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Wie Eltern es erleben, wenn die Kinder im Glauben eigene Wege gehen Religiöse Erziehung heute - Ein Vater erzählt von seinen Erfahrungen

Nur ein authentischer Glaube ist auf Dauer tragfähig, das hat unser Autor Ulrich Berens durch seine eigene Entwicklung erfahren. Das tröstet ihn und hilft ihm loszulassen, wenn seine Kinder in ihrem Glaubensleben andere Wege gehen.
Mädchen schaut fragend und suchend nach oben
Kinder sind empfänglich für Glaubenserfahrungen und für die Werte, die ihre Eltern ihnen vermitteln. Welchen Weg die Töchter und Söhne später einschlagen, ist dennoch ungewiss. (Foto: imago/Westend61)
Wenn ich als Schüler Angst hatte vor einer Klassenarbeit, versuchte ich vorher, Gott zu einem Zeichen zu überreden. Schräg links von meinem Platz in der Klasse war ein Fenster, in dem ich lediglich ein Stück Himmel sehen konnte. Und so betete ich still gegen meine Angst an: „Lieber Gott, schick’ mir ein Zeichen, dass ich diese Klassenarbeit gut schaffe. Wenn in der nächsten halben Minute ein Vogel genau vor meinem Fenster vorbeifliegt: Dann weiß ich, Du wirst mir helfen.“
  
Warten auf ein Signal von Gott
Oft flog dieser Vogel tatsächlich durch „meinen“ Himmelsausschnitt und beruhigte mich. Manchmal musste ich in dieser halben Minute jedoch plötzlich wegschauen, weil der Lehrer mich Hans-guck-in-die-Luft nannte oder mein Banknachbar dringend mein Lineal leihen wollte. Hatte ich jetzt mein Zeichen verpasst?
 
Heute amüsiere ich mich darüber – Kinderglaube halt. Gott ist niemand, der sich zu Deals überreden lässt oder Vögel fernsteuert, nur damit ich beruhigt leben kann.
 
Irgendwie habe ich es geschafft, mich von Gott als dem großen Magier und der Vorstellung, ich könnte ihn durch Wohlverhalten in Richtung meiner Wünsche lenken, zu verabschieden. Und doch habe ich das Gespür behalten, dass Gott gegenwärtig ist in allem, was mein Leben ausmacht: zuerst in den Menschen, denen ich begegne, aber auch in dem, was mir widerfährt, seien es glückliche Momente wie die Geburt meiner Kinder oder krisenhafte wie eine plötzliche Krankheit. Es ist zum Glück das Leben selbst, das die Schlacke vom eigenen Glauben klopft, Unwichtiges abstreift und Tragfähiges erhält, und dieser Prozess hört vermutlich nicht auf, solange ich lebe.

Die Erfahrung weitergeben, dass der Glaube bereichert
Und ich bin dankbar dafür, denn durch das Abfallen von Unwichtigem und Unechtem entsteht Authentizität, die mir, gerade in der Glaubenspraxis, sehr wichtig ist. Es waren immer die Authentischen unter den religiösen Menschen, die mir begegneten, die mich faszinierten und inspirierten – weil sie Leidenschaft versprühten.

Authentisch zu sein in dem, was und wie ich glaube: Das möchte ich gerne meinen Kindern weitergeben und weiß mich da im Gleichklang mit meiner Frau. Wir wünschen ihnen die Erfahrung, dass Glaube etwas ist, das uns zu einem guten Leben hilft, uns bereichert und uns zu tieferen, mitfühlenden Menschen macht. Glaube lenkt bewusst und mehr noch unbewusst unseren Lebensstil, unsere Wahrnehmung und unsere Haltung; er beeinflusst, wie wir die Welt erleben, uns in ihr bewegen und uns zu ihr verhalten.
   
Das Leben lässt sich nicht in einen Katechismus pressen
Glauben heißt für mich nicht, den Kopf und meinen kritischen Verstand auszuschalten und auf alles eine schnelle Antwort zu haben. Ich bin deshalb froh um einen Papst, der weiß, dass sich das Leben nicht in einen Katechismus pressen lässt. Glauben heißt vielmehr für mich: „Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“ – eine Kurzformel, die auf Alfred Delp zurückgeht und Raum für das Unverhoffte, Überraschende lässt.
 
Von Vertrauen und Authentizität war die Atmosphäre bestimmt, die in und um Jesus auf die ersten Jünger so faszinierend und anziehend wirkte. Eine Glaubensentfaltung in einer solchen Atmosphäre auch meinen Kindern heute zu ermöglichen, wäre ein Traum, aber das ist nicht leicht. Die beiden haben wie die meisten Kinder ein gutes Gespür für Echtheit; sie spüren, ob das, was meine Frau oder ich sagen, von der ganzen Person unterschrieben oder nur hohle Phrase ist. Und mit der Echtheit allein ist es nicht getan. Wenn ich meinen Kindern die gleiche Echtheit im Glauben wünsche, bedeutet das: Ich muss sie auf ihrem eigenen Glaubensweg gehen und letztlich loslassen. Das kann schmerzhaft sein.

So sind meine Kinder, 17 und 14 Jahre alt, keine regelmäßigen Kirchgänger geworden. Ihre Erfahrungen mit Gottesdiensten waren leider nicht immer gut; oft hatten sie das Gefühl, darin nicht vorzukommen, die Kirche und deren Personal erschienen ihnen eben nicht echt. Die traditionelle Kirche, der Sonntagsgottesdienst lässt bei ihnen deshalb keine Heimatgefühle aufkommen. Mir geht es da wie vielen anderen Eltern, mit denen ich darüber spreche und die ebenfalls darunter leiden, dass die eigenen Kinder Gottesdienst und Kirche mit innerer Distanz oder Ablehnung begegnen.
Vater und Teenager-Sohn sitzen auf dem Wohnzimmerboden, essen Pizza und schauen sich lachend an.
Die Kinder begleiten, ihren Weg akzeptieren und letztendlich loslassen. Das ist für Eltern nicht einfach. Foto: imago/Westend61
Hier kommt Glaube in die Praxis
Dennoch spüre ich, dass meine Kinder auch im Glauben bereits ihren eigenen Weg gehen. Ich spüre das in unseren Gesprächen um religiöse Fragen oder auch in Rückmeldungen von „draußen“, etwa von Lehrern, die mir erzählen, wenn sich meine Kinder leidenschaftlich für Schwächere einsetzen oder mit Gespür und Herz einen Streit schlichten. Meine Frau und mich macht das dankbar und froh, denn hier kommt Glaube in die Praxis, ins konkrete Tun – und ans Licht! Er zeigt sich, und wird von anderen anerkennend wahrgenommen. Das ist viel, Gott sei Dank!
 
Von all dem, was ich selbst in der Jugend an Glauben und Glaubensleben mitbekommen habe, ist vieles weggebröckelt. Das ist gut, denn vieles war nur „angeklebt“, gehörte nicht wirklich zu mir. Ich bin überzeugt, dass die Dinge bleiben, die tragfähig sind – auch im Glauben. Dieser Kern ist ein Schatz. Und ich hoffe, alles getan zu haben, damit meine Kinder diesen Kern, ihren Schatz, für sich entdecken und als tragfähig erleben, was immer das Leben für sie auch bringt.
 
Ulrich Berens
Wie Maria und Josef?
Machen Eltern es vielleicht am besten so wie Maria und Josef? Die nahmen das Kind, das sie nicht selbst gezeugt hatten, als eine Gabe Gottes an, staunten über seine Worte und Taten, „bewegten in ihrem Herzen“, was sie mit ihm erlebten und hörten nicht auf zu vertrauen, dass es schon gut werden würde, auch wenn sie es nicht verstanden oder ihnen seinetwegen gar „ein Schwert durch die Seele drang“. Was lässt Menschen die Gegenwart Gottes mehr spüren als die Geburt eines Kindes? Wie geht es, diese tiefe Erfahrung auch umgekehrt die Kinder spüren zu lassen? Okay, mein Kind ist nicht Jesus. Aber ein Kind von Gott geschaffen …!

neue gespräche 3/2017
Der Beitrag ist entnommen aus der Zeitschrift „neue gespräche - Partnerschaft.Ehe.Familie“, Ausgabe 3/2017 zum Thema "Staunen.Fragen.Glauben - Religiöse Erziehung heute". Herausgeber ist die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. Das Magazin erscheint vier Mal im Jahr.

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Josiane Wies-Flaig, Dipl. Sozialpädagogin


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