Verklärung Christi

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Der Ministrant – das bekannte Wesen

Alle Kirchgänger kennen ihn bzw. sie, es ist das oft bunte Wesen vorne in der Kirche.
Und die meisten wissen auch, was er/sie zu tun hat:
Er/Sie hilft dem Pfarrer, hält das Buch, trägt einige Dinge herum und macht ansonsten meist eine gute Figur.

Da aber der/die perfekte Ministrant/in nicht vom Himmel fällt und das Ministrieren nicht das Einzige ist, wird hier das Ministranten-Leben in Verklärung Christi etwas vorgestellt.

(Weiter unten auf dieser Seite finden Sie einen kleinen Blick in die Geschichte des Ministrantendienstes.)

Die Verantwortlichen

Zunächst gibt es da den Oberboss: es ist Herr Pfarrer, der abhängig von guten Ministranten ist.
Aber alleine (er hat ja sonst auch einiges zu tun) wird er der Horde der Ministrant/innen (momentan sind es ca. 35) nicht Herr.
Und deshalb gibt es die Oberministranten, kurz OMIs.
Zusammen versuchen sie, das Leben der Ministrant/innen einigermaßen zu organisieren, und dazu gehört vielerlei:
der Ministranten-Plan will gemacht und verteilt werden, größere Feste müssen durchgesprochen werden, mit den jüngeren Ministrant/innen muss geübt werden, Veranstaltungen werden organisiert, Probleme besprochen und so einiges mehr...
Und natürlich sind sie auch Ansprechpartner bei auftretenden Schwierigkeiten.
Momentan sind es: Sophia Hilsenbeck, Florian Gruber, Quirina und Benedikt Burghardt und Nico Kellner.

Der Beginn

Wie oben schon erwähnt, fällt der perfekte Ministrant nicht vom Himmel und deshalb steht am Anfang einer Ministranten-Karriere die Ausbildung.
In VC werden die Kinder nach ihrer Erstkommunion angeschrieben und eingeladen, den Dienst des Ministranten zu übernehmen. Noch im Sommer beginnt dann die Ausbildung.
Die OMIs, unterstützt von erfahrenen Ministranten, weihen die Neuen in die Geheimnisse des Ministrierens ein. Es braucht schon ein paar Wochen, bis die Tätigkeiten sitzen, denn nicht jedes Treffen ist von tiefster Disziplin durchzogen:
Aber das gehört dazu; Ministrieren darf auch Spaß machen.
Wenn die Neuen ihre Aufgaben einigermaßen beherrschen (denn ein Ministrant braucht Jahre um ein perfekter Ministrant zu werden), werden sie im Herbst in einem Gottesdienst feierlich in die Ministrantenschar aufgenommen.

Der Dienst

Eigentlich sollte das ein jeder beim Gottesdienst beobachten können, aber trotzdem seien hier kurz die Aufgaben der Ministranten beschrieben:
• der Läuter: Beim Einzug läutet er die Glocke, sonst weiß ja keiner, wann der Gottesdienst beginnt.
• der Kreuzträger: Führt bei größeren Festen mit dem Kreuz den Einzug an.
• die Leuchter: Sie tragen die Kerzen, sind vor allem bei der Prozession mit dem Evangelium-Buch wichtig.
• die Buchministranten: (Ist eigentlich nur einer, aber damit sind die beiden gemeint, die oben neben dem Pfarrer sitzen.) Er hat die Aufsicht über das Messbuch: er hält es dem Pfarrer zum Beten hin und sorgt dafür, dass es immer am richtigen Ort ist.
• die Gabenbereiter: Diese haben die wichtige Aufgabe, die Gaben zum Altar zu bringen (sagt ja eigentlich schon der Name); dies ist nicht ohne, denn auf die Reihenfolge kommt es an. Sie sind natürlich auch wieder für das Abräumen zuständig.
• die Läuter: Diesmal zwei: Sie läuten bei der Wandlung, jeweils beim Brot und beim Kelch, damit auch der letzten Kirchenschläfer diesen wichtigen Augenblick nicht verpasst.
• die Sammler: Sorgen dafür, dass die Gottesdienstteilnehmer ihre pekuniären Gaben darbringen können.
• das Weihrauch: Bei größeren Festen bringen sie Wohlgeruch in die Kirche;
gehört zur höheren Schule des Ministrierens und kann deshalb hier im Einzelnen nicht erläutert werden.
• die Sonstigen: Geben dem ganzen Gottesdienst den wahrlich festlich und feierlichen Charakter.

Bei großen Festen kommen noch verschiedene andere Aufgaben dazu.
Deshalb gibt es vor diesen, besonders vor Weihnachten und Ostern, der Hauptsaison der Ministranten, besondere Proben, damit die Gemeinde glaubt, alles läuft perfekt.

Man sieht, viele und sehr unterschiedliche Aufgaben, die auch nicht immer ganz einfach sind. Deshalb kann es schon mal vorkommen, dass nicht alles so klappt, wie man es sich vorstellt, aber auch Ministranten sind nur Menschen. (Außer der perfekte Ministrant: bei ihm wird man keine Fehler sehen, nicht weil er keine macht, sondern weil er sie mit seiner Erfahrung perfekt zu überspielen weiß!)

Die Veranstaltungen

Ministrant sein heißt ja nicht nur zu ministrieren, sondern dazu gehört auch gemeinsam etwas zu unternehmen, auch einmal über das Ministrieren und über den Glauben nachzudenken oder einfach miteinander Spaß zu haben.

Deshalb gibt es in VC einiges für und mit den Ministranten:

• Mini-Event: Hin und wieder gibt es einen besonderen Tag, an dem etwas besonderes unternommen wird, so gab es einen Ausflug zum Wildpark Poing mit anschließender Übernachtung im Pfarrheim, wir waren beim Schlittschuhlaufen, im Tierpark und beim gemeinsamen Radln.

• Mini-Wochenende: Einmal im Jahr fahren die Ministranten für ein Wochenende ins Grüne, in ein Selbstversorger-Haus (d.h. es wird selbst gekocht!).
Neben Spaß, Spiel und Unterhaltung wird auch über bestimmte Aspekte des Ministrierens oder unseres Glaubens nachgedacht.

• Mini-Rom-Wallfahrt: Alle paar Jahre (hängt auch von der finanziellen Situation der Kirchenstiftung ab) fahren die Ministranten nach Rom und besuchen u.a. den Papst. Die letzte Fahrt fand 2012 statt.

Weil auch der Kontakt zu den Eltern wichtig ist, gibt es hin und wieder Zusammenkünfte mit ihnen, teilweise nur zum Ratschen, aber auch um anstehende Schwierigkeiten und Probleme im Gespräch zu beheben.

Das Ende

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Jedes Ministranten-Leben hat einmal sein Ende.

Aber Ministranten, die aufhören, sollen nicht einfach von der Bildfläche verschwinden, sondern sie werden in der Osternacht feierlich verabschiedet, wobei ihnen zur Erinnerung an meist langjähriges Ministrieren die Plakette übergeben wird, die sie beim Ministrieren so oft getragen haben.

Ein kleiner Blick in die Geschichte des Ministrantendienstes

Der Anfang dieser Geschichte liegt nach so langer Zeit etwas im Dunkeln. Sicher ist aber, dass schon seit der Zeit der ersten Christen bei einem Gottesdienst neben der Leitung durch den Priester noch andere Aufgaben anfielen, beispielsweise das Vortragen von Lesungen oder die Sorge um die Kerzen. Später wurde es üblich, dass diese Tätigkeiten, die eigentlich nur von geweihten Männern ausgeübt werden sollten, oft von Laien übernommen wurden. Daher entwickelte sich im Bewusstsein der Menschen das - reichlich schiefe - Bild vom Ministranten als "kleiner Pfarrer".

Die zweite Wurzel des Ministrantendienstes liegt mehr im "Kirchenvolk". Seit dem 8. Jahrhundert wurde es zunehmend üblich, dass besonders in den Klöstern jeden Tag eine Vielzahl von Gottesdiensten stattfand, weil jeder zum Priester geweihte Mönch täglich eine Messe lesen sollte beziehungsweise wollte. Für so viele Messen fanden sich aber nicht immer auch Gläubige als Gemeinde - und ein Priester ganz alleine kann keinen Gottesdienst feiern! Schließlich verspricht Jesus in Mt. 18,20 ja: "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Und dieser zweite, der die Antworten der Gemeinde übernahm, war eben der Ministrant. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde die Bedeutung der Gemeinde immer mehr zurückgedrängt, unter anderem auch durch die Tatsache, dass für die Gebete und damit auch die zu gebenden Antworten eine Sprache benutzt wurde, die das einfache Volk nicht verstand, nämlich Latein. Die Ministranten wurden so zu Stellvertretern einer Gemeinde, die sich nicht mehr selbst in den Gottesdienst einbringen konnte.

Im Barock (14. Jh.) wurden die Gottesdienste zunehmend prächtiger und teilweise an die Hofzeremonien von Herrschern angepasst. Dementsprechend wurden Ministranten wie Pagen gekleidet und waren insgesamt ein wichtiger Beitrag zur feierlichen Atmosphäre. Und im 20. Jahrhundert? Im Jahr 1947 wurde durch die Papstenzyklika mit dem Namen "Mediator Dei" gewissermaßen offiziell bestätigt, dass Kinder und Jugendliche den Ministrantendienst übernehmen konnten – Mädchen blieben allerdings ausgeschlossen. In alten Ministrantenbüchern heißt es dazu unter anderem: "Messbuben sind allzeit reine frische Jungen gewesen, keine Schlafmützen und Stubenhocker... Einen Messbuben muss man auch erkennen können, wenn er zwischen anderen Jungen in der Bank kniet. Er muss eine viel strammere Haltung haben. Das muss so sein, als sehe man einen strammen Offizier zwischen jungen Rekruten..." (1938). Neben diesem militärischen Bild, das den Ministranten gewissermaßen als einen Soldaten ansieht, steht das romantische vom Engel auf Erden: "Sollen die Engel des Himmels nicht staunen, wenn sie sehen, dass auf Erden kleine Jungen Dinge tun dürfen, die im unsichtbaren Reich des Himmels Vorrechte der Engel sind?" (1938). Zwei Jahrzehnte nach diesen Aussagen entsteht allmählich ein Bewusstsein für die Problematik der "Brückenstellung" zwischen Gemeinde und Priester, die der Ministrant innehat: "er ist Mittler zwischen Volk und Altar...". "Fast möchte man den Ministranten einen schlechten Volksvertreter nennen, weil er die Gemeinde vergessen lässt, was sie eigentlich selber zu tun und zu sprechen hat." (1960). Das Zweite Vatikanische Konzil gibt hier eine Antwort, indem es die Bedeutung der Gemeinde wieder ganz entscheidend stärkt. Die folgende Liturgiereform, in der beispielsweise der "Volksaltar" zum zentralen Ort des Gottesdienstes wurde (wo das Messbuch durchaus den ganzen Gottesdienst lang liegen bleiben kann, ohne dass es einen Ministranten braucht, der es hin- und herträgt), führte zu einer gewissen Verunsicherung, und der Frage, in wie weit denn der Ministrantendienst überhaupt noch nötig und sinnvoll war. Mindestens genauso schwer wiegend war aber die allmählich aufflammende Diskussion, ob denn auch Mädchen zugelassen werden sollten. Noch bis 1994 galt das Verbot des Ministrantendienstes von Mädchen und Frauen. Erst seit diesem Zeitpunkt können mit Erlaubnis des jeweiligen Bischofs offiziell Mädchen Ministrantinnen werden - und sind heute oft genug in der "Überzahl". Heute gibt es wohl in den allermeisten Pfarreien eine mehr oder weniger große Gruppe von Ministrantinnen und Ministranten, die gerne den Dienst am Altar verrichten und sich so mit ihrer ganzen Person beim sonntäglichen Gottesdienst einbringen.