließen. Eigentlich verwunderlich, wo doch in der Hl. Schrift steht, dass Gott alle Menschen nach seinem Abbild erschaffen hat. Wenn das so ist, dann hat Gott viele Facetten. Er hat nämlich einen ziemlich bunten Haufen erschaffen.
Der Theologe Karl Rahner meint: "Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten." Auch das hat mit Toleranz zu tun, nämlich mit Aushalten. Er zeigt, dass Glauben nciht heißt, es sich leicht zu machen. Gott ist zu vielschichtig, um ihn auf eine einfache Formel zubringen. Und die, die er nach seinem Abbild geschaffen hat, sind nicht weniger bunt. Kirche sein heißt, die Unbegreiflichkeit auszuhalten. Besser noch: Sie anzunehmen. Scheinbar hat Gott es so gewollt. Der Andere ist eben anders. Und Gott sowieso.


Ihr Pfarrer Georg Lindl


AKTUELLER PFARRBRIEF DER STADTKIRCHE "Ostern - Das Geschenk des Neuanfangs"