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Pfarrflächen für die Artenvielfalt

In den letzten Jahrzehnten ist die Insektenpopulation um geschätzte 75 Prozent geschrumpft. Dass dringend gehandelt werden muss, steht außer Frage. Im Kreis Fürstenfeldbruck haben sich deshalb die Solidargemeinschaft Brucker Land und das Brucker Forum als Kooperationspartner vereint. Bevor allerorten das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gestartet war, hatte sie schon ihr Projekt „Brucker Land blüht auf“ in die Tat umgesetzt.
Blühwiese
(Foto: Barbara Sandmeir)
Eine Zusammenarbeit war schon lange angedacht. Bereits 2017 entschieden sich die Solidargemeinschaft Brucker Land und das Brucker Forum für eine Kooperation zur Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung. Ein erstes vereinendes Projekt war dank einer Idee von Margit Pesch, einem Vorstandsmitglied vom Brucker Land, schnell gefunden: Die Steigerung der Biodiversität und Artenvielfalt durch gezielte Umgestaltung von öffentlichen Grünflächen im Rahmen des Projektes „Brucker Land blüht auf“.
 
„Es gibt unzählige Kreisverkehre, Parkbuchten und Seitenstreifen, die sich wunderbar zur Bepflanzung eignen“, erklärt Benedikt Rossiwal, der Geschäftsführer vom Brucker Forum. In diesem Zuge gerieten auch die Grünflächen der Pfarrgemeinden in den Fokus der Initiatoren. Sei es rund um die Pfarrhäuser und Kirchen oder als Umrandung der Friedhöfe – Platz für Blühwiesen ließe sich leicht finden. So lud man im Frühjahr 2018 nicht nur die Kommunen, sondern auch die umliegenden Pfarreien zu einem Vortrag ein. Die Kosten hierfür übernahm das Brucker Land. Das Interesse der Kommunen war da. Rund zehn Vertreter waren erschienen. Es beteiligte sich jedoch nur eine Pfarrei, und zwar St. Margareta aus Günzlhofen. „Über diese eine habe ich mich aber sehr gefreut“, betont Rossiwal.

Grünflächen wurden professionell neu geplant

Blühstreifen
(Foto: Rita Schütt)
Beim zuständigen Planungsbüro von Dr. Reinhard Witt, der als Koryphäe auf dem Gebiet der Naturgartengestaltung gilt, reichten alle Mitwirkenden Pläne ihrer Grünflächen ein. Witt erarbeitete daraufhin die passenden Methoden zur Umgestaltung, erschien persönlich vor Ort und zeigte den Teilnehmern die Wirkungsweise anhand eines Modellstandorts in Emmering.
 
Die Kommunen trugen die Planungskosten von rund 650 Euro und für die anschließende Umsetzung selbst. Diese variierten von einigen 100 bis zu etwa 10.000 Euro. „Manche Kommunen haben bis zu 3.500 Quadratmeter Fläche bepflanzt. Da entsteht natürlich auch ein größerer Aufwand“, erklärt Pesch. Da der gestalterische Ansatz eine große Rolle spiele, sei jedes Einzelprojekt ohnehin individuell zu betrachten. Wo die Flächen bearbeitet wurden, hat man Feldschilder mit der Information „Hier entsteht eine Blühfläche mit heimischen Wildpflanzen“ angebracht. Gesponsert wurden diese von Brucker Land und Brucker Forum. Die Pfarrei St. Margareta erhielt eine einmalige Finanzspritze, denn als Mitglied der katholischen Erwachsenenbildung konnte das Brucker Forum für den Termin vor Ort einen „Zuschuss der innovativen Projekte“ erwirken. Lediglich für die Umarbeitung des Bodens und das Saatgut entstanden Kosten von knapp 4000 Euro.

Ein Paradies für Insekten

Barbara Sandmeir, Bildungsbeauftragte vom Brucker Forum und studierte Landschaftsarchitektin, hat das Projekt in Günzlhofen begleitet und war begeistert vom Engagement des damaligen Kirchenpflegers Hans Hartl. „Er hatte das Thema schon lange im Hinterkopf. Von uns kam nur der letzte Impuls.“ Eigentlich war auf der 75 Quadratmeter großen Fläche vor dem historischen Pfarrhaus im Zuge von Pflasterarbeiten gerade frischer Oberboden aufgebracht worden. Der musste erst einmal wieder abgetragen werden, um den zukünftigen Wildpflanzen den nötigen Magerboden zu bescheren, der lediglich aus einer Kiesschicht und einer dünnen Schicht Kompost mit Magerrasen besteht. Da es sich um eine repräsentative Fläche handelt, pflanzte man neben der Blühmischung auch Initialstauden, zusätzliches Gehölz wie Geißklee und ungefüllte Rosen sowie schnellblühende, einjährige Blumen. Auch rund 750 Pflanzenzwiebeln als Frühlingsblüher wurden eingebracht. Der Steppensalbei, die vielfarbige Wolfsmilch, die bittere Schleifenblume und viele andere Kandidaten blühen bereits bunt und locken allerlei Insekten an. Im August muss das erste Mal gemäht und das Mähgut weggeräumt werden. „Ansonsten ist diese Art der Bepflanzung überaus pflegearm. Die Blumen müssen, außer in den ersten Wochen, nicht einmal gegossen werden“, erklärt Sandmeir. Darüber hinaus sei es schön anzusehen. „Die Magerwiesen blühen länger und sind sehr bunt.“
 
Etwa 22.000 Quadratmeter Fläche wurden bisher vor allem auf kommunaler Ebene überplant, 13.000 Quadratmeter hat man bereits umgesetzt. „Manche haben das Konzept aufgenommen und selbständig auf andere Flächen übertragen“, berichtet Pesch. „Wir sind wahnsinnig stolz, dass das von allein passiert.“
blühender Garten vor Pfarrhaus in Günzlhofen
Blühender Garten vor historischem Pfarrhaus in Günzlhofen (Foto: Barbara Sandmeir)

Praktische Tipps für Pfarreien

Um auch den Kirchenpflegern und Verantwortlichen in den Pfarrverwaltungen und Pfarrgemeinden die Beteiligung zu erleichtern, hat das Brucker Forum eine 27-seitige Handreichung für Pfarreien mit dem Titel „Pfarrflächen blühen auf“ entwickelt. Günzlhofen dient darin als Vorbild. „Wir mussten deren Erfahrung unbedingt festhalten und weitergeben“, betont Rossiwal. Mit eindrücklichen Bildern und einer übersichtlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung ist die Broschüre so aufgebaut, dass sie auch für Laien leicht verständlich ist. Der Druck des Heftes auf nachhaltigem Papier wurde komplett von der Abteilung für Umwelt des Ordinariats finanziert.
 
Natürlich sei so ein Vorhaben einmalig mit Kosten verbunden. Auf lange Zeit gesehen, so betont Rossiwal, stelle die Umstellung jedoch einen geringeren Aufwand und somit einen positiven Kostenfaktor dar. „Außerdem ist es ein simpler Beitrag mit großer Wirkung. Wer an unserem Projekt teilnimmt, der leistet einen aktiven Beitrag zur Schöpfungsverantwortung.“
 
Als die Broschüre im April 2019 erschien, wurden alle Pfarreien im Umkreis informiert. „Leider kamen bisher keine weiteren Anfragen. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich noch mehr Pfarreien am Erhalt von Gottes Artenvielfalt beteiligten.“
 
Text: Beate Berger

Zum Download

Interessierte Pfarrgemeinden können die Handreichung unter nachhaltig@brucker-forum.de anfordern oder kostenlos downloaden unter www.brucker-forum.de.