Meine Fastenzeit Abschied - nach dem Kampf für das Leben: eine persönliche Geschichte

Mit Aschermittwoch begann auch heuer die Fastenzeit. Eine Zeit, die für Ingrid Kettering nicht mit neuen Schlankheitskuren verbunden ist, sondern mit einer sehr persönlichen Geschichte. Diese wird sie uns in den nächsten sieben Wochen erzählen - in einem kleinen Fasten-Tagebuch. Begleiten Sie Ingrid Kettering auf ihrem Weg durch die Fastenzeit mit tiefen Einblicken in ihre persönliche Geschichte und Impulsen für Ihren eigenen (Fasten-) Alltag.
Sonja Kettering in Brasilien in Rio
Selbstbewusst und scheinbar glücklich - Sonja allein in Rio, Brasilien. (Bild: privat)

Teil 6: Wieder in Therapie

Oktober 2014: "Mama, warum geht alles kaputt, was ich mir aufgebaut habe? Ich kann nicht noch ein Jahr warten, meine Freundinnen kriegen das doch auch hin.“ Ihre Verzweiflung war Anlass für den Arzt, Sonja zu einen Klinikaufenthalt zu überreden. Sie wollte nicht und sah mich bittend an. Schließlich kamen wir überein, vorübergehend die Klinik mit deren Angeboten anzunehmen, bis es Sonja wieder besser ginge. Meine Tochter bestand darauf, nur in meinem Beisein mit der Ärztin in der Klinik zu reden. So hatte ich, Gott sei Dank, auch Einfluss bei der Dosierung des Antidepressivums.

Die Therapiemaßnahme der Ärzte war, in Abständen von zwei Tagen die Dosis zu erhöhen. Da ich ja nun wusste, dass Sonja mit genau diesem Medikament und einer Tablette im vergangenen Jahr aus ihrer Depression herauskam, bat ich dies abzuwarten.

Im Vergleich zu den anderen Patienten in der Klinik, ging es Sonja gut. Aber die Tage vergingen langsam, Sonja bekam Heimweh und wollte nach Hause, zu ihrer Schwester und zu uns. Ich holte sie deshalb jeden Nachmittag nach Hause und fuhr sie um 20 Uhr wieder zurück in die Klinik. Das waren genau 12 Tage; dann wurde sie auf eigene Verantwortung hin wieder entlassen.

Wieder verbrachte sie Weihnachten und Geburtstag in Isolation! Doch zumindest war sie in der Geborgenheit ihrer Familie!

Eine Heilpraktikerin begleitete Sonja von dort an. Sie machte meine Tochter aufmerksam auf die Befindlichkeiten ihrer Seele. "Höre in dich rein: Was tut dir gut? Hast du genug Ausgleich im Alltag?“ Außerdem hatte sie ihr Nahrungsergänzungsmittel verabreicht, damit Sonja auch ihr körperliches Depot wieder auffüllen konnte. Diese Phase dauerte wie im vergangenen Jahr bis ca. Ende März.

Neuer Elan, neue Perspektiven, alte Muster

Als es Sonja im April 2015 wieder besser ging, entschied sie sich dazu, Die Ausbildung zu ihrem Traumberufsziel Psychologie aufzugeben und eine Tätigkeit mit weniger seelisch-belastender Arbeit zu suchen. „Vielleicht bin ich doch zu feinfühlig, um als Psychologin arbeiten zu können“, meinte meine Tochter. 

Nach wenigen Tagen fand Sonja schon eine geeignete Alternative! Ein Duales Studium: Tourismusmanagement mit der praktischen Tätigkeit in München und der Theorie an der Uni in Ravensburg. Sonja hatte binnen weniger Wochen einen Arbeitsvertrag! In den Sommerferien plante sie als Urlaubsvertretung schon vorab in München zu arbeiten.

Doch nach dem „alten Muster“ ihrer Gesundung wurde Sonja auch dieses Mal wieder sehr hibbelig und handelte unüberlegt wie ein Teenager. So buchte sie eines Nachts einen Flug nach Brasilien. Als mich meine Tochter morgens vor vollendete Tatsachen gesetzt hatte, war ich im Innersten schockiert! Aber Sonja meinte dazu nur: „Mami, das verstehst du nicht! Du hättest mir niemals zugestimmt, wenn ich dich gefragt hätte! Und ich muss dich nicht um Erlaubnis fragen, ich bin schließlich alt genug!“ „Stimmt (leider)“, dachte ich.

„Ich will diese Reise machen! Ich habe JETZT die Zeit dazu und gespart habe ich auch!“ Nach Anitas Geburtstag ging es los. Meine Tochter flog selbstbewusst und glücklich ganz alleine für vier Wochen nach Brasilien!

Ich hatte solche Angst davor, dass ich sie nie wieder sehe!

In der kommenden Woche lesen Sie an dieser Stelle, wie die Geschichte weitergeht.