Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
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Hans Tremmel
Prof. Dr. Hans Tremmel

Lachen

(Münchner Kirchenzeitung vom 30.04.2017)

Können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal gelacht haben? Ich meine kein Schmunzeln und auch kein Lächeln, sondern ein herzhaftes Lachen aus der Tiefe Ihres Selbst heraus. Ein Lachen, das regelrecht Besitz von Ihnen ergriffen hat, wie ein Hustenanfall oder ein starker Schluckauf. Ein Lachen, gegen das Sie sich nicht wehren konnten und eigentlich auch gar nicht wollten, weil es solche Freude machte, obwohl es geradezu körperliche Schmerzen verursachte und Ihnen die Tränen in die Augen trieb. Ich meine dieses Scheckig-Lachen, das sie nicht mehr auf dem Stuhl sitzen ließ, so dass Sie sich buchstäblich vor Lachen kugeln mussten.

Meist ist kein erzählter Witz der Auslöser für jene ekstatische Fröhlichkeit, sondern eine gemeinsame Erinnerung oder ein geteiltes Erlebnis. Nicht selten stellen sich diese „Anfälle“ bei Familienfesten, bei Klassentreffen oder beim geselligen Zusammensein mit Freunden ein. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber Lachorgien habe ich noch nie alleine erlebt, weshalb ich vermute, dass für wirkliches Lachen Gemeinschaft nötig ist. Nicht umsonst heißt es, lachen sei ansteckend. Selbst bei scheinbar unpassenden Momenten und an überraschenden Orten lässt sich unkontrolliertes Lachen beobachten. Die Wissenschaft vom Lachen, die Gelotologie, hat herausgefunden, dass Lachen eine zutiefst menschliche Reaktion auf ungewöhnliche Situationen ist, ein Abwehrmechanismus gegen Angstzustände. Lachen befreit, hat eine Entlastungsfunktion nach überwundenen Gefahren, dient der Abwendung drohender sozialer Konflikte. Kaum eine Verhaltensweise ist so gemeinschaftsstiftend wie kollektives Lachen. Ärzte und Klinikclowns wissen: Lachen ist gesund.

Andererseits ist die Humorschwelle bei manchen Zeitgenossen derart hoch, dass ihre Umgebung vermutet, sie gingen zum Lachen allenfalls in den Keller. Es ist mühsam, wenn unterschiedliche Lachtemperamente ungewollt aufeinandertreffen, wie das zum Beispiel am Arbeitsplatz der Fall sein kann. Was die einen lustig finden, verursacht bei anderen Entrüstung oder gar Verletzung.

Wo liegt die Grenze, wann über etwas oder jemanden gelacht werden darf? Sie merken schon, dieses Thema ist keineswegs trivial. Papst Johannes XXIII. hat den Spruch geprägt: „Giovanni, nimm Dich nicht so wichtig“. Der Konzilspapst hatte leicht reden, denn selbstbewusste Menschen können gut über sich selber lachen und zwar mit anderen. Weniger starke Persönlichkeiten dagegen können am Gelächter anderer zerbrechen. Diese Problematik hat nun vor kurzem Papst Franziskus im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion aufgegriffen, als er achtzig Tausend Firmlingen mit ernster Stimme ins Gewissen redete: „Bei euch in der Schule, bei euch im Viertel – gibt es da jemanden, über den ihr immer lacht, dem ihr dumme Streiche spielt, weil er irgendeine Beeinträchtigung hat, weil er dick ist, oder dünn, oder sonst etwas? Macht es euch vielleicht Spaß, so jemanden zu beschämen oder auch mal zu verprügeln? Denkt mal nach. Das heißt Mobbing. Bitte, um des Sakraments der heiligen Firmung willen: Versprecht dem Herrn, so etwas nie zu tun und nie zuzulassen, dass andere das bei euch in der Schule, bei euch im Viertel tun. Verstanden?“

Es wäre schön, wenn auch wir verstehen: Lachen ist großartig – Auslachen ist menschenverachtend. Auslachen produziert Einsamkeit, Depression, ja manchmal sogar Terror und Tod. Positives Lachen dagegen macht die menschlichen Begegnungen erst richtig lebenswert.