Meine Fastenzeit Abschied - nach dem Kampf für das Leben: eine persönliche Geschichte

Mit Aschermittwoch begann auch heuer die Fastenzeit. Eine Zeit, die für Ingrid Kettering nicht mit neuen Schlankheitskuren verbunden ist, sondern mit einer sehr persönlichen Geschichte. Diese wird sie uns in den nächsten sieben Wochen erzählen - in einem kleinen Fasten-Tagebuch. Begleiten Sie Ingrid Kettering auf ihrem Weg durch die Fastenzeit mit tiefen Einblicken in ihre persönliche Geschichte und Impulsen für Ihren eigenen (Fasten-) Alltag.
Ingrid und Sonja Kettering - ein Selfie von beiden in Lissabon, Portugal
Glücklich vereint und stark - Mutter und Tochter. (Bild: privat)

Teil 5

Anfang August erfüllte mir Sonja einen stillen Wunsch: Ich wollte schon immer mal nach Portugal. Sonja setzte alle Hebel in Bewegung, um dies realisierbar zu machen.

Sie fuhr zunächst zu ihren Großeltern. „Omi, darf Anita eine Woche bei dir Ferien machen?“, fragte sie meine Mutter. "Ich will mit Mami nach Lissabon fliegen." Meine Mutter fragte sehr erstaunt: „Du mit der Mama? Du hast doch Freundinnen genug. Warum denn mit der Mama?" „Weil ich eben heuer mit Mami in den Urlaub will“, blieb Sonja standhaft. Meine Mutter willigte ein und ich freute mich wie „ein Schnitzel“!

Danach buchte Sonja Flug und Hotel und der Urlaub zu zweit war „in trockenen Tüchern!“ Es war soooo schön!

Das Glück hält nicht lang

Ja, das war nun wieder meine gesunde Sonja! Sie kümmerte sich darum, dass es allen gut geht. In diesen Sommermonaten belebte sie ihren gesamten Freundeskreis wieder! Sie fuhr mit ihren Freundinnen an den Eibsee, ging mit ihnen feiern und sie fuhren nach München zum Shoppen. Auch in Innsbruck wollte Sonja ihre Studienfreunde treffen.

Es war aber nicht nur Spaß und Fun, was sie im Sinn hatte. Ende August bis Mitte September absolvierte sie in Berchtesgaden ein weiteres Praktikum in der psychiatrischen Abteilung. Es sollte ein Aufarbeiten von der Zeit in Südafrika sein. Doch es kam nicht zum Ende.

In der vierten Woche rief meine Tochter mit angstvoller Stimme zu Hause an: „Mami, mein Kopf ist so komisch, ich habe Angst, dass ich etwas falsch mache! Ich will heim!“
Mit einigen Fragen verschaffte ich mir nähere Informationen und riet ihr, sich der Psychologin anzuvertrauen. Machte ihr Mut, dass sie es mit Unterstützung von ihren Kollegen überstehen würde.

Trotz Rücksprache mit der Psychologin und dem Team wurde Sonjas Zustand wieder schlechter. Am darauffolgenden Wochenende war sie wieder zu Hause und traute sich erneut nichts mehr zu.

"Mama, ich mache wieder alles kaputt"

Nun war ich wieder an der Reihe. Wir beide fuhren zusammen nach Berchtesgaden und redeten mit der Abteilungsleiterin und deren Mitarbeiter. Diese wollten Sonja unterstützen, aber es ging einfach nicht. Sehr deprimiert packten wir alles Gepäck zusammen und traten die Heimfahrt an. 

Diesmal wollte Sonja so schnell wie möglich „ihr“ Medikament wieder einnehmen, damit sie zu Beginn ihres Studiums wieder „funktioniert“. Am 7. Oktober begann das 5. Semester! Der behandelnde Arzt verschrieb meiner Tochter jedoch ein anderes Medikament, da sie das letzte in der Folge sehr „gepuscht“ hatte.

Das neue Medikament wirkte aber nicht und Sonja wurde unruhiger. „Ich will bitte das vorherige Medikament wieder“, wandte sich mein Kind sorgenvoll an den Arzt. Dies wurde ihr auch gewährt, nur zu spät!

Sonjas Zustand war immer noch von Unsicherheit und Angst geprägt, sodass sie im Oktober nicht mit dem 5. Semester beginnen konnte. Sie war verzweifelt, ich auch.
„Mama, ich mache wieder alles kaputt!“

Ingrid und Sonja Kettering im Urlaub in Lissabon, Portugal
Ingrid und Sonja Kettering glücklich im Urlaub zu zweit in Lissabon, Portugal. (Bild: privat)

In der kommenden Woche lesen Sie an dieser Stelle, wie die Geschichte weitergeht.